Hochschulspenden: "Zuerst muss man investieren"

Hochschulspenden: "Zuerst muss man investieren"

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Inge Reichenbach

von Thomas Stölzel

Eine Deutsche sammelt Milliarden an Spenden für die US-Eliteuniversität Yale. Im Interview verrät sie, warum sie sich für manche Spender zwei Jahre Zeit nimmt und was deutsche Hochschulen ansonsten von den USA lernen können.

WirtschaftsWoche: Frau Reichenbach, wie wird man Spenden-Milliardär?

Reichenbach: Indem man eine persönliche Beziehung zu den Alumni aufbaut und pflegt. Unsere Spender sind oft ehemalige Studenten, die alle aus verschiedenen Einkommensschichten stammen. Eins haben sie jedoch gemeinsam: Sie fühlen sich verpflichtet, ihrer Uni etwas zurückzugeben. Manche geben 5, 10 oder 100 Dollar im Jahr, andere ein paar Tausend oder gar Millionen. Bei großen Einzelspenden kommen auch schon mal mehr als 100 Millionen Dollar zusammen – aber so etwas passiert natürlich selbst bei uns nicht jedes Jahr.

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Wie hoch ist der Anteil der Ehemaligen, die Ihnen etwas spenden?

Wir haben 40.000 bis 50.000 Spender im Jahr. Das sind rund 45 Prozent unserer Alumni. Manche US-Unis bringen es sogar auf 50 bis 60 Prozent.

In Deutschland steckt das professionelle Spendensammeln noch in den Kinderschuhen, Ehemalige lassen ihrer Uni selten Geld zukommen. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

An den Erfahrungen, die die Alumni damals an der Uni gemacht haben. Hier in den USA bauen Studenten eine lebenslange Verbindung zu ihrer Hochschule auf. Die Universität tut viel dafür, dass die Studenten sie als Heimat betrachten – eine Heimat, wo sie nicht nur etwas gelernt, sondern auch ihre Persönlichkeit gebildet haben. Professoren laden ihre Studenten auch schon mal nach Hause zum Essen ein. Der Massenbetrieb an deutschen Unis dagegen sorgt dafür, dass man wenig persönliche Kontakte zur Fakultät entwickelt.

Welche Rolle spielt dabei der Hochschulsport?

Eine kleinere, als man denkt. Das Geld, das wir durch die Sportarten einnehmen, fließt meist auch wieder dorthin zurück. Der Uni als akademische Institution nützt es wenig.

Sorgen die Alumni-Vereine, die mittlerweile auch an vielen deutschen Unis entstanden sind, für bessere Spendierlaune?

Teils, teils. Diese Zusammenschlüsse bekommen nur dann Zulauf, wenn das Erlebnis in der Zeit des Studiums stimmt. Aber auch danach muss die Hochschule ihren Alumni noch etwas bieten – etwa indem sie ihnen zeigt, was heute im Fachbereich passiert oder auch welche Neuheiten es auf dem Campus gibt. Die Uni muss den Ehemaligen zeigen, welchen Einfluss ihr Geld auf Lehre und Forschung haben könnte. Wenn man nur darüber spricht, dass mal wieder Etats gekürzt werden, bewegt das niemanden zum Spenden.

Was machen die Deutschen denn Ihrer Meinung nach falsch?

Es werden oft viel zu unrealistische Erwartungen an die Spendenverantwortlichen gestellt. Man setzt jemanden ein, und nach ein bis zwei Jahren muss der riesige Erfolge vorweisen. Spendensammeln ist aber etwas Langfristiges. Zuerst sind jedoch Investitionen notwendig – zum Beispiel in Personal. Ein bis zwei Verantwortliche plus Sekretärin reichen nicht. Ich habe in Yale 280 Mitarbeiter. Vor allem bei Großspenden müssen Beziehungen über einen langen Zeitraum gepflegt werden. Und die Rektoren müssen sich selbst engagieren, denn sie verleihen Glaubwürdigkeit.

Wie gehen Sie in Yale vor?

Rund 80 Prozent unserer Spenden kommen von Privatpersonen, meist Ehemaligen oder den Familien von Studierenden. 15 Prozent kommen von Stiftungen, 5 Prozent aus der Industrie. Kleine Spender bitten wir um Geld, indem wir ihnen Briefe und E-Mails schicken oder sie anrufen. Mit denen, die mehr spenden können, arbeiten wir individuell.

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