Hochschulwettbewerb: Heilsamer Schock für junge Gründer

Hochschulwettbewerb: Heilsamer Schock für junge Gründer

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The Contest: Studenten sollten ein Geschäftsmodell für ein Mobile Social Network entwickeln

Im Finale des Hochschulwettbewerbs „The Contest“ sollten Studententeams ein Geschäftsmodell für ein Mobile Social Network entwickeln – am Ende ohne Erfolg.

Überraschte Gesichter. Staunen. Schweigen. Hat er das wirklich gesagt? Götz Klink, Partner der Unternehmensberatung A.T. Kearney und verantwortlich für den Personalbereich, ist ein humorvoller Mensch. Doch nach Scherzen ist ihm gerade nicht zumute.

Mit ernster Miene teilt er 13 verdutzten Studenten mit, dass keiner die Jury vollständig überzeugen konnte. Erstmals in der Geschichte des Hochschulwettbewerbs „The Contest“, den die Beratung seit zehn Jahren mit der WirtschaftsWoche ausrichtet, gibt es keinen Sieger. Eine schwere Entscheidung – die zugleich die Wirtschaftslage spiegelt.

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„Strickmuster – Die Masche mit der Vernetzung“ lautete das Motto des Wettbewerbs. Die Teilnehmer sollten ein Geschäftsmodell für ein Mobile Social Network entwickeln. Bislang wuchsen virtuelle Netzwerke wie Facebook oder Xing rasant, der nächste Schritt führt ins mobile Telefonnetz. Und ein ebensolches Konzept sollten die Studenten entwerfen.

In der ersten Runde reichte ein kurzes Exposé. Die besten Teams lud A.T. Kearney zur Zwischenrunde ein, deren Sieger zum Finale im Berliner Büro antraten.

Vor der Endrunde war die Jury, darin auch A.T. Kearney-Berater Martin Fabel und O2-Vice-President Sebastian Prange, besonders gespannt. Denn soziale Netzwerke spielen unter Studenten eine große Rolle – häufig waren ihre Gründer selbst noch an Hochschulen. Prominentestes Beispiel: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

Entsprechend versuchte sich auch das Finalistenteam der Uni Karlsruhe an einem großen Wurf und wollte die Jury mit seiner „Mitfahrzentrale 2.0“ überzeugen. Das Konzept: Wer etwa von Köln nach Berlin fährt und bei „Ontheway“ angemeldet ist, könne unterwegs per Nachricht auf dem Handy erfahren, wer ebenfalls in die Hauptstadt will, und ihn mitnehmen.

Web-2.0-Existenz braucht mehr als eine fixe Idee

Prinzipiell keine schlechte Idee – doch bei ihrer Prognose waren die Studenten überoptimistisch. Nach fünf Jahren wollten sie 3,4 Millionen Mitglieder haben: „Sie wissen aber, dass Mitfahrzentrale.de seit 1998 existiert und europaweit momentan etwa 700.000 Nutzer hat“, warnte Jury-Mitglied Frank Rosenberger, als Geschäftsführer von Vodafone Deutschland zuständig für das Privatkundengeschäft. Nein, das wussten die Studenten offenbar nicht. Ein klassischer Knock-out.

Ähnlich naiv waren auch die zwei nächsten Teams – mit ähnlichen Ideen. Sie wollten virtuelle Profile real verknüpfen. Eine Handy-Software sollte anzeigen, ob jemand mit gleichen Interessen in der Nähe und zu einem Treffen bereit ist.

Doch auch hier erinnerten die Konzepte eher an die Fantasiegebilde der Dot-com-Ära als an kalkulierte Geschäftsmodelle: Während das Team „Wooyaa“, bestehend aus Heidelberger und Karlsruher Studenten, 2013 einen Unternehmenswert von 100 Millionen Euro anpeilte, versprach das Münchner Team „Motiolizing“ schwarze Zahlen schon nach 20 Monaten. Woher? Alles vage Schätzungen.

Viel schwerwiegender aber: Das Geschäftskonzept gibt es in Deutschland bereits. Aka-Aki will schon seit April 2008 „Entdeckungen an jeder Ecke“ ermöglichen. Wie die Studenten einen Wettbewerber mit Entwicklungsvorsprung überholen wollten, wussten sie aber selbst nicht.

Skeptische Jury Quelle: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche

Die Jury blieb skeptisch: Die Konzepte der vier Finalistenteams waren zu optimistisch, naiv und überdimensioniert

Bild: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche

Das letzte Team, eine Gruppe der FHW Berlin und der ESCE in Paris, präsentierte mit „Planety“ eine mobile Reisecommunity – völlig überdimensioniert: Die Nutzer sollten nicht nur ein eigenes Profil erstellen, sondern auf einer „dynamischen Karte“ besichtigte Länder markieren, Reisen buchen sowie Fotos und Videos anschauen. Für die Entwicklung der Seite hatte das Team drei Monate einkalkuliert – reichlich wenig für ein Netzwerk, das die Eigenschaften von Google Earth, Wikipedia und YouTube miteinander vereinen sollte. Vodafone-Manager Frank Rosenberger hakte nach: „Wenn Sie sich auf einen Bereich konzentrieren müssten, welcher wäre das?“ Stille. Dann die Antwort: „Das geht nicht, denn das macht unser Angebot ja einzigartig.“ Für einen Investor eher abschreckend.

Die Aufgabe, Geldgeber zu gewinnen, wurde damit von keinem Team gelöst. So enttäuschend das sein mag – es zeigt zugleich, dass eine Web-2.0-Existenz heute mehr braucht als eine fixe Idee.

Noch immer finden viele Internet-Gründer auf die wichtigste Frage keine Antwort: Wie verwandelt man hohe Nutzerzahlen in Profit? Zwar hat der Mikroblogging-Dienst Twitter heute rund drei Millionen Mitglieder. Umsatz oder Gewinn macht das Unternehmen zwei Jahre nach seiner Gründung aber noch immer nicht. Die Luft für Startups wird deshalb inzwischen dünner. Im dritten Quartal 2008 sanken die Investitionen in Web-2.0-Unternehmen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast 50 Prozent, berechneten Marktforscher von Dow Jones Venture Source.

So gesehen war der Schock für die „Contest“-Teilnehmer vielleicht auch ein heilsamer.

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