Hürden im Studium: Chaos zwischen Bachelor und Master

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Hürden im Studium: Chaos zwischen Bachelor und Master

Eigentlich sollte die Bologna-Reform das Studieren erleichtern und die Flexibilität der Studenten erhöhen. In der Realität sieht das hingegen leider oft anders aus.

 

Wenn von in Europa derzeit von Geburts- und Konstruktionsfehlern die Rede ist, dann geht es meist um den Euro. Die gemeinsame Währung ist allerdings nicht das einzige europäische Großprojekt, das in seiner praktischen Umsetzung teils eklatante Schwächen offenbart. Die europäische Integration der Hochschulbildung – genannt Bologna-Prozess – ist in Teilen ebenfalls fehlkonstruiert.  Insgesamt 47 Staaten und die EU-Kommission sind mittlerweile an diesem Prozess beteiligt, den das Bundeministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine „europäischen Erfolgsgeschichte“ nennt.

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Die Erfahrungen vieler Studenten sind weniger überschwänglich: Zentrale Vorhaben der europaweiten Hochschulreformen konnten in Deutschland bislang nicht erfolgreich umgesetzt werden. Zwar machten Bachelor- und Masterstudiengänge im Wintersemester 2011/2012 bereits 85 Prozent des gesamten Studienangebots aus. Vom praktischen Nutzen, den die gestufte zweigliedrige Studienstruktur bringen sollte, kommt aber bei den Studenten wenig an.

Das liegt insbesondere an den Zugangsvoraussetzungen, die Bachelorabsolventen beim Übergang zum Masterstudium erfüllen müssen. Laut einer Befragung der Hochschul Informations System GmbH (HIS), mussten über zwei Drittel der Bachelorabsolventen eine Kombination von zwei bis vier Zugangsvoraussetzungen erfüllen, um das Anschlussstudium aufnehmen zu dürfen. Dabei sind nach Angaben des BMBF nur 24 Prozent der Masterstudiengänge mit Zulassungsbeschränkungen belegt.

ThemenWoche Live-Talk Wie zugespitzt darf das Studium sein?

Die WirtschaftsWoche diskutiert im Rahmen der Themenwoche interaktiv mit Experten und Usern. Am Donnerstagabend gab es den ersten Live-Talk zum Thema: „Wie zugespitzt darf das Studium sein?“

Am 11. April um 19.30 Uhr startete die interaktive Diskussionsrunde - Beteiligung war ausdrücklich erwünscht! Quelle: obs

Am häufigsten werden der Abschluss in einem bestimmten Studienfach oder einer bestimmten Fachrichtung, eine Mindestnote und bestimmte Leistungsnachweise („Scheine“) des vorherigen Studiums erwartet. Solche Zugangsvoraussetzungen sind den Hochschulen zur Qualitätssicherung und aus Kapazitätsgründen erlaubt. Für viele Bachelorabsolventen werden sie bei der Suche nach einem Masterstudienplatz aber zur bösen Überraschung. 45 Prozent der Universitätsstudenten gaben an, sich erst im Laufe ihres Bachelorstudiums für die Aufnahme des Masterstudiums zu entscheiden.

Fehlt Geisteswissenschaftlern etwa eine weiterführende Statistikvorlesung, die nicht Pflichtkurs ihres Bachelorstudiums war, fallen sie für sozialwissenschaftliche Masterstudiengänge fast immer durchs Raster. Im Umkehrschluss bedeutet das: Wer mit Beginn des Masters den Studienbereich wechseln möchte, muss schon früh die Zugangsvoraussetzungen aller potenzieller Studiengänge kennen. Dieser Logik folgend müssen Bachelorstudenten neben ihren regulären Studieninhalten verschiedenste Zusatzleistungen erbringen, um sich den Zugang zu einem Masterstudium nicht zu verbauen, von dem sie möglicherweise noch gar nicht wissen, ob sie es absolvieren möchten.

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Auch ein Numerus Clausus (NC) kann die Möglichkeiten von Jungakademikern massiv einschränken. Viele Hochschulen setzen auf die Durchschnittsnote als Qualitätsnachweis. Bekanntlich fließen aber einzelne Klausur- und Prüfungsnoten deutlich stärker in die Bachelorabschlussnote ein, als es bei Diplom- oder Magisterstudiengängen der Fall war. Eine Wiederholung von Klausuren ist oft nur dann möglich, wenn sie im ersten Versuch nicht bestanden wurden. Schlechte Noten hingegen haben Bestand und können nicht in einem freiwilligen zweiten Versuch verbessert werden.

Die Vielzahl an möglichen Zugangsvoraussetzungen bei wiederum einer Vielzahl von Masterstudiengängen führt in der Praxis also dazu, dass die angestrebte Flexibilität der Studiengänge sich in ihr Gegenteil verkehrt. Nur, wer schon frühzeitig in seinem Studium weiß, welches Masterstudium er einmal absolvieren will, hat die Chance neben seinem Bachelorstudium die erforderlichen Zusatzleistungen zu erbringen.

Doch entspricht das der Lebenswirklichkeit von Studenten, die mittlerweile oft schon mit 17 Jahren an die Hochschulen kommen? Immerhin hat die Bildungspolitik die Problematik des Übergangs zwischen Bachelor- und Master-Studium erkannt. Im vierten Bericht über die Umsetzung des Bologna-Prozesses in Deutschland macht das BMBF deshalb deutlich: „Für den Übergang in das Masterstudium werden die Hochschulen prüfen, ob auf die fachlichen Anforderungen abgestimmte, transparente Verfahren zur Bewertung von Kandidaten entwickelt werden können, die nicht ausschließlich auf Noten zurückgreifen.“

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