Ifo-Bildungsbarometer: Eltern wollen keine Revolution der Schule

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Ifo-Bildungsbarometer: Eltern wollen keine Revolution der Schule

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Ein Schüler der fünften Klasse meldet sich am im Unterricht. Der Großteil der Eltern ist für Noten und Sitzenbleiben.

Schulnoten oder das Sitzenbleiben einfach abschaffen? Nicht in Deutschland. Eine Umfrage zeigt, dass die meisten Bürger für das Leistungssystem in der Schule sind.

Das Leben ist kein Zuckerschlecken - und das sollten Kinder so früh wie möglich lernen, meinen deutsche Eltern. Die Mehrheit wünscht sich ein leistungsorientiertes Bildungssystem. Das zeigt der neue Bildungsbericht des Münchner Ifo-Instituts, über den das Magazin "Spiegel" berichtet.

Demnach sprachen sich drei Viertel der 4000 Befragten dagegen aus, die Schulnoten abzuschaffen. Auch, dass Schüler bei ungenügenden Leistungen sitzenbleiben können, soll nach ihrem Wunsch so bleiben. Leistungsvergleichen wie dem Pisa-Test messen ebenso viele Eltern Bedeutung bei. Sie legen großen Wert darauf, dass deutsche Kinder und Jugendliche dabei gut abschneiden.

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Was Schüler in der neunten Klasse können sollen

  • Was wurde diesmal getestet?

    Es ging um die Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften (Biologie, Chemie, Physik) – und zwar über alle Schulformen hinweg. In Mathematik wurden sechs Kompetenzformen aus dem gesamten Spektrum mathematischen Arbeitens untersucht, wie „Probleme mathematisch lösen“ aber auch „Raum und Form“ sowie „Daten und Zufall“. In den Naturwissenschaften ging es vor allem um Grundbildung, aber auch um fachübergreifendes Problemlösen.

  • Was ist die Basis für die Testaufgaben?

    Die Aufgaben wurden auf der Grundlage der von den Kultusministern für alle Bundesländern verbindlich eingeführten Bildungsstandards für diese Fächer entwickelt – unter Mitwirkung von Schulpraktikern. Bildungsstandards beschreiben, was ein Schüler am Ende einer Jahrgangsstufe können soll. Sie gelten für Lehrer als pädagogische Zielvorgabe und haben damit die zuvor in allen Bundesländern unterschiedlichen Lehrpläne abgelöst.

  • Wie läuft so ein Test ab?

    Die Untersuchung fand vormittags in der Schule statt und dauerte jeweils etwa dreieinhalb Zeitstunden (inklusive Pausen). Hinzu kamen anschließend Interviews mit Schülern, Fachlehrern und Schulleiter über die Lernbedingungen.

  • Welche Schulleistungs-Untersuchungen gibt es noch?

    Der „Klassiker“ ist die weltweite PISA-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Des weiteren gibt es noch die internationale IGLU-Grundschulstudie und die internationale TIMSS-Untersuchung mit den Schwerpunkten Mathematik und Naturwissenschaften – sowohl für die Grundschule als auch für die achten Klassen. Allerdings haben die Kultusminister bei PISA und IGLU die zuvor üblichen Bundesländervergleiche gestoppt. Deutschland macht zwar bei den internationalen Studien weiter mit, aber nur noch mit einer kleineren nationalen Stichprobe – etwa 5000. Dies ermöglicht kein Bundesländer-Ranking.

  • Was war der Grund für den deutschen Stopp?

    Darüber lässt sich nur spekulieren: Die Kultusminister können die politisch brisanten Bundesländervergleiche auf der Basis ihrer eigenen vereinbarten Bildungsstandards sicherlich besser steuern. Auch das IQB arbeitet im Auftrag der Kultusministerkonferenz. Zuvor war es vor allem mit den internationalen PISA-Forschern der OECD wegen der ungünstigen deutschen Chancengleichheitswerte und der Schulstrukturfrage immer wieder zu Konflikten bei der Interpretation von Daten gekommen.

  • Wie sind die innerdeutschen Ergebnisse diesmal zu interpretieren?

    Überraschend ist, dass neben allen ostdeutschen Ländern diesmal aus dem Westen nur Bayern und Rheinland-Pfalz durchgängig gut abschneiden. Mathematik und Naturwissenschaften waren eine Domäne der DDR-Schulen. Auf die Fachlehrerausbildung legte man hier besonderen Wert. Auch spielen die Naturwissenschaften auf den Stundentafeln der ostdeutschen Schulen heute noch eine größere Rolle als im Westen.

  • Was wurde noch ermittelt?

    Die Studie belegt erneut die erschreckend hohe Abhängigkeit von Bildungserfolg und sozialer Herkunft in Deutschland. Neuntklässler aus der Oberschicht haben gegenüber Gleichaltrigen aus bildungsfernen Schichten einen Lernvorsprung in Mathematik von fast drei Schuljahren.

  • Welche Kritik gibt es an den Bundesländervergleichen?

    Bildungsexperten raten seit Jahren, nicht ganze Bundesländer miteinander zu vergleichen, sondern besser Regionen mit ähnlichen Wirtschaftsstrukturen und Problemlagen. Also etwa Berlin mit dem Ruhrgebiet, wegen der hohen Ausländerquoten unter den Schülern, oder ländliche Gebiete im Osten Deutschlands mit denen im Westen, wegen Abwanderung und Bevölkerungsrückgang.

Ein Weg dorthin ist nach Meinung der Eltern eine deutschlandweite Einführung von einheitlichen Abiturprüfungen. 85 Prozent der Befragten forderten dieses System. Seit neun Jahren gibt es zwar ein Zentralabitur innerhalb der Bundesländer - mit Ausnahme von Rheinland-Pfalz. Zwischen den Bundesländern herrschen aber weiter Unterschiede bei den Aufgaben, so dass die Leistungen kaum vergleichbar sind. Weit verbreitet ist die Meinung, dass die Schulabschlüsse so auch unterschiedlich viel wert seien. Unter Experten ist das Zentralabitur umstritten.

Acht oder neun Jahre Gymnasium?

Bei der Dauer der Schulzeit auf dem Gymnasium sind sich die Deutschen da weit weniger einig: 52 Prozent der Ostdeutschen gaben an, dass die Schulzeit acht Jahre dauern sollte. Hingegen stimmten dem nur 25 Prozent der Westdeutschen zu. Im bundesweiten Durchschnitt erreichte das Turbo-Abitur lediglich eine Zustimmung von 30 Prozent.

Eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 lehnen die Deutschen ab. In Hamburg beginnt in dieser Woche ein Volksbegehren für eine solche Wahlfreiheit. Etwa in Hessen haben die Gymnasien bereits die Wahl, ob die Schüler in acht oder neun Jahren das Abitur absolvieren sollen. In Niedersachsen hingegen soll künftig der neun Jahre lange Weg zum Abitur wieder die Regel sein.

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Vor Kurzem kam die Jako-o-Bildungsstudie zu ähnlichen Ergebnissen. Bei der repräsentativen Befragung von 3000 Personen zeigte sich, dass viele Eltern mit dem deutschen Bildungssystem unzufrieden sind. Hier sprachen sich sogar 92 Prozent der Befragten für ein bundesweites Zentralabitur aus. Auch das Turbo-Abitur stieß auf Ablehnung, eine deutliche Mehrheit von 80 Prozent sprach sich für die neunjährige Gymnasialzeit aus.

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