ifo-Bildungsbarometer: Je schlechter die Bildung, desto schlechter die Meinung über Flüchtlinge

ifo-Bildungsbarometer: Je schlechter die Bildung, desto schlechter die Meinung über Flüchtlinge

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Deutsche sind skeptisch, was das Bildungsniveau der Flüchtlinge betrifft.

Gebildete Flüchtlinge? Gibt's nicht, sagen die Deutschen, die maximal einen Hauptschulabschluss haben. Ihrer Meinung nach sollte aber auch nicht mehr in die Aus- und Weiterbildung von Flüchtlingen investiert werden.

Deutschland hat in den vergangenen Jahren einen massiven Zustrom von Flüchtlingen erlebt: Allein 2015 kamen knapp 1,1 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland. Und mit ihnen die Frage nach ihrer Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt. In einer Gesellschaft der Wissensarbeit heißt der Schlüssel Bildung.

Entsprechend kamen die verschiedensten Angebote auf, vom Sprachkurs über die betriebliche Ausbildung bis zum Online-Studiengang. Aus Sicht eines Großteils der Deutschen sind jedoch Hochschulangebote unnütz: 78 Prozent der Deutschen schätzen den durchschnittlichen Bildungsstand der Flüchtlinge als niedrig beziehungsweise sehr niedrig ein. Das ist das Ergebnis des aktuellen ifo-Bildungsbarometers, für das die Marktforscher von TNS Infratest mehr als 4000 Deutsche befragt haben.

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Entsprechend glaubt auch nur rund ein Drittel der Befragten, dass der Zustrom von Flüchtlingen etwas gegen den Fachkräftemangel bewirken kann.

Unternehmen und Flüchtlinge

  • Daimler

    Rund 300 Flüchtlinge haben in diesem Jahr ein Brückenpraktikum bei dem Stuttgarter Autobauer gemacht. Ab September sollen nach Angaben Daimlers nochmals etwa 300 Praktikanten beginnen. Die Brückenpraktika beinhalten neben der Arbeit in der Firma auch Deutschkurse. Danach vermittelt Daimler die Absolventen an Unternehmen oder Zeitarbeitsfirmen. Der Autobauer hat außerdem 50 zusätzliche Ausbildungsplätze für Flüchtlinge zugesagt.

  • Volkswagen

    Seit Februar dieses Jahres bietet Volkswagen an seinen Konzernstandorten direkt oder gemeinsam mit Bildungsträgern unter anderem Sprachqualifizierungen für über 1100 Flüchtlinge an. Bei Praktika können nach Angaben des Konzerns außerdem 240 Menschen bei Volkswagen arbeiten. Gesonderte Einstellungsprogramme für Flüchtlinge gebe es jedoch nicht.

  • Deutsche Bahn

    Rund 120 Menschen haben nach Angaben der DB in diesem Jahr an verschiedenen Qualifikationsprogrammen teilgenommen. Im September hätten 11 junge Flüchtlinge in Berlin eine Berufsausbildung begonnen, erklärt eine Sprecherin. Wie viel DB in die Flüchtlingshilfe investiere, könne man nicht genau beziffern, es bewege sich aber im einstelligen Millionenbereich. Der Konzern biete außerdem Umschulungen, zum Beispiel zum Elektroniker, an.

  • BASF

    Bei dem Chemiekonzern sind nach Unternehmensangaben im September 19 Flüchtlinge in ein Berufsvorbereitungsprogramm gestartet. Das Programm bereite die Menschen gezielt auf eine Ausbildung bei einem Partnerbetrieb von BASF vor, erklärt eine Sprecherin. Insgesamt bietet das Unternehmen rund 300 Plätze in verschiedenen Projekten, die unter anderem Sprachförderung, Berufsorientierung und Bewerbungstraining beinhalten.

  • Allianz

    Seit November 2015 veranstaltet der Versicherer in seiner Hauptverwaltung im bayerischen Unterföhring vierteljährlich „Practice Days“ für Flüchtlinge. Bisher haben nach Allianz-Angaben 29 Menschen an den Schnuppertagen teilgenommen, 25 erhielten danach ein Praktikum für ein bis drei Monate. Zwei Praktikanten haben nach Angaben der Allianz im September eine Ausbildung zum Koch begonnen.

  • Adidas

    Der Sportartikelhersteller bietet in diesem Jahr nach eigenen Angaben mindestens 30 Flüchtlingen ein Praktikum an. Im Rahmen einer Integrationsklasse hätten zehn junge Menschen für vier Wochen bei der Adidas Gruppe mit Sitz im bayerischen Herzogenaurach ein Praktikum absolviert. Außerdem werden nach Unternehmensangaben auch Sprachunterricht, Workshops zu interkultureller Kommunikation, Bewerbertrainings und Sportkurse angeboten.

  • Siemens

    Bis zu 100 Flüchtlinge sollen nach Angaben des Unternehmens 2016 als Praktikanten eingestellt werden. Bis August wurden 72 der Stellen vermittelt. Die Praktika werden von Siemens-Mitarbeitern begleitet. Seit März organisiert der Konzern Förderklassen für Flüchtlinge mit Sprachförderung und berufsvorbereitende Maßnahmen im Bereich Mechanik und Elektronik.

  • Henkel

    Im Düsseldorfer Ausbildungszentrum des Konzerns haben nach Unternehmensangaben bisher rund 100 Flüchtlinge an verschiedenen Programmen teilgenommen. Daraus seien auch schon erste Festanstellungen oder Ausbildungsverhältnisse entstanden, erklärt Henkel. Außerdem werden unter anderem Praktika, Hospitationen und Coachings angeboten.

  • Bosch

    2016 bietet der Autozulieferer nach eigenen Angaben rund 400 zusätzliche Praktika an etwa 30 Standorten für Flüchtlinge an. Sie sollen damit auf den Arbeitsmarkt oder eine Ausbildung vorbereitet werden. Da der Konzern aus Gerlingen (Baden-Württemberg) generell viele Bewerbungen bekomme, gebe es nicht viele offene Stellen für Flüchtlinge. Mit den passenden Qualifikationen und einer Arbeitserlaubnis hätten diese aber die gleichen Chancen wie alle anderen Bewerber, betont Bosch.

  • Opel

    Auch beim Rüsselsheimer Autobauer haben nach Konzernangaben junge Menschen mit Fluchthintergrund eine Ausbildung angefangen. Bei Opel-Händlern seien mehr als 100 Menschen für Praktika oder Ausbildungen übernommen worden. Gemeinsam mit anderen Partnern vermittelt Opel über die Initiative „In Charge“ Mentoren, die den Flüchtlingen im Alltag Hilfestellungen geben sollen. Beim Autobauer gibt es nach eigenen Angaben derzeit 150 Mentoren.

  • Viessmann

    Der Heiztechnikhersteller aus Allendorf (Hessen) führt seit 2015 Schulungsprogramme für Flüchtlinge durch. Rund 50 Menschen werden bis Herbst dieses Jahres daran teilgenommen haben, wie Viessmann mitteilt. Das Programm kombiniert Sprachunterricht und Hospitationen im Unternehmen. Erste Teilnehmer der Schulung sollen nach Unternehmensangaben bald eine feste Beschäftigung bekommen.

Bei der Umfrage ist auffällig: Die Einschätzung des Bildungsniveaus der Flüchtlinge hängt stark vom Bildungsabschluss der Befragten ab: 82 Prozent der Befragten, die maximal einen Hauptschulabschluss haben, schätzen auch das Bildungsniveau der Flüchtlinge niedrig ein. Unter den Umfrageteilnehmern mit Realschulabschluss dachten dies 77 Prozent. Bei den Abiturienten betrug der Anteil 73 Prozent.

Flüchtlinge: Das ist der Integrationskatalog der CDU

  • Mindestlohn

    Für Asylberechtigte und anerkannte Flüchtlinge sollen Praktika mit Abweichungen vom Mindestlohn auf mindestens sechs Monate verlängert werden, um einen Berufseinstieg zu erleichtern. Schon heute sind Abstriche von den 8,50 Euro Mindestlohn pro Stunde bei betrieblichen Einstiegsqualifizierungen von bis zu zwölf Monaten möglich. Die CDU-Spitze verzichtete nach Protest der SPD und des Arbeitnehmerflügels der Union darauf, anerkannte Flüchtlinge mit Langzeitarbeitslosen gleichzustellen. Auch dann wäre eine Abweichung vom Mindestlohn von bis zu sechs Monaten möglich gewesen.

    Quelle: CDU-Bundesvorstand / Reuters, Stand: 15.02.2016

  • Arbeitsmarkt

    Eine Anstellung in der Leiharbeitsbranche soll nach drei statt derzeit erst 15 Monaten möglich sein. Bei gemeinnützigen Organisationen soll stärker dafür geworben werden, Flüchtlinge in den von den Jobcentern geförderten Ein-Euro-Jobs zu beschäftigen.

  • Aufenthaltsrecht

    Asylberechtigte, anerkannte Flüchtlinge und sogenannte subsidiär Schutzberechtigte sollen ein unbefristetes Aufenthaltsrecht nur erhalten, wenn sie über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen, Grundkenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung nachweisen, keine Straftaten begangen haben und ihren Lebensunterhalt sichern können. Auch der Familiennachzug soll von der erfolgreichen Teilnahme an Integrationskursen abhängig gemacht werden.

  • Frühe Integrationsmaßnahmen

    Die Hürde für eine frühe Teilnahme an Integrationskursen oder Förderprogrammen der Arbeitsagenturen noch vor Abschluss des Asylverfahrens soll höhergelegt werden. Laut dem im Oktober beschlossenen Asylpaket I reicht dafür bisher eine "gute Bleibeperspektive" aus. Diese wird bei Asylsuchenden aus Herkunftsländern mit einer Anerkennungsquote von über 50 Prozent angenommen. Laut CDU-Papier soll "künftig eine 'sehr gute Bleibeperspektive' entscheidend sein, weil wir insbesondere Syrern und Irakern helfen wollen".

  • Integrationspflicht

    Die CDU strebt Gesetze von Bund und Ländern an, in denen verbindliche Integrationsvereinbarungen festgelegt werden sollen. In den Aufnahmeeinrichtungen sollen ein Basissprachkurs und ein Kurs zu Grundregeln des Zusammenlebens Pflicht sein und mit einem Abschlusstest versehen werden.

  • Wohnsitzauflage

    Asylberechtigten, anerkannten Flüchtlingen und subsidiär Schutzberechtigten soll ihr Wohnsitz zugewiesen werden, wenn sie ihren Lebensunterhalt nicht aus eigener Kraft sichern können. Ausnahmen sollen möglich sein, wenn die Betroffenen am Wohnort ihrer Wahl einen Arbeitsplatz und eine eigene Wohnung nachweisen können.

  • Schulpflicht

    Die CDU will prüfen lassen, ob die Schulpflicht für Flüchtlinge ohne Schulabschluss über das bisher geltende Alter von 18 Jahren hinausgehen soll. Im Entwurf stand noch eine angestrebte Altersgrenze von 25 Jahren.

Obwohl die Deutschen die Bildung der Flüchtlinge und damit auch deren Arbeitsmarktchancen schlecht einschätzen, sollte ihrer Meinung nach nicht mehr Geld in die Flüchtlingsbildung investiert werden. 49 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die staatlichen Bildungsausgaben pro Flüchtling in etwa unverändert bleiben sollen. 26 Prozent sind für eine Senkung der Ausgaben.

Mehrheit für Sprachkurse

Einig sind sich die Deutschen darin, wofür das Geld ausgeben werden wollte: für Sprachkurse. 75 Prozent der Befragten sind dafür, dass jeder Flüchtling einen Deutschkurs absolvieren muss, wofür der Staat die Kosten zu tragen habe. 58 Prozent sind außerdem dafür, dass junge Flüchtlinge nicht nur bis zum 18. sondern bis zum 21. Lebensjahr schulpflichtig sein sollen. Für ein zweijähriges Bleiberecht nach Abschluss einer Berufsausbildung sprach sich die Hälfte der Befragten aus.

Gespalten sind die Bürger in den Fragen einer staatlichen Übernahme von Ausbildungskosten der Betriebe (45 Prozent äußerten sich für eine Übernahme, 41 Prozent waren dagegen) und einem Ausbau verkürzter Ausbildungsberufe (38 Prozent dafür, 44 Prozent dagegen) für Flüchtlinge.

Zur Förderung von Flüchtlingskindern finden sich deutliche Mehrheiten für eine möglichst gleichmäßige regionale Verteilung auf die Schulen, für zusätzliche Bundesmittel für Sozialarbeiter, Sprachlehrer und Psychologen an Schulen und für eine steuerlich finanzierte Kindergartenpflicht für Flüchtlingskinder ab drei Jahren.

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