
Auch die besten Studenten brauchen Hilfe. Als Andreas Schultheiss noch während seines MBA-Studiums an der Mannheim Business School einen Job suchte, zogen die Mitarbeiter des Karrierezentrums für ihn die Fäden: Sie analysierten seine Stärken und Schwächen und versorgten ihn für die Bewerbung mit Hintergrundinformationen über potenzielle Arbeitgeber. „Das war fast wie eine Rundumbetreuung“, schwärmt der 26-Jährige. Das Beste aber war, dass die Karriereexperten den Arbeitgeber in spe sogar telefonisch mit einer detaillierten Einschätzung des MBA-Studenten versorgten.
Die Unterstützung zahlte sich aus: Am Ende unterschrieb Schultheiss einen gut dotierten Arbeitsvertrag als Senior Consultant bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney in Frankfurt. Vor seinem MBA hatte der Diplom-Ingenieur als Produktionsleiter in der Industrie gearbeitet.
Der Karriereaufstieg ist das Hauptmotiv der MBA-Studenten, wenn sie sich für eine Schule entscheiden. Auch deswegen bieten die Business Schools neben der akademischen Ausbildung einen geeigneten Berufsservice: Jobinterview-Trainings, Rhetorikseminare, Assessment-Coaching, Firmenpräsentationen, Recruitingmessen auf dem Campus, sogar aktive Jobvermittlung – die Angebotspalette wächst und ist inzwischen zum Differenzierungsmerkmal Nummer eins geworden. Das Karrierezentrum wird so zum Kampfplatz der Schulen um die Gunst der besten Studenten.
Vor allem amerikanische Top-Schulen überzeugen mit ihren Angeboten. Beispiel Graduate School of Business (GSB) an der University of Chicago: Hier kümmern sich 22 Mitarbeiter um jeweils 500 Studenten pro Jahrgang. 300 Unternehmen, darunter 30 Firmen zum ersten Mal, rekrutierten 2007 ihren Führungsnachwuchs direkt auf dem Campus. Die Campus-Web-Seiten sind voller Jobangebote – im vergangenen Jahr schrieben hier 1800 Unternehmen offene Stellen aus. Der Lohn: Für ihren Karriereservice bekommt die Hochschule Bestnoten im aktuellen „Financial Times“-Ranking, einer der führenden Ranglisten weltweiter MBA-Schulen.
Im Idealfall stehen die Firmenmanager Schlange, um an die besten Absolventen zu kommen. Das hat auch Nachteile: „Eine der größten Herausforderungen ist es, die Unternehmens-Präsentationen auf dem Campus zu beschränken, damit die Studenten in Ruhe ihr Studium absolvieren können“, sagt Ursula Maul, Managerin des Career Office an der Wharton School in Philadelphia. Vor allem Investmentbanken und Consultingfirmen wollen immer früher Kontakt mit den Studenten. Die Schule gibt daher den Zeitpunkt vor, ab wann und wie oft die Unternehmen auf dem Campus rekrutieren dürfen.
Die Stanford Graduate School of Business geht noch weiter und limitiert den Zugang zu den Studenten im ersten Jahr. „Jedes Unternehmen darf sich nur einmal auf dem Campus präsentieren“, sagt Celia Harms, Direktorin des Recruiting Service.
In Chicago setzen die Verantwortlichen eher auf ein Miteinander: „Wir haben keine rigiden Regeln, sondern erarbeiten gemeinsam mit den Firmen, was die beste Strategie für sie ist“, sagt Julie Morton, Leiter des Karrierezentrums an der Chicago GSB. Für manche sei es gut, öfter auf dem Campus sichtbar zu sein, für andere genüge es, die Jobangebote bereitzustellen oder an Diskussionsrunden teilzunehmen.
Natürlich hilft auch Mundpropaganda bei der Jobvermittlung. So werben zahlreiche Alumni bei ihren Arbeitgebern gezielt für MBA-Absolventen ihrer Schule. Die Bilanz: Neun von zehn Absolventen bekommen ihren Job durch die Unterstützung der Schule. Fast jeder vierte hat dabei seinen Job bereits nach dem von der Schule vermittelten Sommerpraktikum am Ende des ersten Studienjahrs in der Tasche.
So war es auch bei Stefan Schönbeck, der an der spanischen Business School Iese studiert. Nach dem Praktikum bei der Boston Consulting Group (BCG) bekam er ein Angebot. „Die meisten hier haben schon vor dem Ende des Studiums zwei bis drei Jobangebote“, sagt der 32-Jährige. So lautet auch das inoffizielle Ziel der Schule: 80 Prozent der Klasse sollen bereits bei der Graduierung eine Stelle haben. Hauptrekrutierungs-Event ist die Campus-Messe im Oktober. 55 Unternehmen waren im vergangenen Jahr dort vertreten, 13 mehr als im Vorjahr. Im Schnitt steigen 60 Prozent der Studenten bei einem dieser Unternehmen ein.
Ein Wunschkonzert für den Jobmarkt ist der Karriereservice trotzdem nicht. Iese hat zwar gute Kontakte im Finanzbereich und im Consulting. So landete in diesem Jahr ein Drittel der rund 200 Absolventen im Bankenbereich, ein Viertel im Consulting. „Die Kontakte zu diesen Branchen sind exzellent“, sagt Iese-Student Schönbeck. „Wenn ich mich selbst bei BCG beworben hätte, wären meine Chancen wohl deutlich geringer gewesen.“ Anders sei es jedoch im Industriebereich. Zwar habe die Schule gute Beziehungen zu Gesundheits- und Pharma-Unternehmen, jedoch kaum welche in der Öl- und Gasindustrie. „Wer konkrete Vorstellungen hat, wo er einmal hin will, sollte sich vorher über das Schulnetzwerk erkundigen“, rät Schönbeck.
Die Ausrichtung auf die Branchen Consulting und Finanzwesen ist auch für andere Schulen typisch. So landeten bei der französischen Insead 35 Prozent in der Beratung und 29 Prozent im Finanzbereich. In Chicago fanden sogar 55 Prozent der Absolventen einen Job im Finanzsektor, 25 Prozent im Consulting. Eine Ausnahme ist das IMD im schweizerischen Lausanne: Hier nehmen 70 Prozent eine Stelle in der Industrie an.
Häufig beschränken sich die Jobangebote auf den Heimatmarkt – vor allem in den USA. So bleiben 88 Prozent der Stanford-Absolventen in Nordamerika, nur sieben Prozent gehen nach Europa, fünf Prozent nach Asien. An der Wharton School verlässt immerhin knapp ein Fünftel Nordamerika, die Hälfte davon geht nach Europa und dabei vor allem nach Großbritannien. Zu den wenigen Unternehmen aus Deutschland, die direkt in Wharton rekrutieren, gehört die Deutsche Bank. Doch eingestellt werden Absolventen für die Dependancen der Bank in New York, London oder Hongkong.
Top-Schulen, darunter auch einige Institute in Deutschland, haben diesen Mangel erkannt und bauen den Kontakt zu ausländischen Unternehmen aus. Die Gisma Business School in Hannover und die Handelshochschule Leipzig arbeiten mit der Internet-Plattform von TopMBA zusammen, auf der Jobangebote weltweit vermittelt werden. „Es ist schwer, an internationale Personalmanager ranzukommen“, gibt Annegret Zurawski zu. Viele Personalmanager, sagt die akademische Direktorin an der Gisma, rekrutierten zumeist im und für den heimischen Markt.
Beim Karriereservice schneiden die führenden deutschen Schulen ordentlich ab. Die Beratung an der WHU in Vallendar, die sich um alle Studenten der Hochschule kümmert, wurde etwa 2007 vom Stifterverband, Deloitte Deutschland und der Hochschulrektorenkonferenz beim Wettbewerb „Career Services an Hochschulen“ als eines der besten Karrierezentren ausgezeichnet. Für die 21 Teilnehmer des Vollzeit-MBA wurde das Angebot vor Kurzem um Seminare zum richtigen Verfassen eines Lebenslaufs sowie Interview-Trainings erweitert. Neu ist auch ein dreitägiger Kurs mit einem Psychologen, in dem es unter anderem um die Wirkung auf andere geht.
Auch an der Gisma müssen die Studenten seit Kurzem schon bei Studienbeginn eine Stärken- und Schwächenanalyse machen und einen Karriereplan erarbeiten.
Die ersten Bilanzen dieser Karriereangebote sind vielversprechend. So hatten etwa in Mannheim 70 Prozent vor dem Abschluss einen Vertrag in der Tasche, drei Monate nach dem Studium sogar 95 Prozent der MBA-Studenten. Etliche von ihnen – wie Andreas Schultheiss – fanden ihren Traumarbeitgeber.













