Jugendforschung: Die Krise macht nicht rebellisch, sie diszipliniert

ThemaBildung

Jugendforschung: Der Kapitalismus funktioniert auch mit Blöden

Die Krise macht nicht rebellisch, sie diszipliniert

Sie sind ja längst nicht der einzige, der über den Verlust der humanistischen Bildung klagt. Doch warum verpuffen diese Klagen?

Der Grund dafür, dass diese Klagen keine Wirkung entfalten, liegt darin, dass das kapitalistische System blendend ohne humanistisch gebildete Menschen funktionieren kann. Was die Funktionsfähigkeit dieses Systems nicht befördert, das wird einfach nicht mehr besprochen. Die Rolle, die früher Bildung für die Menschen spielte, hat jetzt die Halbbildung übernommen, die über die Medien verbreitet wird. Konrad Paul Liessmann hat das in seiner „Theorie der Unbildung“ anhand der Quiz-Sendung von Günther Jauch gezeigt.

Warum rebelliert die Jugend nicht gegen die öffentliche Verblödung?

Weil man als blöder Mensch gut leben kann, solange die wirtschaftliche Situation gut ist. Die hohe Attraktivität der Konsumangebote bindet die Energie der Jugend und löst ihre Kritik auf. Die Leute lassen sich lieber unterhalten, als sich kritisch mit den Verhältnissen auseinander zu setzen.

Und daran ändert auch die aktuelle Wirtschaftskrise nichts?

Die Krise wirkt hochgradig disziplinierend. Sie produziert Angst, dass ein gutes Leben nicht mehr selbstverständlich erscheint. Deswegen sehe ich einen Trend zu einer pragmatischen Lebensführung. Die jungen Menschen versuchen Erfolg zu haben durch Anpassung.

Also kein Zorn gegen ein gescheitertes System?

Das ist eine Randposition. Wir wissen aus den sozialwissenschaftlichen Studien der vergangenen 150 Jahre, dass Krisen die Menschen passiver und disziplinierter machen. Sie werden unkritischer und versuchen, mit Unterwerfungsgesten durchs Leben zu kommen.  Eine Krise führt nicht notwendigerweise zur Rebellion. Erst wenn der wirtschaftliche Totalzusammenbruch käme, könnte es sein,  dass sie revoltieren. Aber auch das ist nicht gewiss. In Spanien ist jeder zweite Jugendliche arbeitslos, und dennoch gibt es keine Revolution. 

Sind die jungen Menschen wirklich so unkritisch? Ich habe den Eindruck, der Konsum selbst ist durchaus ein moralisches Geschäft geworden. Man achtet immer mehr auf die „grüne“ und sozial verträgliche Herkunft der gekauften Waren.

Es wird viel moralisiert und wenig moralisch gehandelt. Überall entstehen Lehrstühle für Wirtschaftsethik. Aber wenn in Unternehmen von Ethik die Rede ist, geht es um moralisches Handeln zum Zweck  der besseren Marktleistung. Ethik wird zum Faktor der Absatzsteigerung.

Der Wille der jungen Menschen, moralisch einwandfreie Waren zu kaufen, ist doch echt.

Ja. Aber wir müssen sehen, wie groß die Gruppe ist, die das macht. Es sind vielleicht zehn bis fünfzehn Prozent der Jugendlichen, die man als Postmaterialisten definieren kann. Eine Minderheit, die aber sehr laut über ihre Prinzipien spricht. Der große Rest bleibt vom moralischen Konsum völlig unberührt.

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Als Ursache der Verblödung der Jugend machen Sie – und Sie stehen da längst nicht alleine – die Bildungsreformen der letzten Jahre aus. Nehmen wir mal an, Sie stünden jetzt vor der deutschen Kultusministerkonferenz, was würden Sie Bildungsministerin Johanna Wanka und Kollegen sagen?

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Ich würde Ihnen sagen, dass das Problem 2001 mit PISA begonnen hat. Wir haben damit unsere ganze Bildungsdiskussion an die OECD übergeben. Also an eine Wirtschaftsorganisation. In Österreich hat man gleich mit Claudia Schmied eine Ökonomin und ehemalige Bankdirektorin als Ministerin für Unterricht, Kunst und Kultur eingesetzt.  Wir brauchen in der Bildungspolitik andere Expertisen als die aus der Ökonomie. Man soll den Markt nicht verteufeln, da bin weit von entfernt. Aber man muss die Grenzen des Marktes in der Bildungspolitik bestimmen. Es muss eine Mischung geben aus einer ökonomisch und einer humanistisch orientierten Vernunft. Derzeit wird die humanistische Vernunft ausgelöscht, so dass nur mehr die pure ökonomische Logik regiert.

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23 Kommentare zu Jugendforschung: Der Kapitalismus funktioniert auch mit Blöden

  • Offensichtlich ist die Jugend in wirtschaftlichen und finan-
    ziellen Dingen nicht aufgeklärt und erkennt nich die Zusam-
    menhänge in dieser 'EU'. Wie wäre es sonst möglich gewesen
    eine EZB zu gründen, ein ESM - Ermächtigungsgesetz durch-
    zubringen und letztendlich am 13. Juni 2013 die Finanzsouve-
    ränität der BRD an eine Bankenunion in einem Triumvirat von
    EZB - ESM - Bankenunion abzugeben?
    Gymnasiale Schöngeistigkeit, um die Humanität zu pflegen, mag
    die eine Seite sein, Georges Orwells 'Animal Farm' jedoch
    die gelebte Realität, wie es versucht wird uns von den
    'opinion leaders' übergestülpt zu werden, was offensichtlich
    mit der erneuten Wahl der CDU/CSU/FDP/SPD und den Grünen
    von der Jugend auch noch kritiklos hingenommen wird.

  • Die alleinige Verantwortung an der ökonomischen Situation Deutschlands tragen alleine die "etablierten Blockparteien".

    Eine ökonomisch misslungene und nicht mehr bezahlbare Wiedervereinigung Deutschlands, das neue multinationale Währungszonenprojekt Euro, was sich zunehmend als Rohrkrepierer erweist, Banken ohne jegliche Beaufsichtigung und mit Politikern in den AufSichtsRaeten, Bankenrettungen, Währungsrettungen, Solidarpakt- und Rettungsschirmfinanzierungen, eine aus dem Ruder gelaufenen unbezahlbare Energiewende, ein chaotisches Steuerrecht und Steuersystem, Suppenküchen, eine viel zu hohe Abgaben- und Steuerbelastung, die Liste läßt sich noch endlos fortsetzen.

    Nicht die Bürger sind geistig nicht fit, sie wurden einfach nicht gefragt, belogen, übergangen, politische Visionen und historische Momenten wirken hierbei fatal zusammen. Mit einer funktionierenden Marktwirtschaft hat das alles nichts mehr zu tun.

  • Derzeit wird die humanistische Vernunft ausgelöscht, so dass nur mehr die pure ökonomische Logik regiert.
    -----------------------------------------------------------------------
    Das Ausblenden der humanistischen Vernunft wurde von den 68er und den ihnen nahtlos folgenden Grüninnen propagiert und inszeniert. Sie haben eine martialisch anmutende Deutungshoheit für sich beansprucht, die jede humanistische Bildung obsolet macht. Wozu brauche ich eine anstrengende humanistische Bildung, wenn die moralische Deutungshoheit durch die zuvor Benannten subtil bis ins Kleinste einer Gesellschaft Wirkung entfaltet? Eine Wirkung, die am Ende nur noch Fatalismus übrig lässt. Das ist im Grunde genommen nichts weiter als Meinungsfaschismus, der hier in Deutschland fröhliche Urstände feiert - und wir wissen nicht, wie sich dieser Meinungsfaschismus entwickeln wird.

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