Kommentar: Witten/Herdecke: Keine Zeit zu verlieren

Kommentar: Witten/Herdecke: Keine Zeit zu verlieren

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Eingangsbereich der Privatuniversität Witten/Herdecke in Witten

Die chronisch klamme Privat-Uni Witten/Herdecke (UWH) verliert ihren wichtigsten Geldgeber: Die Unternehmensberatung Droege dreht den Geldhahn zu und zieht sich aus allen Gremien zurück. Die Uni muss ihre Reputation dringend wieder herstellen, sonst ist das Ende absehbar.

Noch nie wurde das Image einer deutschen Uni so schnell ramponiert wie gestern, als sich die Unternehmensberatung Droege und die UWH lautstark trennten. Doch der Reihe nach.

Zuerst verkündeten die Düsseldorfer Berater vormittags per Pressemitteilung, man sehe „keine Grundlage“ mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Die Uni habe seit Beginn der Kooperation im vergangenen Jahr weder einen Finanzierungsplan für das Geschäftsjahr 2008/2009 vorgelegt noch sich an Zusagen gehalten. Hedda im Brahm-Droege, Gesellschafterin der Unternehmensberatung, lege daher ihr Mandat als Vorsitzende des Stiftungskuratoriums nieder.

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Einige Stunden später folgte die Retourkutsche der Uni. Droege wurde darin unterstellt, es mit dem Mäzenatentum nicht ganz so ernst genommen zu haben. Vielmehr hätten die Berater versucht, „massiven Einfluss“ auf Forschung und Lehre zu nehmen, Stellen abzubauen und die Uni gar zu übernehmen.

Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo in der Mitte.

In der Tat hat sich die Unternehmensberatung Droege in ihrer bisherigen Geschichte selten als selbstloser Samariter gezeigt: Unternehmen, die Droege eigentlich nur beraten sollte, wurden von Gründer Walter Droege und seiner Beteiligungsgesellschaft gerne auch mal übernommen – so etwa der Stahlhändler Klöckner & Co. oder der Kölner Arzneimittelhersteller Madaus.

Umgekehrt offenbarte sich die Öffentlichkeitsarbeit der Hochschule gestern allerdings auch nicht gerade als krisenfest: Präsident Birger Priddat schickte in Interviews zuerst seinen Stellvertreter vor. Der kündigte geheimniskrämerisch an, bereits zehn neue Spender in der Hinterhand zu haben. Diese könnten jedoch erst Ende des Jahres bekannt gegeben werden. Vertrauen gewinnt man so nicht.

Zumal dies an der Uni Witten/Herdecke nicht die erste Finanzkrise ist. Uni-Gründer Konrad Schily lies sich gerne mit dem flotten Spruch „Kein Geld hatten wir schon immer“ zitieren. Schon im Jahr 2003 stand die Uni kurz vor dem Aus, nachdem sich mehrere Sponsoren verabschiedeten – als Reaktion erhöhte die Uni die Studiengebühren. Im vergangenen Jahr drohte wieder das Ende, damals spielte Droege den Retter in höchster Not.

Uni-Chef Priddat kündigte erst heute in einem Interview an, ein Konsortium mit Freunden und Förderern aufzubauen, und zwar „in Ruhe“. Hoffentlich geht die UWH dabei nicht so gemächlich vor, wie Priddats Äußerungen es nahelegen.

Die 1983 gegründete Uni war früher einmal das Aushängeschild privater Wissenschaftsförderung. Zu den Sponsoren gehörten etwa der damalige Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen oder Bertelsmann-Eigentümer Reinhard Mohn.

Die Zeit drängt. Denn je länger Priddat mit der Bekanntgabe neuer Sponsoren wartet, desto herber der Imageverlust. Ein positives Image ist aber für eine private Uni überlebenswichtig. Denn weder Konzerne noch Millionäre werden ihr Geld in eine Uni stecken, deren Ruf in der Öffentlichkeit ramponiert ist.

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