
Das Umdenken wirkt sich bereits auf die internationalen Ranglisten aus. In der rankingverliebten Welt der Business Schools gibt es schon Ansätze, nach neuen Kriterien zu bewerten — etwa das Internet-Portal „Beyond Grey Pinstripes“. Dort werden die Schulen danach aufgelistet, in welchem Umfang soziale, ethische und umweltpolitische Probleme in den Hörsälen zur Sprache kommen — und nicht nach Einstiegsgehältern oder Zufriedenheit der Personalchefs.
In der alternativen Liste des Aspen-Instituts tummeln sich nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Columbia oder Stanford – sondern auch Schulen, die MBA-Interessierte bislang wohl eher nicht auf dem Radar hatten: die Copenhagen Business School etwa, die finnische Jyvaskyla-Universität oder die katholische Duquesne Universität in Pittsburgh.
Ergebnissorientierte Praxis statt zielloses Pauken
Für den MBA-Kritiker Birger Priddat ist diese Öffnung der richtige Weg. Denn Manager-Ausbildung sei vor allem eine Frage von Bildung und Vielfalt. Die lebt der umtriebige Forscher, der nicht nur VWL, sondern auch Philosophie studiert hat, selbst vor. Priddat vermeidet – wenn möglich – Lehrbücher und gibt seinen Studenten vor allem ökonomische und philosophische Klassiker zu lesen. Anregung sei wichtig, reflektieren, lernen zu urteilen, sagt er. Die Uni sei dafür „einer der letzten Freiräume“.
An der Insead Business School im französischen Fontainebleau steht für diesen Wandel das „Social Innovation Centre“. Dort wird neuerdings nicht nur die Lehre zu Themen wie Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung gebündelt; die Studenten verwalten auch Kontakte zu den Vereinten Nationen und Nichtregierungsorganisationen, absolvieren Praktika bei Entwicklungsprojekten oder organisieren Workshops. Die neue Profilierung gelingt: In der „Beyond Grey Pinstripes“-Rangliste landete die Schule auf Platz sieben in Europa.
Studien zeigen aber auch, dass gesellschaftliche Verantwortung, intellektuelle Herausforderung und kreatives Arbeiten bei den MBA-Studenten selbst immer höher im Kurs stehen.
Einer von ihnen ist Lukas Welser. Der 33-Jährige macht seinen MBA gerade an der Mannheim Business School (MBS). Von Beginn an arbeitet er in einem internationalen Team. Ihr Ziel ist es, innerhalb des MBA-Jahres ein soziales Projekt auf die Beine zu stellen – das ist seit Kurzem Pflicht an der MBS. Welsers Truppe hilft nun einem Jugendzentrum in Ladenburg nahe Mannheim bei der Organisation, dem Marketing und einem neuen Internet-Auftritt.
Einfach war das zu Beginn nicht. Die Studenten mussten bei den Betreibern zunächst Skepsis und Widerstände überwinden. Welser betrachtet das aber als eine wichtige Erfahrung. Weit weg vom Lehrbuch – nah dran an der Wirklichkeit.














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Alle Kommentare lesen22.02.2009, 18:33 UhrAnonymer Benutzer: falsche Vorbilder
Die Krise hat ihre Ursache auch in falschen Vorbildern:
Das Führungspersonal ist immer ungebildeter und unseriöser geworden, und die Öffentlichkeit hat sich leider in keiner Weise daran gestört. Sie hat nicht gesehen, was passiert, wenn analog zur DDR Elektriker oder Müllermeister das Ruder übernehmen. Ganz im Gegenteil: Man sah bei solchen Leuten in Führungspositionen oft ein sympathisches Spiegelbild von sich selbst: „.. der hat sich (genau wie ich) aus ganz einfachen Verhältnissen emporgearbeitet... Toll!“ Die DDR läßt grüßen.
Am Ende war jeder Respekt vor wirklicher Leistung verschwunden. Es lief ja auch so schön und glatt. Nichts/wenig zu wissen machte nichts. Ein trivialer MbA galt etwas Großes, und das Zocken in banken, die zu Spielhöllen umfunktioniert waren, galt keineswegs als Schande, sondern als geniale Tätigkeit, die durchaus Millionen wert ist, solange der Anleger mit dicken Zinsen beteiligt wird.
Erst als der Schwindel aufflog, änderte man seine Meinung und fand als Schuldige die Manager. Natürlich waren sie Schuld! Aber ebenso schuldig sind die Menschen, die sich nicht rechtzeitig von Trivial-Persönlichkeiten distanziert hatten. Wer wählt denn heute noch eine Stewardeß oder einen Elektriker in allerhöchste Positionen, obwohl diese Leute danach als Voll-Laien in den Aufsichtsräten sitzen! Man muß sich nicht wundern, wenn das irgendwann schief läuft. Die Menschen würden sich doch sonst auch nicht von einem Laien am Herzen operieren lassen oder in ein Flugzeug einsteigen, das von einer Stewardeß berechnet worden ist. Wo unmittelbare Gefahr droht, herrscht noch der Verstand. Wo die Gefahr aber nicht direkt lauert, ist man blind.
Noch in den 50er Jahren waren die Vorbilder in Filmen Ärzte, ingenieure und mutige Privat-Unternehmer etc. und nicht die heute gepriesenen Scharlatane.
Wenn die Menschen sich wieder an seriösen Dingen und Personen orientieren, werden sie auch wieder mehr Glück haben.
21.02.2009, 10:50 UhrAnonymer Benutzer: Mack
Reine Rationalität und purer Egoismus bringen nur soziale Krüppel hervor, denen jegliches Veranwortungsgefühl, Gewissen oder moralische Ansätze fehlen. An keiner Universität (ob bWL-Studium oder MbA) kann man eine integre Persönlichkeit werden, das ist Folge der eigenen Lebenserfahrung und der gelebten Werte. Es ist umgekehrt sicher auch kein Zufall, dass Menschen mit mehr Sozialkompetenzen sich auch nicht für diese langweiligen Wirtschaftsberufe interessieren.
21.02.2009, 08:44 UhrAnonymer Benutzer: pedro
bekomme täglich mit was es bedeutet wenn ein neuer Absolvent in die Lage versetzt wird entscheidungen zu treffen.
Das Ergebnis ist die Weltwirtschaftskrise.