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MBA: Business Schools in der Sinnkrise

von Max Haerder

Ein MBA-Titel galt einst als Turbo für erfolgreiche Manager-Karrieren, doch zu viele Absolventen haben in der Finanzkrise versagt. Kritiker fordern deshalb den Wandel der Ausbildung: mehr Praxis, mehr Bildung – und weniger Fallstudien.

Absolventen der Harvard Quelle: AP
Absolventen der Harvard University Business School winken mit Fahnen und Geld bei der Verleihung der Diplome. Quelle: AP
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Schweigen. Manchmal beginnt Birger Priddat so seine Seminare. Dann wartet der Professor einfach, eine Minute, zwei. Viel länger dauert es selten, dann entsteht Unruhe unter seinen BWL- und VWL-Studenten an der Universität Witten/Herdecke. Irritierte Blicke gehen durch die Reihen, nervöses Lachen. Was ist denn nun mit der Einführung in die Politische Ökonomie, fragt endlich einer in die Stille. „Tja, was ist das, Ökonomie?“, fragt Priddat dann in die verdutzten Gesichter zurück. Was er sagen will: Denken Sie selbst, fragen Sie selbst. Die Diskussion hat begonnen.

Manchmal wird Priddat aber auch einfach nur zornig. Besonders dann, wenn es um das Thema MBA geht. Denn seine Meinung zu Manager-Ausbildung ist eine andere, als sie an vielen Business Schools weltweit bislang stets vertreten wurde. Und das sagt er auch. Ende des vergangenen Jahres wurde Priddat zwar als Präsident der Uni Witten geschasst, den Lehrstuhl für Politische Ökonomie leitet er aber weiterhin. Seine Leidenschaft ist ihm geblieben.

Gierige Absolventen ohne moralischen Kompass

Vor Kurzem hat Priddat seine Kritik am MBA in einem Gastbeitrag für das Wirtschaftsmagazin „Brand Eins“ veröffentlicht. Dort schrieb er mit Blick auf die Finanzkrise, dass vielen Führungskräften das Verantwortungsgefühl fehle, die richtige Haltung und die richtigen Ziele. Dass unter den Managern Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit herrsche. „Ich habe einige positive Reaktionen darauf bekommen“, sagt Priddat heute, „Banker waren nicht dabei.“ 

Kritik am MBA ist keine Sache von wirtschaftsfeindlichen Weltverbesserern mehr – die Schulen selbst stellen ihre Ausbildung infrage. „Gierige Absolventen ohne moralischen Kompass“ hätten sie hervorgebracht, bemängelt etwa Michael Czinkota, Professor an der Graduate School of Business der Georgetown-Universität. Die Finanzkrise ist zu einer Sinnkrise vieler Business Schools geworden.

Zwar hat sich an der Nachfrage bisher nichts verändert – knapp 60 Prozent der amerikanischen Unternehmen wollen auch in diesem Jahr MBA-Absolventen einstellen, ergab eine Umfrage des Graduate Management Admission Councils, ein Zusammenschluss großer wirtschaftswissenschaftlicher Fakultäten.

Gleichwohl werden es sich viele Schulen, die ihre klangvollen Namen, ihre vermeintlich erstklassigen Lehrpläne und ihre prominenten Absolventen international vermarkten, in Zukunft nicht mehr leisten können, mit Misserfolg in Verbindung gebracht zu werden.

Der MBA-Titel ist teuer, die Einnahmen aus Spenden oder den Uni-eigenen Stiftungsfonds fließen immer spärlicher, die weltweite Konkurrenz ist groß. Die Hochschulen haben erkannt, dass sie ihren Ruf nur retten können, wenn sie bei Studenten und Arbeitgebern auch weiterhin für eine sinnvolle Ausbildung stehen. Alfons Sauquet, Dekan der Esade Business School in Barcelona, ist daher überzeugt: „Die Schulen müssen ihre Lehrpläne ändern.“

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.02.2009, 18:33 UhrAnonymer Benutzer: falsche Vorbilder

    Die Krise hat ihre Ursache auch in falschen Vorbildern:

    Das Führungspersonal ist immer ungebildeter und unseriöser geworden, und die Öffentlichkeit hat sich leider in keiner Weise daran gestört. Sie hat nicht gesehen, was passiert, wenn analog zur DDR Elektriker oder Müllermeister das Ruder übernehmen. Ganz im Gegenteil: Man sah bei solchen Leuten in Führungspositionen oft ein sympathisches Spiegelbild von sich selbst: „.. der hat sich (genau wie ich) aus ganz einfachen Verhältnissen emporgearbeitet... Toll!“ Die DDR läßt grüßen.

    Am Ende war jeder Respekt vor wirklicher Leistung verschwunden. Es lief ja auch so schön und glatt. Nichts/wenig zu wissen machte nichts. Ein trivialer MbA galt etwas Großes, und das Zocken in banken, die zu Spielhöllen umfunktioniert waren, galt keineswegs als Schande, sondern als geniale Tätigkeit, die durchaus Millionen wert ist, solange der Anleger mit dicken Zinsen beteiligt wird.

    Erst als der Schwindel aufflog, änderte man seine Meinung und fand als Schuldige die Manager. Natürlich waren sie Schuld! Aber ebenso schuldig sind die Menschen, die sich nicht rechtzeitig von Trivial-Persönlichkeiten distanziert hatten. Wer wählt denn heute noch eine Stewardeß oder einen Elektriker in allerhöchste Positionen, obwohl diese Leute danach als Voll-Laien in den Aufsichtsräten sitzen! Man muß sich nicht wundern, wenn das irgendwann schief läuft. Die Menschen würden sich doch sonst auch nicht von einem Laien am Herzen operieren lassen oder in ein Flugzeug einsteigen, das von einer Stewardeß berechnet worden ist. Wo unmittelbare Gefahr droht, herrscht noch der Verstand. Wo die Gefahr aber nicht direkt lauert, ist man blind.

    Noch in den 50er Jahren waren die Vorbilder in Filmen Ärzte, ingenieure und mutige Privat-Unternehmer etc. und nicht die heute gepriesenen Scharlatane.

    Wenn die Menschen sich wieder an seriösen Dingen und Personen orientieren, werden sie auch wieder mehr Glück haben.

  • 21.02.2009, 10:50 UhrAnonymer Benutzer: Mack

    Reine Rationalität und purer Egoismus bringen nur soziale Krüppel hervor, denen jegliches Veranwortungsgefühl, Gewissen oder moralische Ansätze fehlen. An keiner Universität (ob bWL-Studium oder MbA) kann man eine integre Persönlichkeit werden, das ist Folge der eigenen Lebenserfahrung und der gelebten Werte. Es ist umgekehrt sicher auch kein Zufall, dass Menschen mit mehr Sozialkompetenzen sich auch nicht für diese langweiligen Wirtschaftsberufe interessieren.

  • 21.02.2009, 08:44 UhrAnonymer Benutzer: pedro

    bekomme täglich mit was es bedeutet wenn ein neuer Absolvent in die Lage versetzt wird entscheidungen zu treffen.
    Das Ergebnis ist die Weltwirtschaftskrise.

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