Milliardenlöcher in der Hochschulkasse: Universitäten stecken in der Finanzkrise

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Milliardenlöcher in der Hochschulkasse: Universitäten stecken in der Finanzkrise

, aktualisiert 17. Oktober 2014, 10:45 Uhr
von Kerstin Dämon

Bildung ist wichtig, doch die Universitäten müssen sparen. Vor lauter Verzweiflung greifen sie zu Mitteln, die alles erreichen - außer besserer Bildung.

Kaum wurden sie im letzten Bundesland abgeschafft, sollen sie zurückkommen: die Studiengebühren. Das fordern zumindest die Rektoren der deutschen Hochschulen. „Die Hochschulen sind jetzt schon völlig unzureichend ausgestattet. Studienbeiträge können sinnvoll die staatliche Finanzierung ergänzen“, sagte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, der "Süddeutschen Zeitung". Die öffentliche Ablehnung werde sich ändern, wenn man sehe, wie an Hochschulen noch stärker gespart werden müsse. Wegen der angespannten Haushalte werde bald auch die Politik umdenken. In den Bundesländern sehe er "schon jetzt diese Debatten, an allen Ecken und Enden", so Hippler.

Denn momentan sind gut 2,5 Millionen Studenten an den Universitäten und Fachhochschulen eingeschrieben - so viele wie noch nie. Das stellt die Universitäten vor Herausforderungen: Sie brauchen Lehrmittel, Hörsäle, Stühle - und ausreichend Dozenten. Derzeit gibt es an den Universitäten 26.000 Professoren und 23.000 wissenschaftliche Mitarbeiter. Ein Großteil davon mit befristeten Verträgen. Das sind zu wenige. Deshalb fordert der Wissenschaftsrat für die Universitäten 7500 neue, dauerhafte Stellen für Professoren. Doch mehr Personal kostet mehr Geld.

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Wie sich die Hochschulfinanzierung zusammensetzt

  • Grundfinanzierung

    Einen Großteil der Hochschulfinanzierung übernehmen die Bundesländer. Sie tragen rund 80 Prozent der sogenannten Grundfinanzierung der Hochschulen.

  • Bund

    Gut zehn Prozent steuert der Bund über die Finanzierung von Forschungsprojekten zum Unihaushalt bei. Da wären unter anderem die Exzellenzinitiative oder der Hochschulpakt. So kommen letztlich 90 Prozent der Gelder für die Hochschulen von der öffentlichen Hand.

  • Private Geber

    Die verbliebenen zehn Prozent kommen aus privaten Quellen: Studienbeiträge der Studenten, Förderung durch die Wirtschaft und Auftragsforschung.

Dabei sieht es für die Finanzierung der Unis an sich gut aus: Ab 2015 übernimmt der Bund die Bafög-Kosten komplett, die Länder können die frei werdenden Mittel also an die Unis und Fachhochschulen weitergeben. Darüber hinaus soll der entsprechende Etat steigen.

"Den Haushalt für Bildung und Forschung erhöhen wir 2014 zum neunten Mal in Folge. Wir knacken dabei erstmals die 14 Milliarden-Euro-Marke", so der bildungs- und forschungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Albert Rupprecht. Das meiste komme den Hochschulen zugute. Alleine für den Hochschulpakt 2020 stünden rund 2,2 Milliarden Euro zur Verfügung.

Der Hochschulpakt

  • Hochschulpakt I

    2005 haben Bund und Länder den sogenannten Hochschulpakt ausgehandelt, der der steigenden Zahl von Studenten Rechnung tragen soll. Darin geht es um den Ausbau von Studienplätzen bis zum Jahr 2020. Im ersten Teil des Paktes, der im Juni 2007 unterzeichnet wurde, stellte der Bund 566 Millionen Euro bereit, um Plätze für 91.000 zusätzliche Studienanfänger zu schaffen.

  • Hochschulpakt II

    Wegen der doppelten Abiturjahrgänge und dem Ende der Wehrpflicht sahen die Universitäten einen noch größeren Andrang auf sich zukommen. Im Zeitraum von 2011 bis 2015 rechneten sie mit 275.000 zusätzlichen Studienanfängern gegenüber dem Jahr 2005. Deshalb wurde ein zweiter Hochschulpakt ausgehandelt, Bund und Länder stockten die Mittel im Jahr 2011 um 1,5 Milliarden Euro auf, um bis zu 305.000 zusätzliche Studienanfänger zu finanzieren.

  • Aufgestockter Hochschulpakt II

    Die Zahl der Studienanfänger war jedoch höher, als angenommen: statt gut 300.000 Studienanfänger werden für den Zeitraum zwischen 2011 und 2015 gut 625.000 zusätzliche Studienanfänger erwartet. Deshalb beschloss die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz 2013 eine erneute Aufstockung: Demnach stellte der Bund 2,2 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung.

Doch das genügt nicht, sagt Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Kurz nach der letzten Aufstockung im Juni 2013 stand fest: Es strömen noch mehr junge Menschen an die Universitäten als gedacht. Wahrscheinlich habe man sich um 200.000 pro Jahr verkalkuliert. Denn derzeit fangen jährlich gut 500.000 junge Menschen ein Studium an.

Somit geht auch der Finanzbedarf weiter nach oben: Konkret klettert er bis 2015 um 600 Millionen Euro und bis 2018 um eine weitere Milliarde Euro. Bis zum Jahr 2020 werde man drei Milliarden Euro mehr brauchen, um Plätze für alle Studienanfänger zu schaffen. Die HRK fordert deshalb eine erneute Aufstockung des Hochschulpakts II.

Hektische Nachbesserungen

Außerdem müsse Teil III des Pakts von vorneherein höher veranschlagt werden, damit künftig hektische Nachbesserungen entfallen. Es handele sich bei den hohen Studienanfängerzahlen nicht um einen einmaligen Gipfel durch die doppelten Abiturjahrgänge, sondern um ein Hochplateau. Hippler: "Um dramatische Konsequenzen für die studierwilligen jungen Menschen und einen Kollaps der Hochschulen zu verhindern, müssen Länder und Bund endlich ihre fortwährenden Kompetenzstreitigkeiten beenden und zusammenarbeiten."

Dazu gehört seiner Ansicht nach auch, dass die von der Bundesregierung geplante Abschaffung des Kooperationsverbots von Bund und Ländern in der Hochschulpolitik sofort kommt. Planmäßig soll die Verfassungsänderung zusammen mit dem geänderten Bafög-Gesetz am 19. Dezember im Bundesrat verabschiedet werden.

Thomas Kathöfer, Generalsekretär der HRK, betont ebenfalls, dass die Maßnahmen von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) gut sind. Doch auch er sieht die Zeit davon laufen. Kommt der Hochschulpakt III nicht zustande, gibt es künftig für ein Drittel der Abiturienten keinen Studienplatz, so die Berechnungen der HRK. Und schon jetzt bilden viele Fachhochschulen mehr Studenten aus, als sie sich leisten können. Das Ergebnis: überfüllte Hörsäle und Seminare, fehlende Bücher, horrende Korrekturzeiten.

Mittlerweile wehren sich die Universitäten - im Rahmen ihrer Möglichkeiten - gegen die halbe Million Neustudenten, die jährlich vor der Tür stehen und deren Ausbildung nicht oder nur teilweise finanziert werden kann. Die Krux dabei ist, dass die Hochschulen durch das Hochschulrahmengesetz aus den Siebzigerjahren verpflichtet sind, so viele Studenten aufzunehmen wie sie bei maximaler Auslastung aufnehmen können. So sagt der auf Studienplatzklagen spezialisierte Rechtsanwalt Niels Korte. Auch im Hochschulpakt steht, dass Unis ihr Studienplatzangebot nicht senken dürfen.

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