Moderne Lernmethoden: Deutsche Schulen verschlafen die Digitalisierung

GastbeitragModerne Lernmethoden: Deutsche Schulen verschlafen die Digitalisierung

Hefte statt Handy, Mitschrift statt Monitor, Tafel statt Tablet: deutsche Schulen verschlafen die Digitalisierung. Dabei böten moderne Medien Lehrern und Schülern die Chance auf individuellen Unterricht. Ein Gastbeitrag.

Stellen Sie sich vor, Sie wachen nach einem 50-jährigen Schlaf auf. Sie würden die Welt von heute in weiten Teilen nicht wiedererkennen. Nur in unseren Schulen hat sich seither wenig getan. In den Klassenzimmern wird häufig immer noch gelehrt wie 1985 als ich selbst Abitur machen durfte. Von der Moderne keine Spur: Statt Laptop für jeden gibt es Handyverbot, keine Informatik als Pflichtfach, und statt Tablets zu bedienen müssen die Kinder an die Tafel. Dabei würden gerade die technologischen Innovationen der jüngsten Vergangenheit Lehrern echte Bildungsfortschritte erlauben. Lernangebote wären individuell auf den persönlichen Wissensstand und die Lernpräferenzen jedes einzelnen ihrer Schüler zugeschnitten. Vorreiterschulen aus dem Ausland zeigen wie es geht.

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Stefan Ries

Stefan Ries ist weltweit für das Personalwesen des Softwarekonzerns SAP verantwortlich und seit Mai 2014 Mitglied des Global Managing Board der SAP SE.

Ein Lehrer, 30 Schüler, ein Klassenzimmer – das hat sich überholt

Etwa das New Yorker Schulkonzept “School of One”, das mittlerweile an 30 Schulen in den USA zum Einsatz kommt. Mit modernsten Methoden erzielt beispielsweise die Middle School 88 in Brooklyn vor allem im Matheunterricht exzellente Resultate. Gerade Mathematik ist für viele Schüler hochproblematisch: Verstehen sie nicht die Basiselemente, haben sie kaum eine Chance, den nachfolgenden Stoff zu verstehen. Genau das war das Problem der Middle School 88. Das Mathewissen der vorwiegend von Kindern aus ärmeren Elternhäusern besuchten Schule reichte in der siebten Klasse vom Kindergartenniveau bis hin zu dem von Achtklässlern. „Keine Chance, dass hier ein Lehrer vor einer Gruppe von 30 Schülern die passende Lehrmethode hätte darstellen können“, sagt der ehemalige Mitarbeiter der New Yorker Schulbehörde und School-of-One-Initiator Joel Rose.

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Die Generation, die mit Smartphones und Internet aufgewachsen ist, entert den Arbeitsmarkt. Ihre Begeisterung für Technik verspricht viel Innovation für Technologieunternehmen. Wenn die Bedingungen stimmen. Eine Kolumne.

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Schulreformierer Rose ließ die Schule 2009 zunächst drei Wände einreißen. So entstand ein gigantischer Klassenraum allein für den Matheunterricht. Jedes Kind bekam einen eigenen Laptop. Zusätzlich wurde der Raum mit Monitoren ausgestattet und mit unterschiedlich farbigen Teppichen und Regalwänden, Tisch- und Stuhlgruppen in verschiedene Lernzonen unterteilt. Alle 120 Schüler ein- und derselben Jahrgangsstufe werden seither an der Middle School 88 von mehreren Mathelehrern im Team unterrichtet. Über Monitore, wie sie sonst eher an Flughäfen üblich sind, informieren sich die Schüler vor Beginn der Mathestunde, wo und wie sie den Unterricht bestreiten werden. An einem Tag gilt es für sie, Fragen am Computer zu beantworten, während nebenan Kleinstgruppen mit einem Lehrer am Tisch Gleichungen lösen und in einer dritten Lernzone an einem mehrtägigen Projekt zum Thema Wahrscheinlichkeitsrechnung gearbeitet wird.

Lehrer werden in Echtzeit über den Lernstand jedes Schülers informiert

Dabei lernen die Schüler im ersten Schritt den Stoff mit Hilfe von Computerspielen oder einem Video. Schafft ein Schüler die gestellte Aufgabe, liefert der Computer oder der Lehrer für ihn neue, weiterführende Herausforderungen. Der Clou ist aber vor allem die Auswertung der täglichen Online-Assessments: Jeden Tag erhält der Lehrer – bei Bedarf sogar in Echtzeit – vom Computer Feedback, wo der Schüler lerntechnisch steht – ob er eine Lektion noch einmal üben sollte oder einen Schritt weitergehen kann. Und wenn der Schüler ein Thema noch nicht so gut beherrscht, liefert der Computer einen Vorschlag, mit welcher Methode der Stoff möglicherweise besser vermittelt werden kann. Per Algorithmus entwickelt der Rechner personalisierte Lehrpläne und passt diese täglich an die Fortschritte und Bedürfnisse der Schüler an. „Die Schüler empfinden die täglichen Assessments nicht als Tests, die ihnen im Zweifel nur schlechte Noten einbrocken“, so Rose: „Sie haben wirklich das Gefühl, dass ihnen die Assessments helfen, den Stoff besser zu verstehen.“ Die Lernerfolge dieser Methode sind beachtlich, und völlig unabhängig davon, ob es sich um einen Einserkandidaten oder einen benachteiligten Schüler handelt.

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