Neulich… beim Gerangel um einen Studienplatz: Stoppt das Hochschul-Chaos!

kolumneNeulich… beim Gerangel um einen Studienplatz: Stoppt das Hochschul-Chaos!

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Kolumne

Bei der Studienplatzvergabe läuft fast alles schief, was schief laufen kann. Weil Politiker und Hochschulleitungen versagen, gehen viele junge Leute leer aus, während Plätze in Mangelfächern unbesetzt bleiben.

Wie schaffen es eigentlich die Fluggesellschaften, jeden Sitz im Flieger nur mit einer Person zu besetzen, obwohl Tickets in München, Hamburg oder Berlin gekauft und zig Mal umgebucht werden? Erstaunlich, aber das klappt jedenfalls fast immer. Und wie schaffen es Discounter, dass ihre Supermarktregale so gut wie immer gleichmäßig gefüllt sind – obwohl an Feiertagen mehr, in der Fastenzeit weniger verzehrt wird?

Komisch, irgendwie gelingt es fast überall, derartig komplexe, zum Teil dezentral ablaufende Prozesse in den Griff zu bekommen. Nur die Zulassungen für Numerus-clausus-Studienplätze, die sind offenbar so schwierig zu regeln, dass hierzulande an den Hochschulen das blanke Chaos herrscht.

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Auch bei den Bescheiden für das Sommersemester 2009, die in diesen Tagen verschickt werden, wird es wieder chaotisch zugehen. Mancher Studierwillige findet mehrere Zusagen im Briefkasten, andere gehe leer aus. Und im April oder Mai wird sich herausstellen, dass wertvolle Plätze in hoch begehrten Fächern wieder einmal nicht besetzt sind. So wie schon häufiger: Nach Schätzungen der Kultusminister bleiben pro Semester 10 bis 15 Prozent der Studienplätze mit Numerus clausus unbesetzt – obwohl die Nachfrage höher ist als das Angebot.

Studienplatzvergabe wird zur Chefsache

Hallo? Haben wir nicht hierzulande Akademikermangel? Heißt es nicht immer in den Sonntagsreden der Politiker, mehr junge Leute sollten bitteschön ein Studium beginnen?

Wie schön, dass Bundesbildungsministerin Annette Schavan das Thema jetzt zur Chefsache erklärt hat. Sie erwarte bereits in diesem Herbst „ein transparentes Verfahren“ – und nicht erst in drei oder vier Jahren“, sagt sie. Na endlich! 

Warum sich die oberste Anwältin der Schüler und Studenten im Lande erst jetzt dieses Themas annimmt, bleibt schleierhaft. Experten des Wissenschaftsrates hatten bereits 2004 auf die Probleme aufmerksam gemacht und ein neues Verfahren für die Zulassung in NC-Fächern verlangt – und das sind immer noch etwa die Hälfte der rund 11 000 Studiengänge. Bis dahin nämlich hatte sich die „Zentralstelle zur Vergabe von Studienplätzen“ ZVS um die Verteilung der knappen Plätze in vielen Studiengängen gekümmert. Die zentrale Institution wurde als „bürokratisches Monstrum“ und „Planwirtschaft per“ kritisiert, die Hochschulen in die Freiheit entlassen. Seit dem entscheiden diese eigenständig über die Vergabe der meisten Plätze – und seitdem herrscht das Chaos.

Die Abiturienten, das kann man ihnen nicht übel nehmen, bewerben sich an vielen Unis gleichzeitig. Während die einen mehrere Zuschläge bekommen, gehen die anderen leer aus. Und jetzt kommt der Knackpunkt: Schreibt sich ein Student tatsächlich an einer Hochschule ein, erfahren die anderen Hochschulen nichts davon – es existiert kein Datenabgleich. Mancher erscheint trotz Zusage nicht am ersten Tag, mancher meldet sich später ab – und kein Mensch bekommt das mit. Ganz anders etwa in Großbritannien, wo Studenten, die sich an einer Hochschule einschreiben, automatisch für alle anderen gesperrt werden – per zentraler Internetplattform.

Schavan setzt auf dezentrale Lösung

SPD und Grüne fordern nun, die Hochschulen per Gesetz zu einem einheitlichen Vorgehen zu verpflichten, was Frau Schavan „Quatsch“ findet. Sie ist nach wie vor für die dezentrale Lösung und setzt auf bessere Absprachen der Hochschulen bei Terminen, Nachrückverfahren und der Gründung einer einheitlichen Börse per Internetplattform für freie Plätze.

Keine Frage, es ist gut, dass sich die Hochschulen ihre Studenten selbst aussuchen können. Es ist gut, dass sie in der Vergangenheit mehr Autonomie bekommen haben. Doch wer Freiheit einfordert, ist auch in der Pflicht, diese verantwortungsbewusst zu nutzen. Die Hochschulen müssen sich flächendeckend an einem zentralen Bewerbungsmanagement beteiligen, sonst haben sie ihre Freiheit nicht verdient.

Ministerin Schavan sollte den Hochschulrektoren bei dem für nächste Woche geplanten Treffen Beine machen. Und für ihren Plan werben, mittelfristig ein ähnliches Verfahren zu etablieren, wie es in Großbritannien existiert. Immerhin: Das Berliner Fraunhofer-Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik soll jetzt eine entsprechende Software entwickeln. Das neue System könnte dann  bis zum Wintersemester 2010/11 fertig sein. Die oberste Bildungspolitikerin hat dafür 15 Millionen Euro bereitgestellt.

Man darf gespannt sein, ob dieser Zeitplan eingehalten wird.

Nun ja, meine Söhne sind erst vier und sechs Jahre alt – bis die zur Uni wollen, dürfte es vielleicht klappen.

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