Nida-Rümelin : "Ein Studium ist nicht alles"

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Nida-Rümelin : "Ein Studium ist nicht alles"

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Nida-Rümelin legt nach: Ein Studium ist nicht alles.

Hochschulstudium top, Berufsausbildung Flop? Der Philosophieprofessor Nida-Rümelin warnt schon länger vor einem „Akademisierungswahn“. Jetzt legt er nach: Mit „absurden Botschaften“ werde jungen Leuten der Kopf verdreht.

Im Streit über die Wertschätzung für Hochschulstudium und berufliche Ausbildung in Deutschland legt einer der Wortführer, der Münchner Philosoph Julian Nida-Rümelin, jetzt noch einmal nach. „Man darf den Leuten nicht den Kopf verdrehen mit völlig absurden Botschaften wie „Wer studiert, verdient im Lauf seines Lebens eine Million Euro mehr“. Weil dann junge Menschen meinen, sie bräuchten nur ein Studium aufzunehmen und hätten schon eine Art Lottogewinn“, sagte der einstige Kulturstaatsminister im rot-grünen Bundeskabinett von Gerhard Schröder (SPD) der Deutschen Presse-Agentur.

In seinem Buch „Der Akademisierungswahn: Zur Krise beruflicher und akademischer Bildung“ (2014) hatte Nida-Rümelin unter anderem scharf kritisiert, deutsche Bildungspolitik vernachlässige die berufliche Bildung. Laut Studien sei hierzulande bis 2030 mit einer Lücke von über vier Millionen nichtakademischen Fachkräften zu rechnen. Der Sozialdemokrat wurde von zahlreichen Bildungspolitikern und Arbeitsmarktexperten für seine Thesen angegriffen, erhielt aber auch Rückhalt aus Teilen der Wirtschaft und der Wissenschaft.

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„Es ist einfach ein Irrtum zu meinen, dass der Hauptbedarf auf dem Arbeitsmarkt im Bereich der akademisch Gebildeten liegt“, sagte Nida-Rümelin jetzt im dpa-Interview. So finde in Fächern wie Jura „ein Drittel der Absolventen keine adäquate Beschäftigung“. Auch Biologen und Geografen hätten große Probleme bei der Jobsuche. Auf der anderen Seite hätten „Meister und Techniker das niedrigste Risiko überhaupt, arbeitslos zu werden“, so Nida-Rümelin. Bei den Verdienstmöglichkeiten sei die Spreizung zwischen akademischen Berufen enorm, etwa zwischen Juristen und Medizinern.

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Quelle: Getty Images

„Der Akademisierungswahn hängt auch mit einem Akademikerdünkel zusammen“, sagte der 60 Jahre alte Philosophieprofessor. „Weil nämlich Akademiker oft denken, nur akademische Bildung zähle auf dem Arbeitsmarkt.“ Er sei gegen „Respektlosigkeit gegenüber anderen Begabungen und anderen Interessen“ und wünsche sich eine „Kultur gleicher Anerkennung für das Handwerkliche, das Soziale, den Umgang mit Menschen“.

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Entscheidend in der Debatte sei der internationale Vergleich, etwa mit Großbritannien und seinen hohen Akademikerquoten. Denn ungeachtet dessen sei dort die Jugendarbeitslosigkeit sehr hoch - und in Deutschland niedrig. Auch in punkto soziale Mobilität - also bei den Aufstiegschancen - liege Deutschland mit seinem bewährten System der dualen beruflichen Bildung international in der Spitzengruppe.

Nida-Rümelin plädiert wie die meisten Experten für mehr Durchlässigkeit zwischen Hochschul- und Berufsbildung - allerdings „in beide Richtungen“. Denn: „Durchlässigkeit stellt man nicht dadurch her, dass alle studieren.“ Ihm war mehrfach typisches Elite-Denken eines Geisteswissenschaftlers vorgeworfen worden, das nicht zu einem Sozialdemokraten passe. Dies gehe völlig fehl, sagte Nida-Rümelin der dpa. In Richtung seiner eigenen Partei fügte er hinzu: „Ich glaube nicht, dass es der Sozialdemokratie gut tut, wenn sie das Signal gibt, die Zukunft gehöre nur den Akademikern.“

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