OECD-Bildungsbericht: Problemschüler sind meist Jungen

OECD-Bildungsbericht: Problemschüler sind meist Jungen

von Ferdinand Knauß

Deutliche Geschlechterunterschiede offenbart ein aktueller Bildungsbericht der OECD. Jungen sind bei den besonders schwachen Schülern deutlich überrepräsentiert.

Zwischen Mädchen und Jungen tun sich neue Lücken beim Bildungserfolg auf. Während bislang vor allem das geringere Interesse von Mädchen an Mathematik und Naturwissenschaften als Problem erschien, zeigt der erste Bildungsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Geschlechtergleichheit, dass bei den besonders leistungsschwachen Schülern in Lesen, Mathe und Naturwissenschaften Jungen überrepräsentiert sind.

Von der Gesamtheit der besonders leistungsschwachen Schüler sind 60 Prozent Jungen. Sie brechen also auch eher die Schule ohne Abschluss ab. Der Bericht "The ABC of Gender Equality in Education: Aptitude, Behaviour and Confidence" beruht auf den PISA-Tests der OECD mit 15-jährigen Schülern.

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Die OECD-Autoren empfehlen, besonders die Lesefähigkeit der Jungen zu verbessern. Lehrer und Eltern sollten die von Mädchen verschiedenen Lese- und Freizeitvorlieben der Jungen berücksichtigen. So begeistern sich Jungen häufiger für Comics, während Mädchen eher zu Romanen oder Magazinen greifen. Ein Ansatzpunkt zur Verbesserung der Leistungen lernschwacher Jungs könnten auch die Hausaufgaben sein. Im OECD-Schnitt verbringen Jungen eine Stunde pro Woche weniger mit Hausaufgaben als ihre Klassenkameradinnen.

Gleichzeitig bleibt ein großer Unterschied zwischen Jungs und Mädchen, was ihre Einstellung zu Mathematik angeht. Und in Deutschland ist dieser Unterschied besonders groß.

Gefragt, ob sie mathematische Aufgaben schnell begreifen, antworten Jungen wesentlich häufiger mit Ja als Mädchen. Mädchen dagegen stimmten eher der Aussage zu: “Ich bin einfach nicht gut in Mathe” – und das auch dann, wenn sie im PISA-Test mathematische Aufgaben genauso erfolgreich lösten, als ihre männlichen Altersgenossen.

Der Bericht bestätigt, was andere Untersuchungen und Alltagsbeobachtungen seit jeher zeigen: Die Einstellung gegenüber Mathematik und Naturwissenschaften, und damit einhergehend auch das Interesse an Karrieren in einem naturwissenschaftlichen oder technischen Feld, unterscheidet sich zwischen Jungen und Mädchen grundlegend. Im Schnitt der OECD-Mitgliedsländerkann sich weniger als eines von 20 Mädchen im Alter von 15 Jahren vorstellen, später eine Arbeit zu machen, die mit einem sogenannten MINT-Fach (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu tun hat. Bei den Jungen sind es vier von 20.

Die Abneigung von Mädchen gegen die MINT-Fächer erklärt einen großen Teil des Gehaltsunterschiedes zwischen den Geschlechtern, denn gerade die MINT-Berufe führen sehr oft zu den bestbezahlten Karrieren.

Der unterschiedlichen Einstellung entsprechen dabei nicht schwächere Leistungen. Beide Geschlechter schnitten im PISA-Test Naturwissenschaften ähnlich ab. Nur auf den ersten Blick scheinen die Ergebnisse des PISA-Tests die Geschlechter-Präferenzen zu bestätigen: In vielen Teilnehmerländern schneiden Jungen bei den mathematischen Aufgaben besser ab, während die Mädchen ihre Altersgenossen beim Lesen in allen Ländern hinter sich lassen. In besonders leistungsstarken Volkswirtschaften aber sind Jungen und Mädchen in Mathematik gleichauf und Mädchen erbringen dort weit bessere Ergebnisse als die Jungen der meisten anderen Länder. Ebenso ist das Leseverständnis der Jungen in diesen, zumeist asiatischen Ländern höher als das der Mädchen in schwächeren Teilnehmerstaaten.

„Die Geschlechterdifferenzen begründen sich also nicht durch angeborenes (Un-)Vermögen, sondern vielmehr durch eine erworbene Haltung gegenüber der Materie, der Schule, beziehungsweise dem Lernen ganz allgemein“, heißt es bei der OECD.

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Deutliche Kritik an der OECD angesichts des Berichts äußerte der Präsident des Philologenverbands, Heinz-Peter-Meidinger: „Es führt weder bei der Analyse noch bei den Zielperspektiven weiter, wenn man bei der Klage über ein zu geringes Interesse von Mädchen an naturwissenschaftlichen Studiengängen und Berufen bei den von Eltern geprägten Einstellungsmustern stehenbleibt. Wenn der OECD-Bericht feststellt, dass sich Jungen bei der Berufswahl stärker an der Höhe des späteren Verdienstes orientieren als Mädchen, während diese nach anderen Erhebungen bei der Berufswahl stärker an Kriterien wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie den eigenen Neigungen und Selbstverwirklichung interessiert sind, dann ist die Gemengelage komplizierter als der Bericht glauben machen will“, so Meidinger.

Der Verbandschef machte zudem die eher auf Männer ausgerichteten Arbeitsplätze im technologisch-naturwissenschaftlichen Berufssektor dafür verantwortlich, dass so wenig Mädchen solche Berufe anstrebten. „Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat die Industrie trotz gewisser Fortschritte noch eine große Bringschuld in Deutschland!“, sagte Meidinger.

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