PISA: Deutsche Schüler sind mittelmäßige Problemlöser

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PISA: Deutsche Schüler sind mittelmäßige Problemlöser

Im Vergleich zu Koreanern und Japanern können deutsche 15-Jährige weniger gut Alltagsprobleme mit technischen Geräten lösen. Das zeigen die neuen Daten der aktuellen PISA-Testreihe.

Schüler in Deutschland sind mittelmäßige Problemlöser und liegen leicht über dem Schnitt von 44 OECD-Ländern. PISA, das Programme for International Student Assessment der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), hatte 2012 im Rahmen seines Schulleistungstest neben den Kompetenzen in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften auch untersucht, inwieweit 15-jährige Schüler gegen Ende ihrer Pflichtschulzeit in der Lage sind, komplizierte Probleme kreativ zu lösen – und zwar jenseits des erworbenen Schulwissens.

Die Leistungen deutscher Schüler beim kreativen Lösen von Problemen seien niedriger, als man angesichts der Ergebnisse in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften erwarten würde. Dies gilt insbesondere für das schwächste Drittel der Schüler am unteren Ende der Leistungsskala. In Deutschland erreichen beim Lösen von Problemen fast 20 Prozent nicht das Basisniveau (Level 2). In Japan und Korea sind dies weniger als 7 Prozent.
Zu den leistungsstärksten Problemlösern (Level 5 und 6) gehören in Deutschland rund 13 Prozent der 15-Jährigen. In Finnland, Australien und Kanada sind es über 15, in Japan und Korea sogar deutlich über 20 Prozent. Dabei fällt auf, dass Jungen besser abschneiden als Mädchen. In der Spitzengruppe sind in Deutschland zu 60 Prozent Jungen und nur zu 40 Prozent Mädchen vertreten. Der soziale und ökonomische Hintergrund ist beim kreativen Problemlösen weniger prägend als bei den sonstigen PISA-Schulleistungen. Anders als etwa in Mathematik, werden Problemlösungsfähigkeiten offenbar auch in anderen, nicht schulbezogenen Kontexten erworben.
Auch in Österreich liegen die Leistungen im kreativen Problemlösen im OECD-Durchschnitt. Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler sind allerdings etwas niedriger als man angesichts der Ergebnisse in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften erwarten würde. Dennoch gibt es in Österreich anteilig weniger leistungsschwache Schülerinnen und Schüler im Bereich Problemlösen als in den meisten anderen OECD-Ländern.

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Die Kategorie des Problemlösens ist zentral für die von der OECD seit Jahren propagierte Ausrichtung des Schulunterrichts an "Kompetenzen". Kritiker sehen darin die Abkehr vom bisherigen, an Allgemeinbildung orientierten Auftrag der Schulen und eine übertriebene Ausrichtung an den Bedürfnissen der Unternehmen. "Die Lösung von Alltagsproblemen verlangt heutzutage weit mehr als nur die direkte Anwendung von Schulwissen. Im realen Leben zählt darüber hinaus die Fähigkeit, neue Kenntnisse zu erwerben, Informationen kognitiv zu verarbeiten, Problemsituationen zu verstehen sowie eigenständig nach Problemlösungen zu suchen", heißt es bei der OECD. Dies erfordere, so die PISA-Macher heute auf einer Pressekonferenz in Berlin, die Fähigkeit, "um die Ecke" denken zu können. Konkret wurde zum Beispiel der Umgang mit einem unbekannten elektronischen Fahrkarten-Verkaufssystem, einem MP3-Spieler und einer Klima-Anlage getestet.

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Die Autoren vermuten, dass es den Ländern, deren Schüler besonders gute Problemlöser sind, also etwa Korea und Japan, gelingt, " Lernchancen zu bieten, die die Schülerinnen und Schüler besonders gut auf die Bewältigung komplexer Probleme des realen Lebens in Kontexten vorbereiten, denen sie in der Schule gewöhnlich nicht begegnen."

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