Plagiate: Doktorvater in Münster winkt Plagiate durch

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Plagiate: Doktorvater in Münster winkt Plagiate durch

Es gibt etwas völlig Neues aus der Welt der Plagiate: Erstmals leitet eine Universität Schritte gegen einen Doktor ein, der anderen das Abschreiben hat durchgehen lassen.

Derzeit steht Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Fokus der Plagiatsjäger. Der Vorwurf: Sie habe bei ihrer medizinischen Doktorarbeit vor 25 Jahren regelwidrig Passagen von anderen Autoren übernommen. Sie weist die Vorwürfe zurück, doch selbst wenn sie zutreffen sollten, wäre sie in guter Gesellschaft: Nicht nur, dass bereits diverse Politiker über ermogelte Titel gestolpert sind, Mediziner seien auch besonders fleißige Abschreiber, wie der Berliner Juraprofessor und Mitglied von Internetplattform "VroniPlag Wiki" Gerhard Dannemann sagt. "VroniPlag Wiki" spezialisiert sich auf Verstöße gegen Zitierregeln.

Die drei nützlichsten Programme zum Aufspüren von Plagiaten

  • PlagAware

    Platz 1 im Test machte die Software PlagAware. Das Programm bekam allerdings auch nur die Note 3,3. Preislich schlägt das Programm mit maximal 15 Euro zu Buche. Für Hochschulen ist PlagAware aber nur mäßig nützlich, weil jeder Text einzeln hochgeladen werden muss.

  • Turnitin

    Turnitin ist eine in den USA recht weit verbreitete Software. Die Berliner Experten von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin gaben dem Programm aber nur die Note vier. Damit erreicht Turnitin Platz zwei im Ranking. Der Preis hängt von der Anzahl der Studierenden ab.

  • Ephorus

    Platz drei geht an die Software Ephorus. In puncto Benutzerfreundlichkeit hat die Software nach einer Überarbeitung Rang zwei erhalten. Bei der durchschnittlichen Bewertung gab es nur die Note 4,8.

Die Mediziner sind die Berufsgruppe mit den meisten Promotionen - von 28.000 Doktortiteln gingen im vergangenen Jahr alleine 6300 an Ärzte. Dass jemand durchfällt, kommt so gut wie nicht vor. Und da kann etwas nicht stimmen. Viele Mediziner seien noch sehr jung und müssten oft auch unter großem Zeitdruck publizieren, sagt Plagiatsjäger Dannemann. Da wird dann schon mal bei den Quellen geschludert. Auch die Betreuer machten es ihnen mitunter leicht, unsauber zu arbeiten. Gleichzeitig seien Dissertationen mit Datenanalysen, wie es in der Medizin oft der Fall sei, nur schwer zu überprüfen.

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So zitieren Sie richtig!

  • Direktes Zitat

    Ein direktes Zitat ist wortwörtlich. Es muss in Anführungszeichen gesetzt werden. Man sollte direkte Zitate nicht zu häufig verwenden, sondern nur, wenn sie griffig und gut formuliert sind. Danach zum eigenen, akademischen Schreibstil zurückkehren.

    (Quelle: Esther Breuer, Leiterin des Kompetenzzentrums Schreiben an der Kölner Universität im www.ksta.de)

  • Indirektes Zitat

    Bei einem indirekten Zitat gibt man die Gedanken eines Anderen wieder. Unbedingt die Quelle nennen. Man sollte versuchen, eigene Formulierungen zu verwenden.

  • Gegenstimmen

    Es sollten immer auch Gegenstimmen mit einbezogen werden.

  • Kritischer Blick

    Mit den wissenschaftlichen Texten sollte man kritisch umgehen: Nur durch die aktive Auseinandersetzung mit den Positionen Anderer kann sich die Wissenschaft weiterentwickeln.

  • Eigene Gedanken abgrenzen

    Es ist wichtig, die eigenen Gedanken von denen der anderen klar abzugrenzen, damit sich Eigen- und Fremdleistung für den Leser nachvollziehen lassen.

Aber in der Regel versuchen die Professoren wenigstens, den Plagiaten auf die Spur zu kommen. Denn das Abschreiben ist schließlich nicht nur ein Zeichen von mangelnder Konzentration oder der Faulheit geschuldet. In einer Resolution des Deutschen Hochschulverbandes vom 17. Juli 2002 heißt es: "Ein solches Vorgehen widerspricht nicht nur guter wissenschaftlicher Praxis, es ist auch eine Form geistigen Diebstahls und damit eine Verletzung des Urheberrechts."

Zehn Grundregeln zum wissenschaftlichen Schreiben

  • Denken Sie sich was Spannendes aus!

    Wählen Sie ein Thema, das Sie interessiert. Finden Sie Fragen, die Sie gern beantworten möchten und auch können. Tauschen Sie sich von Anfang an mit Bekannten darüber aus, egal ob diese Experten sind oder nicht.

    (Quelle: Kompetenzzentrum Schreiben der Universität Köln)

  • Fragen? Fragen!

    Sprechen Sie Ihr Thema mit Ihrer Dozentin/Ihrem Dozenten in einer Sprechstunde ab. Machen Sie sich vorher einen Notizzettel, auf dem steht, was Sie erfahren möchten. Verlassen Sie die Sprechstunde erst, wenn Sie alle Fragen geklärt haben.

  • Keine Panik!

    Machen Sie sich einen Zeitplan mit Start- und Enddatum. Planen Sie dabei auch Erholungsphasen ein und belohnen Sie sich nach den getanen Arbeitsschritten.

  • Lesen, lesen, lesen

    Überlegen Sie vor der Bibliographie, welche Aspekte für Ihre Aufgabe wichtig sind und suchen Sie danach die Literatur. Die bibliographische Liste sollten Sie mit Ihrer Dozentin/Ihrem Dozenten absprechen, da sie/er Sie auf weitere, wichtige Texte aufmerksam machen kann.

  • Der rote Faden

    Entwickeln Sie einen roten Faden für die Arbeit (z.B. anhand von Leitfragen), bevor Sie anfangen zu schreiben. Malen Sie diesen auf und hängen Sie ihn vor Ihren Schreibtisch, damit Sie ihn nie aus den Augen verlieren.

  • Struktur vor Inhalt

    Stellen Sie anhand dieses roten Fadens eine Gliederung auf und besprechen Sie diese mit Ihrer Dozentin/Ihrem Dozenten.

  • Zeit sparen

    Arbeiten Sie von Anfang an organisiert. Halten Sie neue Ideen, Fragen und relevante Auszüge aus der vorhandenen Literatur schriftlich fest. Sie sparen sich so viel Zeit.

  • Start mit dem Hauptteil

    Beginnen Sie mit dem Hauptteil. Schreiben Sie einen zusammenhängenden Text. Die Inhalte müssen aufeinander aufbauen. Einleitung und Schluss ergeben sich hieraus.

  • Die Korrigierer

    Schreiben Sie klar und präzise. Nur so können Sie Erkenntnisse vermitteln. Schreiben Sie grammatikalisch und orthographisch korrekt und lesen Sie mehrmals Korrektur. Fragen Sie auch Freunde, ob die Sie bei dieser Arbeit unterstützen können.

  • Dagegen sollten Sie niemals verstoßen!

    Halten Sie die von Ihrem Institut vorgegebenen Richtlinien ein. Viele Institute haben Leitfäden, die Sie in den Sekretariaten erhalten oder im Internet downloaden können.

Entsprechend müssen Studenten an vielen Unis schon bei Hausarbeiten eine Erklärung unterschreiben, dass sie den Text selbst geschrieben, nicht kopiert und alle Zitate entsprechend gekennzeichnet haben. An der Universität Münster gibt es solche Erklärungen seit dem Wintersemester 2005/06. Diejenigen, die die Promovierenden betreuen, deren Doktorväter, müssen dagegen nicht versichern, wissenschaftlich sauber zu arbeiten.

Einem Doktorvater wirft die Uni Münster jetzt genau das vor: schweres wissenschaftliches Fehlverhalten. Er soll mehrere Dissertationen durchgewunken haben, die abgeschrieben waren. Insgesamt gibt es 23 mögliche Plagiatsfälle an der medizinischen Fakultät, die die Plattform "Vroniplag wiki" aufgedeckt hat. Vier davon betreffen Arbeiten, die von dem 60-jährigen Professor betreut worden sind, wie die Westfälischen Nachrichten berichten.

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Davon wiederum sind bislang zwei Wissenschaftlern die Titel aberkannt worden, weil sie nachweisbar abgeschrieben hatten, wie ein Sprecher der Universität Münster erklärte. In einem Fall habe es nur eine Rüge gegeben, im vierten Fall sei der Verfasser der Arbeit mittlerweile verstorben, weshalb nicht weiter ermittelt werde.

Dass eine Universität derart gegen ihre eigenen Leute vorgeht, ist neu. Bislang sei die Universität Münster mit Plagiatsvorwürfen eher entspannt umgegangen, wie Plagiatsjägerin Debora Weber-Wulff im Sommer angemerkt hatte. Dafür straft die Universität den 60-Jährigen jetzt ab: Dem Mediziner sollen alle Sonderleistungen gestrichen werden, die über die ihm gesetzlich zustehende Besoldung hinausgehen. Ende Oktober entscheide die medizinische Fakultät das weitere Vorgehen.

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