Plurale Ökonomie: An Universitäten tut sich was

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Plurale Ökonomie: Wirtschaftsstudenten wollen denken, nicht rechnen

An Universitäten tut sich was

Bachmann glaubt, dass die Pluralen sich zu sehr auf die Anerkennung einzelner Methoden konzentrieren, statt interessante Themen aufzuwerfen. Solange also das Thema stimmt, werden alle Methoden gleichwertig diskutiert? „Ich bin im Prinzip für alle Ansätze offen“, sagt Bachmann. Ob der VfS deswegen aber auch eine führende Rolle übernehmen soll, wenn es um gute Lehre geht, bezweifelt er. „Wir können nicht kontrollieren, wie die Kollegen ihre Vorlesungen halten.“

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Wie die Lehre im Hörsaal tatsächlich aussieht, will Frank Beckenbach, Verhaltensökonom an der Universität Kassel, mit einer Anfang Mai erscheinenden Studie zeigen. Sein Team untersuchte die Inhalte aus über 50 deutschen Bachelor-Studiengängen auf ihre Qualität und befragte auch das Lehrpersonal. Das Ergebnis: Statt die Studentenbewegung zu ignorieren, machen sich viele Ökonomen ernsthafte Gedanken zu ihrer Zunft. Bemühungen etwas zu ändern, scheiterten jedoch oft an den Institutionen – als Lehrkörper sei man „interessiert, aber behindert“, sagt Beckenbach. Der Grund dafür sei ein „vorauseilender Gehorsam“ unter den Ökonomen – man lasse sich vom Druck internationaler Fachzeitschriften beeinflussen. Die Rhetorik von Rüdiger Bachmann hält der Kassler Beckenbach für unangemessen und findet, der Verein vertrete „eine ganz eingeschränkte Perspektive.“

Bei welchen Unternehmen junge Wirtschaftswissenschaftler arbeiten wollen

  • Platz 10

    Procter & Gamble (P & G)

    Das Beratungsunternehmen Universum hat insgesamt 242.061 Studenten (121.100 aus den Wirtschaftswissenschaften und 120.961 aus den Ingenieur- bzw. IT-Wissenschaften) auf der ganzen Welt gefragt, wo sie später arbeiten wollen. 2014 platzierte sich der Konsumgüter-Konzern noch auf Platz 7 der Top 10-Unternehmen, in denen junge Wirtschaftswissenschaftler arbeiten wollen. 2015 rutscht er auf Platz 10.

  • Platz 9

    J.P. Morgan

    Die US-amerikanische Bank mit Sitz in New York bleibt wie in 2014 unter den Top 10-Arbeitgeber der Wirtschaftswissenschaftler-Absolventen (2014: Platz 10).

  • Platz 8

    Microsoft

    Anders als sein Konkurrent Apple fällt Microsoft 2 Plätze (2014: Platz 6).

  • Platz 7

    Apple

    Bei den Ingenieuren bereits auf Platz 3 - Apple klettert nun auch bei den Wirtschaftswissenschaftlern von Platz 9 auf Platz 7.

  • Platz 6

    Deloitte

    Bei Studierenden der Wirtschaftswissenschaft bleibt Deloitte beliebt, fällt jedoch einen Platz im Vergleich zum Vorjahr.

  • Platz 5

    KPMG

    Das Unternehmen im Bereich Wirtschaftsprüfung fällt von Platz 4 (2014) auf Platz 5 bei der Beliebtheit.

  • Platz 4

    Goldman Sachs

    Das Investmentbanking- und Wertpapierhandelsunternehmen macht 4 Plätze gut und klettert von Platz 8 (2014) auf Platz 4.

  • Platz 3

    EY (Ernst & Young)

    Einen Platz gutmachen muss der Wirtschaftsprüfer EY beim Arbeitgeber-Ranking.

  • Platz 2

    PwC (PricewaterhouseCoopers)

    Das Dienstleistungsunternehmen PwC klettert 2015 auf Platz 2 bei den Wirtschaftswissenschaftlern und verdrängt damit Ernst & Young.

  • Platz 1

    Google

    Genauso wie bei den Ingenieuren ist Google auch bei den Wirtschaftswissenschaftlern weltweit auf Platz 1 der beliebtesten Arbeitgeber.

Angesichts des Wissenschaftlerstreits geht nahezu unter, dass sich an den Unis durchaus etwas tut. Beispiel Siegen: Dort baut Nils Goldschmidt, ordnungspolitisch geprägter Ökonom und seit 2014 Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft, gerade den „Master Plurale Ökonomik“ auf – nach eigenen Angaben der erste seiner Art. Goldschmidt ist guten Mutes, dass der Master bei Studierenden ein Erfolg wird, denn diese hätten durch ihre Kritik am Mainstream zur Entstehung beigetragen: „Von den Studierenden gibt es den Push. Die Uni spielt auch mit. Es ist ein günstiger Moment.“ Zum Sommersemester 2016 startet an der Business and Information Technology School (BiTS) in Berlin zudem der neue Masterstudiengang „Entrepreneurial Economics and Management“, in dessen Mittelpunkt die Österreichische Schule der Nationalökonomie steht.

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Neuer VWL-Studiengang: Alternative zum neoklassischen, neukeynesianischen Paradigma. Quelle: Getty Images, Montage

„Die Unis müssen es schaffen, Inhalte aus der ganzen Welt der Ökonomik zu verknüpfen“, betont Goldschmidt. „Die Studierenden sollen sich wieder zu gesellschaftspolitischen Fragen positionieren können und nicht nur Modelle durchrechnen.“ Damit ist er nah bei Bachmann.

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Es scheint, als wollten am Ende doch alle Streitparteien das Gleiche: die richtige Antwort auf ökonomische Fragen zu finden. Gustav Theile darf also zuversichtlich sein, dass ein Wandel gelingt. Schließlich widmet er der pluralen Bewegung inzwischen mehr Zeit als dem Studium.

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