RWTH Aachen: "Der Ruf unserer Uni verbessert die Jobaussichten"

RWTH Aachen: "Der Ruf unserer Uni verbessert die Jobaussichten"

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Ernst Schmachtenberg, 57, ist seit August 2008 Rektor der RWTH Aachen. Zuvor war er zwei Jahre Professor für Kunststofftechnik an der Universität Erlangen. Seinen Abschluss in Maschinenbau machte er 1981 an der RWTH.

Der Rektor der RWTH Aachen erklärt, wie die Erfolge seiner Hochschule erarbeitet wurden. Ernst Schmachtenberg spricht auch über sein Verhältnis zum Begriff „Elite-Uni“ und wie die Finanzkrise seine Uni trifft.

WirtschaftsWoche: Professor Schmachtenberg, die RWTH gilt unter Personalern in fünf Fachrichtungen als beste Uni Deutschlands. Knallen bei Ihnen jetzt die Sektkorken?

Schmachtenberg: (lacht) Wir sind natürlich begeistert, das ist für uns ein schöner Lohn. Mit Sekt anstoßen, warum nicht? Aber nur ganz kurz, danach geht es zurück an die Arbeit.

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Sie sind erst seit dem vergangenen Jahr Rektor. Ist das nun Ihr Triumph oder der Ihres Vorgängers?

Meiner ist es nicht, denn solche Ergebnisse stellen sich nur langfristig ein. Hier ist über viele Jahre etwas aufgebaut worden und ich freue mich als Rektor wirklich riesig – aber dieser Erfolg hat viele Mütter und Väter.

Wie erklären Sie sich den Erfolg?

Unsere Studierenden werden schon früh in Forschungsprojekte eingebunden, außerdem bringen die Lehrenden umfangreiche Erfahrung aus der Praxis mit. Dadurch werden Schlüsselqualifikationen jenseits des Fachwissens vermittelt, die für eine Karriere im Unternehmen unerlässlich sind. Das Studium in Aachen ist hart, aber wer sich durchbeißt, erntet dafür spätestens im Berufsleben die Lorbeeren.

Was haben die Studenten davon?

Wenn eine Hochschule die besten Wissenschaftler hat, dann sind auch die Ausbildung und die Lehrinhalte aktuell. Wenn Studenten im späteren Verlauf ihres Studiums ins Labor gehen, profitieren sie natürlich davon, dass dort die neuesten Rechner und die besten Mikroskope stehen. Unsere Lehrlinge gehen schon früh in die Meisterausbildung. Und der Ruf unserer Uni verbessert deren Jobaussichten.

Allerdings nicht in Aachen selbst. Viele Absolventen verlassen die Stadt gleich nach dem Abschluss.

Leider sind begehrte Arbeitgeber wie BMW, Daimler oder Siemens nicht in Aachen ansässig. Ich bin mir sicher, dass viele gerne hierbleiben würden, aber der Beruf geht nun mal vor. Ich sehe das aber nicht als Nachteil: So bleiben wir durch unsere Absolventen auf der ganzen Welt präsent.

Sie wollen die Wissenschaftsgemeinde vom „Unternehmen Hochschule“ begeistern. Besteht dabei nicht die Gefahr, die Lehre zu vernachlässigen und einseitig auf Forschung zu setzen?

Ganz im Gegenteil! Wir setzen weiterhin auf beide Bereiche. Ich finde den unternehmerischen Gedanken deshalb so wichtig, weil jedem Einzelnen seine Verantwortung klar wird – viel stärker als in anderen öffentlichen Verwaltungen.

Wo muss die RWTH noch besser werden?

Wir setzen vor allem in der Lehre an, wir wollen die Erfolgsquoten steigern. Wer bei uns sein Studium schafft, ist hervorragend ausgebildet. Aber es gibt immer noch zu viele, die zu lange studieren oder den Abschluss nicht schaffen. Mit unseren Absolventenquoten liegen wir im internationalen Vergleich noch weit hinten.

Und wie wollen Sie die Quoten steigern?

Ich kann und will keinem die Eignung für ein Studium absprechen. Aber wir wollen unseren Studierenden künftig noch stärker zeigen, was sie können und was nicht.

Würden Sie auch erwägen, Ihre Studenten noch stärker auszuwählen, um potenzielle Abbrecher gleich vorneweg auszusortieren?

Rigoros filtern kann und will ich gar nicht. Denn eine Begabung kann sich ja innerhalb eines Studiums noch entwickeln. Wichtig ist, dass ein Student möglichst früh eine Rückmeldung bekommt, ob das Studium das Richtige für ihn ist.

"Wir merken die Krise bereits deutlich"

Der Stromkonzern E.On hat der RWTH im vergangenen Jahr insgesamt 40 Millionen Euro zugesagt, verteilt über die nächsten zehn Jahre. Inwieweit beeinflusst die Wirtschaftskrise solche Spenden?

Wir merken die Krise bereits deutlich. Viele Forschungsprojekte laufen nicht mehr so reibungslos, weil die Sponsoren vorsichtiger werden. Aber ich hoffe, dass die Unternehmen verstehen, dass sie die Krise nur mit Innovationen meistern können – und die finden sie an Spitzen-Unis.

Mögen Sie eigentlich den Begriff Elite-Uni?

Ich benutze das Wort selten und vergleiche uns lieber mit einer Fußballmannschaft. Natürlich freuen wir uns, wenn wir die Tabelle anführen. Mal ist man vorne, mal nur auf dem dritten Platz.

Immerhin weit weg von den Abstiegsplätzen...

...ja, denn das würde bedeuten, dass der Rektor große Fehler gemacht hat und er würde ausgewechselt werden – genau wie ein Fußballtrainer.

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