Schulbildung: Deutschland hat die falschen Lehrer

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Schulbildung: Deutschland hat die falschen Lehrer

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Der Lernerfolg eines Schülers hängt vom Lehrer ab.

von Kerstin Dämon

Für den Erfolg der Schulbildung kommt es weder auf die Größe der Klassen noch auf Ganztagsschulen an. Es hängt am Lehrer. In Deutschland werden überwiegend diejenigen Lehrer, die für den Job nicht geeignet sind.

Deutschland hat 16 verschiedene Bildungssystem: Die einen setzen auf das Abitur nach acht Jahren, die anderen auf das alte neunjährige System. Hier gibt es integrative Gesamtschulen, dort nur noch Gymnasien und Realschulen. Die Wirtschaft hält die Systeme in Thüringen und Sachsen am effizientesten, aber die anderen seien auch nicht schlecht - so das Urteil des gestern veröffentlichten Bildungsmonitors.

Bloß: Auf den Lernerfolg des einzelnen Schülers hat es so gut wie keine Auswirkungen, ob er in einer Klasse mit 30 oder 13 Mitschülern sitzt, ob er von acht bis 18 Uhr betreut wird oder doch nur bis mittags, oder ob er gemeinsam mit Haupt- und Realschülern lernt oder doch nur mit Gymnasiasten.

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Das hat der neuseeländische Bildungsforscher John Hattie bereits vor einigen Jahren bewiesen. Hätte man sich seine Theorien auch hierzulande zu Herzen genommen, hätte man sich zahlreiche Kapriolen und Flickschustereien an den deutschen Bildungssystem schenken können. Und auch den neuesten Wurf aus Schleswig-Holstein, durch den Verzicht auf Noten kleine Genies zu kreieren, hätte man sich schenken können.

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Hattie hat für seine Studie "Visible Learning" mehr als 800 Metaanalysen zum Thema Bildung und Bildungsfortschritt analysiert, insgesamt gut 50.000 Einzelstudien mit 250 Millionen Schülern. Rund 140 verschiedene Faktoren, die für den Lernerfolg verantwortlich sein sollen, hat er analysiert. Von der finanziellen Situation einer Schule über den angeblichen Vorteil von Privatschulen bis zur die Klassengröße. Letztere landet in Hatties Ranking übrigens auf Platz 106 - von 136. Ausschlaggebender Punkt sei immer der Pädagoge, der das Wissen vermittelt, so Hatties Ergebnis. Wer einen guten Lehrer hat, lernt viel - unabhängig von Schulform oder sonstigen Strukturen.

Doch das Problem ist: Deutschland hat kaum gute Lehrer. Das behauptet zumindest der Hochschul-Bildungs-Report, ein Gemeinschaftsprojekt von Stifterverband und McKinsey. Denn die Lehrerbildung nimmt immer mehr ab. Schon im Jahr 2011 waren Lehrer Schlusslicht beim Hochschulbildungs-Index. Seitdem hat sie sich noch mehr verschlechtert.

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Der Bericht zeigt außerdem, dass nur die mittelmäßigen Abiturienten Lehrer werden: Während 48,3 Prozent der befragten 521 Abiturienten mit einer Durchschnittsnote zwischen 2,1 und 4,0 am Lehrerberuf "eher" bis "sehr" interessiert sind, trifft dies nur für 38,1 Prozent der Abiturienten mit einem Notendurchschnitt zwischen 1,0 und 2,0 zu. Den Einserkandidaten sind schlicht die Karrierechancen zu gering. Forscher von der Universität des Saarlandes haben außerdem herausgefunden, dass es eine nicht unerhebliche Menge an jungen Menschen gibt, die Lehramt studieren, weil sie es für einen leichten Studiengang halten. Diese Kandidaten bekommen deutlich häufiger Burnout als diejenigen, die aus Überzeugung Lehrer werden - was wenig überraschend sein dürfte.

Denn einen guten Lehrer machen nicht nur seine eigenen guten Noten aus, er muss auch für seinen Beruf brennen. Er muss mit Jugendlichen umgehen können, gut erklären und begeistern können - und in der Lage sein, sich gegen eine Horde Pubertierender durchzusetzen. Befragt nach diesen Fähigkeiten, sagten aber nur 47 Prozent der Abiturienten, die Lehrer werden wollen, dass sie gut mit Kindern umgehen können. Für empathisch hielten sich 43 Prozent, 31 Prozent sagten, sie könnten gut erklären. Nur gut 25 Prozent glaubten, andere motivieren oder begeistern zu können. Und nur 16 Prozent sagten von sich, sie seien selbstbewusst. Für durchsetzungsfähig hielten sich 13 Prozent. Diese Menschen sollen in wenigen Jahren Kindern und Jugendlichen Wissen vermitteln. Keine besonders beruhigende Aussicht.

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Doch auch die Lehramtsstudenten sind unzufrieden: 50,2 Prozent halten ihre Betreuung für nicht gut bis schlecht, nur 30,9 Prozent halten den Praxisbezug ihres Studiums für gut oder sehr gut. Dabei sagen 90 Prozent der Studierenden, dass ihnen die Praxis sehr wichtig sei.

Wenn sich also an der Attraktivität des Lehrberufes und an der Ausbildung der Lehrer nichts ändert, muss sich niemand wundern, wenn deutsche Schüler im internationalen Vergleich höchstens mittelmäßig abschneiden.

Die Autoren des Hochschul-Bildungs-Reports sehen außerdem ein großes Potenzial in Quer- und Seiteneinsteigern. Doch auch hier gilt: Ohne Faszination für den Beruf und ohne entsprechende Vorbereitung sollte niemand auf Schüler losgelassen werden.

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