Schule: Hausaufgaben gehören nach Hause

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Schule: Hausaufgaben gehören nach Hause

von Ferdinand Knauß

Der familienfeindliche Gleichheitswahn schlägt neue Kapriolen. Jetzt will die Sozialforscherin Jutta Allmendinger die Hausaufgaben abschaffen, um die Vorteile von Kindern gebildeter Eltern zu nivellieren. Leidtragende wären alle Kinder.

Für steile Thesen und knallige Forderungen ist die Bildungspolitik immer gut. Richard David Precht hat es vorgemacht. Nun meldet sich Jutta Allmendinger, die Präsidentin des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung Berlin: "Schulaufgaben. Wie wir das Bildungssystem verändern müssen, um unseren Kindern gerecht zu werden", heißt ihr aktuelles Buch. Die öffentlichkeitswirksamste Forderung daraus verkündete sie am Wochenende der Nachrichtenagentur dpa: Hausaufgaben sollten abgeschafft werden. Es sei viel besser, den Lernstoff im Unterricht selbst in kleinen Gruppen zusammen mit dem Lehrer noch einmal durchzuarbeiten.

Und warum? Macht sich Allmendinger Sorgen um die Kinder? Leiden sie am Hausaufgabenstress oder lernen sie gar schlechter? Nein, darum geht es Allmendinger nicht, sondern um die "soziale Ungleichheit", die "Hausaufgaben alten Stils zementieren". Studien hätten gezeigt, dass viele Eltern den gesamten Lernstoff mit ihren Kindern durcharbeiteten. Kinder, deren Eltern das nicht leisten könnten, seien dadurch benachteiligt.

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Schüler im Hörsaal Quelle: dpa

Allmendingers Beobachtung ist natürlich zutreffend: Immer mehr Eltern kümmern sich sehr stark um den schulischen Erfolg ihrer Kinder. Natürlich sind Kinder mit bildungsbewussten, engagierten Eltern, die ihnen Bücher vorlesen und sie nicht unbeaufsichtigt vor den Computer setzen, besser dran als solche, die ihre Kinder mit Süßigkeit und Trash-Medien stillstellen. Auf der anderen Seite übertreiben viele Eltern ihren pädagogischen Eifer und degradieren ihre eigenen Kinder dadurch zu Objekten ihres Erfolgswahns. Unter diesem Phänomen der übereifrigen "Helikoptereltern" leiden die Kinder selbst am meisten, aber auch Lehrer, denen oft bei schlechten Noten mit dem Rechtsanwalt gedroht wird.

Aber das ist ein erzieherisches Problem in den Familien und keines, dass staatliche Bildungspolitik zu lösen hat - abgesehen von Fällen extremer Vernachlässigung, um die sich die Jugendämter kümmern müssen. "Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht", heißt es im Grundgesetz. Dessen kluge Autoren haben diesen Satz nicht geschrieben, weil sie die Ungleichheit der Ausgangsbedingungen für Kinder gut fanden, sondern weil sie nicht zuletzt aus der Erfahrung des nationalsozialistischen Erziehungstotalitarismus heraus wussten, dass die Familien der Hort sind, in dem am besten eine glückliche und behütete, aber zur Freiheit und Selbstverantwortung führende Kindheit möglich ist.

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Soll der Staat Kinder, die das Glück haben, besonders gebildete und engagierte Eltern zu haben, durch die Trennung von ihnen bestrafen? Ist das gerecht? Nein, natürlich nicht. In aller Regel sind Kinder bei ihren Eltern gut aufgehoben, weil sie von ihnen mehr geliebt werden als von anderen Menschen - egal wie reich oder gebildet die sind. Natürlich ist es "ungerecht", dass der eine als Sohn eines Vorstandsvorsitzenden und die andere als Tochter eines Gemüsehändlers mit Migrationshintergrund geboren wird. Ebenso ungerecht wie das Leben an sich durch die ungleiche Verteilung angeborener Begabungen und Gebrechen ist. Die eigenen Eltern sind Teil der Persönlichkeitsmerkmale jedes Menschen.

Müttern und Vätern die Aufzucht ihrer Kinder nicht zuzutrauen, ist ein Merkmal unliberaler, bevormundender Politik, die nicht den Menschen, sondern abstrakte Ideale in den Mittelpunkt stellt. In dieser pädagogischen Tradition, die man bis in die Antike zurückverfolgen kann, steht auch Allmendinger. Sie ist eine besonders öffentlichkeitswirksame Vertreterin für eine immer dominantere Tendenz der Bildungspolitik, die geeint ist durch den Willen, ein abstraktes Gleichheitsideal über das Wohl der Kinder und ihrer Eltern zu stellen. Ihr Feindbild ist die Familie als Quelle der ungleichen Ausgangsbedingungen und Lebensverschiedenheit von Kindern. Eine humane und am Kindeswohl orientierte Bildungspolitik ist heute eine, die die Familien stützt und staatlichem Machbarkeitswahn mit Skepsis begegnet.

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