Schulpolitik: Kommunen scheitern an Inklusion von Behinderten

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Schulpolitik: Kommunen scheitern an Inklusion von Behinderten

von Konrad Fischer

Neben dem Kita-Ausbau sollen die Kommunen auf die Schnelle ein weiteres Bildungsziel verwirklichen: den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung. Die allzu großen Ambitionen haben verheerende Folgen.

Nein, es ist wirklich ein fröhlicher Tag. Die Aula ist bis auf den letzten Platz gefüllt, aus ganz Deutschland sind Besucher angereist, am Ende wird sogar gesungen. Die Kettelerschule im Bonner Stadtteil Dransdorf nimmt für sich in Anspruch, eine Art zweite Rütli-Erfahrung nach dem Vorbild im Berliner Stadtteil Neukölln durchgemacht zu haben: Vom Zentrum eines Problembezirks ist sie zum Nukleus der Genesung geworden. Wie das kommen konnte? Die Schule ist eine inklusive geworden, in sogenannten Lernfamilien werden jahrgangsübergreifend Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet.

Jetzt hat die Grundschule dafür den Jakob-Muth-Preis bekommen. Bertelsmann-Stiftung, Bundesregierung und Landesministerium gratulieren, Kameras blitzen, Augen leuchten. Und schließlich schmettern die Sechs- bis Zehnjährigen voller Inbrunst: „Unsere Schule ist die schönste weit und breit, wir verstehen euch ihr Leute, wenn ihr neidisch seid.“

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Ja, das könnte man wirklich verstehen. Vielleicht sogar, wenn sich dieser Neid mit Ärger mischen würde in anderen Schulen, anderen Gemeinden, in denen plötzlich überall inklusive Bildungseinrichtungen entstehen sollen. Denn Schulen wie die Kettelerschule dienen dieser Tage als Beispiel dafür, wie reibungslos sich Inklusion, also der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung, verwirklichen lässt. „Beispiele wie aus Bonn zeigen, dass Inklusion gar nicht viel Geld kosten muss“, sagt die grüne NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann. Tenor: Stellt euch nicht so an, das ist eine gute Sache, und wenn ihr es alle wollt, dann geht es auch ganz einfach. Bloß: So, wie die Umsetzung im Moment abläuft, werden Schulen wie die in Bonn-Dransdorf die Ausnahme bleiben, nicht zur Regel werden.

Gerade wird in Nordrhein-Westfalen ein Gesetz auf den Weg gebracht, das Eltern von Kindern mit Behinderung einen Rechtsanspruch auf den Unterricht in einer regulären Schule bringen soll. In Bremen ist das Realität, Niedersachsen plant Ähnliches. Auch viele andere Länder haben sich zumindest hohe Prozentmarken an gemeinsam unterrichteten Schülern als Ziel gesetzt. „Das ist der schnellste bildungspolitische Wandel, an den ich mich erinnern kann“, sagt Klaus Klemm, emeritierter Professor für Bildungsforschung an der Universität Duisburg-Essen, der die Reformpädagogik der Siebzigerjahre gesehen hat und später PISA auf den Weg brachte. Denn unter dem Schlagwort Inklusion wird eine ganze Schulform begraben – und kaum einer bekommt es mit. Wurden vor zehn Jahren nur acht Prozent der Schüler in Deutschland in inklusiven Schulen unterrichtet, sind es heute schon 20 Prozent. In ein paar Jahren soll der große Rest folgen. Bloß kosten soll diese Umstellung möglichst nichts.

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