Studenten-Typologie: Von Karriere-Kai bis Helfer-Hannes

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Die unterschiedlichen Studententypen haben konkrete Erwartungen an den künftigen Arbeitgeber.

von Kristin Schmidt

Eine exklusive Studie zeigt, was Deutschlands Studenten unter Karriere verstehen, welche Werte ihr Leben prägen und was sie von Ihren künftigen Arbeitgebern erwarten. 

Maren Horstmann ist eine Alles-Anna – also jemand, der alles will. Noch absolviert die 20-Jährige ein duales Studium bei Bertelsmann. Montags und samstags studiert sie an der Fom Hochschule in Gütersloh internationales Management, mittwochs drückt sie die Berufsschulbank für den Abschluss als Industriekauffrau und dienstags, donnerstags und freitags arbeitet sie im Unternehmen. „Ich habe mich für ein duales Studium entschieden, um schon während der Studienzeit Einblicke in das Berufsleben zu bekommen“, sagt die Bachelor-Studentin. Sie will eben alles. Und auch mit Blick in die Zukunft wird sich das nicht ändern. Sie will später mal Familie haben, in Vollzeit arbeiten und natürlich „beruflich auch ein bisschen weiterkommen“. Ihr Traumarbeitgeber sollte sich gesellschaftlich engagieren, ihr flexible Arbeitsbedingungen bieten, damit Beruf und Familie auch zu vereinbaren sind. Maren Horstmann verlangt viel – von sich und ihrem künftigen Arbeitgeber.

„Das ist typisch für Alles-Annas“, sagt Gero Hesse, Geschäftsführer Medienfabrik Embrace, Agentur für Employer Branding aus dem Bertelsmann Konzern. Das Unternehmen hat etwa 3600 Studenten aus verschiedenen Fachrichtungen zu ihren Wertvorstellungen und Erwartungen gegenüber Arbeitgebern befragt. „Eigentlich wollten wir herausfinden, ob zum Beispiel Ingenieure anders ticken als  Geisteswissenschaftler“, sagt Hesse. Das überraschende Ergebnis der Studie: Tun sie nicht.

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Dennoch ist die Generation der Studenten keineswegs eine völlig homogene Zielgruppe. Anhand der Studienergebnisse, die wiwo.de exklusiv vorliegen, hat Embrace, Teil der Medienfabrik, in Zusammenarbeit mit Christoph Beck, Professor an der Hochschule Koblenz, fünf Studenten-Typen identifizieren können. Ergebnisse, die vor allem für Arbeitgeber im sogenannten War for Talents interessant sein könnten. „Wer eine Familien-Franzi im Unternehmen haben möchte, muss sich um Kinderbetreuung kümmern und flexible Arbeitszeiten anbieten“, sagt Beck. „Einem Karriere-Kai ist das nicht so wichtig.“

Die unterschiedlichen Studenten-Typen

  • Sucher-Simon

    Sein Profil ist sehr diffus. Nichts ist ihm so richtig wichtig. Er scheint sich noch nicht entschieden zu haben, was er einmal erreichen möchte. Weder Selbstverwirklichung noch der Erfolg seines Arbeitgebers ist diesem Typ besonders wichtig. Am meisten Wert legt er noch auf Work-Life-Balance. „Wenn sich Sucher-Simon bis zum Ende des Studiums nicht erheblich ändert, wird er es in der Wirtschaft ganz schön schwer haben“, sagt Hesse.

  • Familien-Franzi

    Work-Life-Balance ist für diesen Typ zentral. Der Kinderwunsch ist ausgeprägt, Traditionen hält sie hoch. Sie ist auf der Suche nach einem langfristigen Karriereweg, bei einem Arbeitgeber der sie gut entlohnt und bei dem sie nach Dienstschluss getrost das Handy abschalten kann.

  • Helfer-Hannes

    Dieser Typ ist besonders darauf bedacht, anderen Menschen zu helfen, seinen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten und sein Leben mit Sinn zu füllen. Deshalb fordert er von seinem Arbeitgeber eine Unternehmenskultur, die sich an ideellen Werten orientiert. Geld und persönlicher Erfolg sind für ihn zweitrangig. Sich selbst bei der Arbeit zu verwirklichen und einen Beitrag zum Erfolg des Unternehmens zu leisten, ist für ihn wichtiger.

  • Alles-Anna

    Familie? Ja – Führungsposition? Ja – Sich sozial engagieren? Ja. An erster Stelle steht bei all dem stets das ausgeglichene Verhältnis zwischen Beruf und Privatleben. Eine gute Bezahlung vom Arbeitgeber ist ihnen ebenso wichtig, wie sein gesellschaftliches Engagement und seine herausragenden Produkte. Sie wollen langfristige Perspektiven genauso wie flexible Arbeitszeiten. Die hohen Ansprüche stellen sie auch an sich selbst. Sie sind engagiert, interessiert und ambitioniert. „Aber auch sie werden den ein oder anderen Kompromiss eingehen müssen“, sagt Hesse.

  • Karriere-Kai

    Sein persönlicher Erfolg und sein Job stehen für ihn im Vordergrund. Gute Bezahlung und andere materielle Werte sind für ihn wichtig. Er ist ehrgeizig. Ein Viertel aus diesem Cluster ist bereit mehr als 60 Stunden pro Woche zu arbeiten. „Sie verkörpern die klassische Karriereorientierung, wie sie sie bei den Babyboomern kennengelernt haben“, heißt es in der Studie.

Auffällig ist, dass all diese Typen in etwa gleich häufig vorkommen. Auch über Studienfächer und  Geschlechter hinweg sind sie gleichmäßig verteilt. „Die Arbeitgeber müssen sich über Ihre Unternehmenskultur klar werden und schauen, welche dieser Typen am besten zu ihnen passen“, sagt Hesse.

Dennoch wird nicht jeder Karriere-Kai in einer Beratung landen oder jeder Helfer-Hannes bei einer NGO. „Das wäre zu kurz gedacht“, sagt Hesse. „Gerade die Beratungen sind mittlerweile auch auf der Suche nach anderen Typen.“ Und fügt hinzu: „Auch der Erhalt von Arbeitsplätzen kann für manchen eine sinnstiftende Aufgabe sein. Ein Helfer-Hannes könnte also durchaus auch Personalleiter bei einem Konzern sein.“

Doch so unterschiedlich die verschiedenen Typen von Familien-Franzi bis Alles-Anna sind, einige Verhaltensmuster und Wertevorstellung verbinden einen Großteil von ihnen. „Diese Generation hat sehr genaue Vorstellungen davon, was sie von ihren künftigen Arbeitgebern erwartet“,  sagt Wirtschaftswissenschaftler Beck. Und diese Erwartungen sind hoch. 79 Prozent ist es etwa wichtig, dass ihr Arbeitgeber dieselben Werte vertritt wie sie selbst. Fast allen ist an einem guten Arbeitsklima gelegen. 82 Prozent erwarten, dass sich die Arbeitszeit der persönlichen Situation anpasst, sollte zum Beispiel ein Kind geplant sein oder ein Angehöriger pflegebedürftig werden. 86 Prozent der Befragten legen Wert auf langfristige, stabile Erträge statt auf kurzfristige Gewinnmaximierung.

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3 Kommentare zu Studenten-Typologie: Von Karriere-Kai bis Helfer-Hannes

  • will denn Helfer-Hannes nur ideelle Werte oder will er auch etwas zu essen haben?

  • ist doch krank wenn das ne entweder/oder frage ist.
    wir leben immerhin in einem der reichsten länder der welt, wir sollten uns beides leisten können

  • Spitze, wie da die Geschlechterrollen bildlich in Stein gemeißelt werden. Wenn es doch gar nicht um geschlechtsspezifische Unterschiede geht in die Studie, ja, die Grundaussage ist, die Studierenden aller Studienrichtungen ticken ähnlich (also keine Unterschiede zwischen den in der Mehrzahl männlichen Studierenden der Ingenieurswissenschaften und den in der Mehrzahl weiblichen Studierenden der Geisteswissenschaften) warum gibt man den Clustern wie "Familien-Franzi" und "Karriere-Kai" geschlechtsspezifische Namen? Da wollte sich jemand etwas besonders Griffiges ausdenken, das ist mir schon klar. Für mich ist das aber eindeutig ein Griff ins.... Gestern.

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