Studie: Fast jeder zweite ausländische Student bricht Uni ab

Studie: Fast jeder zweite ausländische Student bricht Uni ab

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Chinesische Studenten, die an der TU Chemnitz studieren, bereiten sich auf ihre Seminare vor

Fast die Hälfte aller ausländischen Studenten, die ihr gesamtes Studium in Deutschland absolvieren wollen, brechen ihren Aufenthalt - und damit ihre Hochschullaufbahn vorzeitig ab. Sie fühlen sich laut einer Studie hilflos.

Die Elektrotechnik-Studentin aus Tansania wurde immer wieder von ihrem Professor mit Fragen gelöchert. „Und was meint unsere ausländische Kommilitonin dazu“, wollte er wissen. Statt an die Hand genommen fühlte sich die Studentin aus dem Ausland in die Enge getrieben. Ein Kameruner berichtet von einer „Ellbogen- Mentalität“ deutscher Studenten, wenn es um die Eintragung in Listen für Seminare geht.

Bei Bernhard Esser, Ausländerreferent bei der Katholischen Hochschulgemeinde Köln, sitzen viele ausländische Studenten häufig wie ein Häufchen Elend in der Sprechstunde. „Sie fühlen sich oft alleingelassen oder diskriminiert“, sagt Esser. Nach aktuellen Berechnungen des Hochschul-Informations-Systems (HIS) im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) bricht fast die Hälfte der ausländischen Studenten, die ihr gesamtes Studium in Deutschland absolvieren, den Aufenthalt vorzeitig ab. „Das ist eine desaströse Abbrecherquote“, sagt Ulrich Heublein vom HIS. „Dies gefährdet die Reputation Deutschlands im Ausland, denn diese Studenten sind Brückenbauer in einer globalisierten Welt.“

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Heublein kennt Afrikaner, die als Stolz der Dorfgemeinschaft zum Studieren nach Deutschland auszogen, hier scheiterten und sich kaum zurück trauten. Esser weiß zu berichten, dass sich viele Studenten aus Scham über das Scheitern erst einmal illegal in Deutschland durchschlagen. Und Marokkaner fühlten sich bei der Wohnungssuche diskriminiert, weil sie bisweilen für Terroristen gehalten würden. Rund 240.000 ausländische Studierende pauken derzeit an deutschen Unis. Die größte Gruppe bilden mit 25.000 die Chinesen - sie haben vor allem mit kulturellen Hürden zu kämpfen. „Zu Sprechstunden bei Professoren kommen sie nicht, da kein Professor in China Sprechzeiten anbietet, sondern die Studenten zu sich zitiert“, sagt Heublein. Sie lassen Anmeldungsfristen für Prüfungen verstreichen, weil sie nicht wissen, dass man sich selbst anmelden muss. Oder sie bekommen nicht mit, dass das Semester begonnen hat - weil sie niemand angerufen hat.

Reinhold Billstein vom DAAD verweist darauf, dass es für Studenten aus Entwicklungs- und Schwellenländern etwas völlig Neues ist, eigene Stundenpläne zu erstellen oder mitzudiskutieren. „In ihren Ländern herrscht eine andere Lernkultur, sie kommen häufig aus autoritären Systemen, wo man selbstständiges Lernen nicht kennt“, sagt Billstein. Sie fühlen sich verloren und ziehen sich zurück. Von den befragten 2000 ausländischen Studenten gaben 43 Prozent an, sich täglich mit Landsleuten zu unterhalten, nur 34 Prozent reden auch mit deutschen Studenten regelmäßig. Laut der Erhebung sprechen viele ausländische Studenten zum Ende ihres Aufenthalts schlechter deutsch als vorher. Als großes Problem wird die Ignoranz deutscher Studenten angegeben. „Allgemein gilt: Ausländische Studenten integrieren sich selbst zu wenig und sie werden nicht integriert“, sagt Heublein.

Er sieht bei heimischen Kommilitonen eine Bringschuld - der Kontakt hätte auch Vorteile: „Das was man dem Auslandsaufenthalt zuschreibt, könnte man so - zumindest bestimmte Elemente - auch zu Hause erfahren.“ Bis der Uni-Betrieb von den Studenten durchschaut ist, sind häufig einige Semester verstrichen - bei vielerorts erhobenen Gebühren von 500 Euro und hohen Lebenshaltungskosten ist jedes Semester weniger aber wichtig. Bildungsexperten halten Studienkollegs - die in Nordrhein-Westfalen gerade abgeschafft werden - für sinnvoll, um vor Beginn des Studiums Sprach- und Organisationshilfe zu geben.

Dass es auch anders geht, weiß Brigitte Perlick zu erzählen, die Leitern des Akademischen Auslandsamtes an der Uni Erlangen-Nürnberg. Dort werden Neulinge aus Asien, Afrika oder Amerika von Tutoren an die Hand genommen. „So werden Behördengänge und Organisatorisches gemeinsam erledigt, wie der Gang zur Ausländerbehörde, zur Bank oder zur Krankenkasse.“ Auch der Uni-Betrieb wird erklärt. Und es gibt interkulturelle Trainings. Die Abbrecherquote tendiere dadurch gegen null. Das Motto laute: „Tipps geben, wie der Deutsche tickt.“

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