
Wichtigster Grund dafür dürften die breiter gefächerten Berufsaussichten für Betriebswirte sein. Sie finden in fast allen Unternehmen ein Betätigungsfeld, vom Rechnungswesen über das Personalmanagement bis hin zum Marketing. Dagegen suchen Volkswirte vornehmlich in der Wissenschaft und bei den Banken einen Arbeitsplatz.
Die lange Zeit fest zementierte Mauer zwischen den beiden Wirtschaftsdisziplinen gerät jedoch mehr und mehr ins Wanken. Ein Grund dafür ist, dass die Schnittmenge der untersuchten Fragestellungen in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Die BWL hat sich aus dem engen Korsett einer vornehmlich betrieblich verwertbaren Wissensvermittlung gelöst und zu einer eigenständigen Wissenschaft mit Grundlagenforschung gemausert. Im Gefolge der -Globalisierung sind interna-tionale Zusammenhänge verstärkt ins Blickfeld der Betriebswirte geraten, was mit einer Hinwendung zu volkswirtschaftlichen Theorien einherging. So zwingt die Ausweitung grenzüberschreitender Wertschöpfungsketten die Betriebswirte immer stärker, auch globale Einflüsse wie Wechselkurs- und Konjunkturschwankungen in ihren Überlegungen zu berücksichtigen.
Analyseverfahren überbrücken Kluft
In der Volkswirtschaftslehre hat in den vergangenen Jahren die Mikroökonomie an Bedeutung gewonnen. Sie beschäftigt sich mit den Wirtschaftsbeziehungen einzelner Haushalte und Firmen und berührt somit Aspekte, die auch für die Betriebswirtschaft von Bedeutung sind.
Ein starker Katalysator für das Zusammenwachsen von Volks- und Betriebswirtschaft ist zudem das Vordringen mathematisch-statistischer Analyseverfahren. In der VWL hat die Quantifizierung wirtschaftlicher Zusammenhänge mithilfe ökonometrischer Methoden eine lange Tradition. Jetzt ist die Ökonometrie auch in der BWL auf dem Vormarsch, etwa bei der Analyse von Marktreaktionen auf die Aktivitäten eines Unternehmens.
Sinnvolle Kooperationen
Das inhaltliche und methodische Zusammenwachsen von VWL und BWL spiegelt sich in der zunehmenden Kooperation von Forschern beider Disziplinen wider. Das betrifft Bereiche von der Arbeitsmarktforschung über das Marketing bis zur Unternehmensfinanzierung. Gerade die Finanzkrise zeigt, wie sinnvoll solche Kooperationen sind. Denn ohne die Auswirkungen der geldpolitischen Maßnahmen der Notenbanken auf die Unternehmensfinanzierung lässt sich die Finanzkrise nicht verstehen.
Auch in den Köpfen der Studenten könnten die Mauern zwischen BWL und VWL bald fallen. Manche Unis haben die Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse dazu genutzt, BWL und VWL zu einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium zu integrieren. Zwar können die Studenten in den höheren Semestern entscheiden, ob sie den Schwerpunkt eher auf die VWL oder BWL legen. Doch Abschlusstitel wie „Master of Science in Money and Finance“ lassen kaum noch erkennen, ob sich dahinter eine betriebs- oder volkswirtschaftliche Ausbildung verbirgt.














- als Spam melden
- antworten
- als Spam melden
- antworten
- als Spam melden
- antworten
Alle Kommentare lesen31.07.2009, 16:41 UhrAnonymer Benutzer: horsti
abstrakte kompetenzen wie alles zum thema zwischenmenschliches sind zum leid der ingenieure weder berechenbar noch lassen sie sich so leicht vermitteln. gutes marketing mag in den augen derer als unnot erscheinen, doch ist es ihnen nicht möglich verständnis dafür aufzbringen, so wie es jedem betriebswirten schwindelig wird, sollte es all zu technisches gehen...
31.07.2009, 12:53 UhrAnonymer Benutzer: Meinungsbildner
Wenn Leute zu viel schwarz-weiß malen, ist dies nicht zielführend.
Man stelle sich eine Volkswirtschaft nur mit Technikern und Naturwissenschaftlern vor. Wir haben dann technisch hochstehende Produkte und super Fertigungsverfahren. Allerdings verkauft diese keiner, die Preisbildung erfolgt aufs Geratewohl und Amortisationtsrechnungen gibt es auch nicht mehr. Nein, Technik alleine macht es auch nicht, obwohl super wichtig. Zu den kaufmännischen Ausbildungen: Diese sind nicht geeignet, das große Ganze zu überblicken oder in dieser kompelxen Welt ein Unternehmen global zu führen.
Mein Credo: wir brauchen beides!
31.07.2009, 12:11 UhrAnonymer Benutzer: Peter Perlich
Schwarze Feder, sie stellen Naturwissenschaftler und Diplom-ingenieure für Marketingaufgaben, Personal, Rechnungswesen und Controlling ein?
ist das nicht ein wenig verschwenderisch oder wie der Volkswirt sagt: Fehlalloziiert?
Oder hatten Sie zuvor bWLer und Volkswirte zu technischen Projektleitern gemacht?
in diesem Fall sollten Sie vielleicht einen professionellen Personaler einstellen.