
Mit Volkswirten und Betriebswirten verhält es sich ein wenig wie mit Kölnern und Düsseldorfern. Jeder hält sich für etwas Besseres und rümpft über den anderen die Nase. Unter Studenten der Volkswirtschaftslehre (VWL) hält sich hartnäckig das Vorurteil, Betriebswirte seien angepasste, durchgestylte Jungdynamiker, denen es allein darum gehe, möglichst schnell viel Geld zu verdienen. Das intellektuelle Niveau ihres Studiums gleiche eher einer sophistizierten Buchhalterlehre als einer wissenschaftlichen Disziplin. Umgekehrt betrachten viele Betriebswirte ihre Kommilitonen aus der volkswirtschaftlichen Fakultät als selbstvergessene Weltverbesserer, die sich an hochmathematischen Modellen ohne Realitätsbezug ergötzen, statt sich über praxisnahe Fragen den Kopf zu zerbrechen.
BWL ist beliebter als VWL
Auch über das äußere Erscheinungsbild werden Vorurteile gepflegt. In den Vorlesungen der Betriebswirte dominiere ein prä-professionelles Outfit mit Sakko, Mantel und Aktenkoffer, heißt es unter Volkswirten. Dagegen glauben Betriebswirte, ihre Volkswirtschaftskommilitonen schon daran zu erkennen, dass sie im ausgebeulten T-Shirt gedankenverloren über die Flure schlurfen.
Tatsächlich hat jede der beiden Teildisziplinen ihre eigene Geschichte und zieht ganz unterschiedliche Charaktere an. Die Volkswirtschaftslehre mit ihren großen Denkern wie Adam Smith, John Maynard Keynes oder August von Hayek gilt seit jeher als Tummelfeld philosophisch angehauchter Idealisten. Die erst um 1900 herum von Eugen Schmalenbach als eigenständige Disziplin entwickelte Betriebswirtschaftslehre (BWL) stand dagegen lange im Ruf, mehr eine auf die Praxis ausgerichtete Ansammlung kaufmännischer Grundsätze und Entscheidungsregeln zu sein als eine veritable Wissenschaft.
In puncto Beliebtheit beim akademischen Nachwuchs hat die BWL jedoch die Nase vorn. Im Wintersemester 2007/08 meldeten sich rund 31.000 Studenten für ein BWL-Studium an deutschen Hochschulen an, im Bereich VWL waren es dagegen nur knapp 3.800.









