
Näher an der Praxis, internationaler und vor allem jünger sollten die Absolventen durch das zweistufige Studiensystem aus Bachelor und Master werden. So dachte sich das zumindest die Kultusministerkonferenz, als sie das Modell entwarf. Der Bachelor sollte zum „Regelabschluss“ werden, der „für die Mehrzahl der Studierenden zu einer ersten Berufseinmündung“ führen sollte. Nach sechs Semestern fit für den Arbeitsmarkt lautete die Losung.
Eine Studie des HIS-Instituts für Hochschulforschung belegt jetzt, dass dieses Ziel nicht erreicht wird. Fast dreiviertel aller Bachelorabsolventen hängen nämlich noch den Master dran. Die Studienzeit ist also in den meisten Fällen gar nicht kürzer als früher.
93 Prozent derjenigen, die den Master draufsatteln, wollen damit ihre Berufschancen verbessern. Und das obwohl sich führende Unternehmen, wie die Deutsche Bahn, BMW oder BASF 2004 mit einer Erklärung namens „Bachelor Welcome“ dazu verpflichteten, den Absolventen „attraktive Einstiegschancen“ zu bieten und aktiv für die neuen Studiengänge zu werben.
Bild: dpa/dpawebIngenieurwissenschaften
In dieser Fächergruppe fiel der Rückgang besonders stark aus: Noch knapp 106.300 junge Menschen begannen dieses Studium. Das sind 8,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Vor allem die Zahl der männlichen Studienanfänger sank, während die Anzahl der Frauen stieg. Ursache ist nach Angaben der Statistiker die Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011, die damals zu einem deutlichen Anstieg der männlichen Erstimmatrikulierten geführt hatte.
Bild: dapdPlatz 1
Es muss nicht immer das oberste Gericht sein wie die Richter vom Bundesverfassungsgericht (Bild). Für 185.856 Studienanfänger, die voriges Semester 2011/2012, das Studium der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften angefangen haben, gibt es an deutschen Gerichten auch nicht genügend Arbeitsplätze. Die Politologen, Volkswirte und Juristen, die jedes Jahr zu Tausenden die Universitäten verlassen, finden ausreichend Betätigungsfelder in Politik, Wirtschaft und Medien.
Bild: dpa/dpawebMathematik und Naturwissenschaft
Auch in dieser Fächergruppe sank 2012 die Anzahl der Erstimmatrikulierten im Vergleich zum Vorjahr um 7,2 Prozent. Insgesamt schrieben sich 84.600 Anfänger für das Studium ein.
Bild: dpaSprach-und Kulturwissenschaften
82.600 Personen nahmen 2012 ein Studium aus der Fächergruppe der Sprach- und Kulturwissenschaften auf. Damit ist auch hier ein Rückgang um 5,1 Prozent zu verzeichnen.
Bild: dpaRechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Für ein Studium dieser Fächergruppe entschieden sich 163.500 Studierende. Mit 2,9 Prozent ist lediglich ein kleiner Rückgang zu verzeichnen.
Bild: dpaHumanmedizin und Gesundheitswissenschaften
Als einzige Fächergruppe kann der Bereich Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften ein Plus verzeichnen und dann direkt - mit 7,9 Prozent - ein großes. 24.100 Studienanfänger gab es in diesem Bereich im vergangenen Jahr.
Ingenieurwissenschaften
In dieser Fächergruppe fiel der Rückgang besonders stark aus: Noch knapp 106.300 junge Menschen begannen dieses Studium. Das sind 8,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Vor allem die Zahl der männlichen Studienanfänger sank, während die Anzahl der Frauen stieg. Ursache ist nach Angaben der Statistiker die Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011, die damals zu einem deutlichen Anstieg der männlichen Erstimmatrikulierten geführt hatte.
Der Bachelor bleibt unbeliebt
Die Realität sieht bislang anscheinend anders aus, woher sonst sollte die Angst der Absolventen kommen, dass ein Bachelor nicht ausreicht. Eine Ansicht, die auch BWL-Professor Christian Scholz von der Universität des Saarlandes teilt. Bachelor blieben weiterhin unbeliebt, weil sie nicht die gleiche Qualifikation hätten wie einst die Diplomanden. Unternehmen würden nicht zwischen den verschiedenen Studienabschlüssen unterscheiden. „Für Unternehmen gibt es ganz einfach Akademiker – und im Zweifelsfall nimmt man die mit den besten Qualifikationen, also solche mit einem Diplom oder zumindest einem Master“, schreibt Scholz.
Das bedeutet: Je mehr Masterabsolventen auf den Arbeitsmarkt drängen, desto weniger Chancen haben die verbleibenden Bachelors.
Doch nicht nur die Berufschancen verführen die Bachelor-Absolventen dazu, weitere Jahre an der Hochschule zu bleiben. 88 Prozent geben an sich persönlich weiterbilden zu wollen, 87 Prozent wollen ihren fachlichen Neigungen besser nachkommen.
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