Studium: Diskussion über Verbesserungen beim Bachelor

Studium: Diskussion über Verbesserungen beim Bachelor

Bild vergrößern

Ludwig Spaenle

von Ulrich W. Hanke

Nach dem Bildungsstreik im Juni versprach die Kultusministerkonferenz (KMK) Schülern und Studenten, bei Bachelor- und Masterstudiengängen mögliche Nachbesserungen zu prüfen. In Waren an der Müritz stehen am Mittwoch und Donnerstag diese deshalb im Mittelpunkt der Diskussion der KMK. Die WirtschaftsWoche sprach mit Bayerns Kultusminister, dem Ersten Vizepräsident der KMK, Ludwig Spaenle, über das Bachelor- und Masterstudium.

Herr Spaenle, zu schulisch, zu viel Stoff, zu starr: Bachelor- und Masterstudiengänge haben viele Widersacher und diese ihre Argumente. Welches Ziel haben sich die Kultusminister für ihr Treffen vorgenommen?

Wir haben mit den Bachelor- und Masterstudiengängen die ersten Erfahrungen gesammelt. Es ist sinnvoll, diese auszuwerten und den Prozess auf dieser Basis entsprechend fortzuschreiben. Mögliche Kritikpunkte werden sicher dabei aufgegriffen, ohne mögliche Verbesserungen in der Lehre aufs Spiel zu setzen. Entsprechend haben wir uns die Thematik für die Beratungen im Oktober vorgenommen.

Anzeige

Wie könnte die neue Gestaltung konkret aussehen?

Wir müssen bei einer Fortschreibung der Bachelor- und Masterstudiengänge darauf achten, dass sie von den inhaltlichen Anforderungen her nicht überfrachtet werden und dass Studierende - mit Blick auf die spätere eigenverantwortliche Tätigkeit - auch die nötigen Wahl- und Profilierungsmöglichkeiten nutzen können. Wir sollten zum Beispiel alle Wege beschreiten, um den Studierenden noch mehr Möglichkeiten zu geben, während des Studiums den Hochschulort zu wechseln und die Studienleistungen überall gleichberechtigt einbringen zu können.

Wäre ein Vorbereitungssemester, ein sogenanntes Propädeutikum, wie Kritiker fordern, eine Lösung, um die Fülle des Stoffs im Bachelorstudium besser zu bewältigen?

Ein Vorbereitungssemester scheint mir mit Blick auf die Chancen der Studierenden auf dem Arbeitsmarkt nicht sinnvoll. Bei einem Vorbereitungssemester würden unsere Studierenden eine noch längere Zeit in den Hörsälen verbringen und entsprechend älter sein, wenn sie sich um einen Arbeitsplatz bewerben. Im übrigen hätten wir in diesem Fall nicht die Schulzeit am Gymnasium um ein Jahr kürzen müssen.

Sind die neuen Studienformen nicht zu schulisch organisiert?

In der Tat, viele Studierende und Dozenten beklagen, dass das Studium sehr stark vorstrukturiert ist und schulisch anmutet. Hier sollten wir gemeinsam Wege finden, um den einzelnen Hochschulen mehr Möglichkeiten zur Profilierung und den Studierenden mehr Wahlmöglichkeiten einzuräumen. Die Modularisierung sollte großzügiger werden, die Module umfassender und nicht zu kleinteilig.

Eignen sich Bachelor und Master überhaupt für alle Studiengänge?

In fast allen Studienfächern haben sich an den Hochschulen in Deutschland Bachelor und Master als leistungsfähige Abschlüsse mit entsprechenden Studiengängen erwiesen. Allerdings setzen einzelne Länder wie auch wir in Bayern ganz bewusst bei der Ausbildung von jungen Menschen für ganz bestimmte Berufe auf das Staatsexamen, zum Beispiel bei Lehrern, Juristen und Ärzten.

Warum?

Staatsexamina sind etwa im Lehrerberuf eine optimale Ausbildung, die wir nicht aufgegeben möchten.

Haben die Absolventen, die lediglich einen Bachelorabschluss in der Tasche haben, eine Chance am Arbeitsmarkt?

Die Chancen der Absolventen der Bachelorstudiengänge hängen ebenso wie die der früheren Magister- und Diplom-Studiengänge sowie Staatsexamina stark von den einzelnen Fachrichtungen und deren Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt ab. Naturwissenschaftler und Techniker werden gegenwärtig mehr nachgefragt als Geisteswissenschaftler. Generell darf man feststellen, dass der Bachelor und der Master bei den Arbeitgebern angekommen sind.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%