Uni-Ranking: Reiner Etikettenschwindel

KommentarUni-Ranking: Reiner Etikettenschwindel

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Universitaet in Heidelberg

Die Elite-Unis erleben im Uni-Ranking ein Desaster – außer der RWTH Aachen ist kaum eine bei Personalern beliebt. Von der Exzellenzinitiative haben die Studenten in Freiburg, Göttingen oder Berlin offenbar wenig.

Erinnern Sie sich noch an das Unwort des Jahres 2006? Es lautete: freiwillige Ausreise. Der Ausdruck sei eines der zahlreichen Unwörter, die im Zusammenhang mit der Behandlung von Asylbewerbern verwendet werden, befand die zuständige Gesellschaft für deutsche Sprache. Ein anderes Wort hätte die zweifelhafte Auszeichnung ebenfalls verdient gehabt: Elite-Uni.

Als die TH Karlsruhe sowie die TU und die LMU München diesen Titel verliehen bekamen, war der Aufschrei groß; kein bildungspolitisches Thema bewegte die Öffentlichkeit in solchem Maß. Die einen bemängelten die Auswahlkriterien, die anderen befürchteten, dass nur einige wenige gefördert werden, während die meisten Unis auf der Strecke bleiben. Die einen kritisierten, dass zu viel Geld ausgeschüttet werde, den anderen war es noch nicht genug.

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Seitdem wurden sechs weitere deutsche Hochschulen zu Elite-Unis gekürt, der Etat der Exzellenzinitiative beträgt inzwischen 1,9 Milliarden Euro. Zugegeben – damit sollte vor allem die Forschung der Hochschulen gestärkt werden. Aber eine Frage ist seitdem nie beantwortet worden: Was haben die Studenten davon, auf eine vermeintliche Elite-Uni zu gehen?

Das Ranking der WirtschaftsWoche liefert die Antwort: wenig.

Belange der Studenten wurden missachtet

Von den Elite-Unis erfüllt die Erwartungen nur die RWTH Aachen. Sie landet in fünf Kategorien auf dem ersten Platz. Die anderen Elite-Unis? Erleiden Schiffbruch. Für Göttingen reicht es in den Bereichen Jura, Naturwissenschaften und Volkswirtschaftslehre gerade noch für eine Platzierung unter den besten zehn. Die Uni Heidelberg schafft es in Jura zwar auf den sechsten Platz – allerdings lag sie hier im vergangenen Jahr noch auf Platz eins.Konstanz landet im Bereich VWL auf Platz 15, bei anderen Kategorien auf Platz 22 (Jura), 29 (Informatik) oder 33 (BWL). Nicht besser ergeht es der Uni Freiburg. Bestes Ergebnis im Uni-Ranking: ein achter Platz in Rechtswissenschaften – fünf Plätze hinter der Platzierung im Jahr 2008. Die größte Enttäuschung jedoch erlebt die FU Berlin: Sie schafft sie es in keinem Fach unter die besten 15.

Die Rektoren der Elite-Unis mussten einiges unternehmen, um die Auszeichnung zu erhalten. Sie reichten Anträge ein und stellten die besten Konzepte vor. Die Themen reichten von interdisziplinärem Forschen über Clusterbildung bis hin zu Nachwuchs- und Frauenförderung.

Bei allen Mühen haben die Rektoren dabei offenbar die Belange der Studenten außer Acht gelassen. Nur wenige von ihnen wollen nach dem Abschluss eine wissenschaftliche Karriere an der Hochschule starten, die meisten wollen in die Wirtschaft. Doch dort zählen nun mal andere Kriterien: Persönlichkeit, Praxiserfahrung oder Studiendauer. Für einen Gutteil dieser Einstellungskriterien sind auch die Hochschulen zuständig.

Wie es geht, zeigen die Gewinner des Rankings: die RWTH Aachen, die TU Darmstadt oder auch die TU Dresden. Ihnen ist die Balance zwischen Forschung und Lehre gelungen. Sie kooperieren in zahlreichen Projekten mit Unternehmen, von denen die Studenten profitieren. Und sie kümmern sich intensiv darum, die Abbrecherquoten zu senken. Konsequenz: Wirklich exzellente Absolventen gelangen auf den Arbeitsmarkt.

Keine Frage: Für eine Hochschule ist es wichtig, dass ihre Professoren in der Forschung Top-Leistungen abrufen; dass die Bibliotheken die neuesten Bücher enthalten, in den Laboren die besten Mikroskope stehen. Davon können sich Studenten nach dem Abschluss – buchstäblich – nichts kaufen. Doch daran müssen sich Universitäten ebenfalls messen lassen: was die Studenten von einem Abschluss haben. Erst recht, wenn die Hochschulen sich zur Elite zählen. Wenn das nicht gelingt, dann ist der Titel „Elite-Uni“ reiner Etikettenschwindel.

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