Universitäten: Die Deutschen wollen Doktor werden

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Universitäten: Die Deutschen wollen Doktor werden

Die Lust zum Promovieren steigt mit dem allgemeinen Trend der Akademisierung. Aber ein immer geringerer Teil der Doktoren will auch Professor werden. Außerhalb der Unis lockt unter anderem mehr Geld.

Die Promotionsquote in Deutschland bleibt auf einem hohen Niveau, wie der Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2013 zeigt. 19 Prozent eines Jahrgangs, die zur Promotion berechtigt sind, erarbeiten sich diesen Abschluss. In Zahlen sind das jährlich rund 25.000 abgeschlossene Promotionen. "Deutschland liegt im Verhältnis zu den Einwohnern damit an der Spitze", sagt Anke Burkhardt, eine der Autorinnen, vom Institut für Hochschulforschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (HOF) bei der Vorstellung des Berichts beim Ausschuss für Bildung und Forschung des Bundestages.

Die jüngsten in den Bericht eingeflossenen Zahlen stammen allerdings von 2010. Ein Einfluss der zahlreichen Plagiatsskandale der letzten Jahre bildet sich deswegen allein schon aus zeitlichen Gründen nicht ab. Die meisten Promovenden allerdings promovierten nicht aus Karrierezwecken, sondern aus Interesse am wissenschaftlichen Thema, wie Burkhardt sagt.

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Die Deutschen promovieren wie nie zuvor. Der eigentliche Zweck des Doktor-Titels ist dabei völlig ins Hintertreffen geraten.

Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Das normale Hochschulstudium werde in Deutschland etwa mit 28 Jahren abgeschlossen, den Master erhielten die Absolventen mit 30 Jahren. Am Ende der Promotion seien die meisten bereits 33 Jahre alt. Der Anteil der Frauen bei den Promotionen liege mittlerweile bei 44 Prozent mit steigender Tendenz, so Burkhardt. Insgesamt erreicht laut Schätzungen im Bericht nur etwa ein Drittel derjenigen, die nach der Promotion prinzipiell die Qualifikation für eine Professur erworben haben, später eine universitäre Professur oder eine entsprechende Position in einer außeruniversitären Forschungseinrichtung. Daher seien verstärkt Anstrengungen notwendig, um in der späten Post-doc-Phase einen strukturierten Ausstieg und damit eine planbare Karriereperspektive auch in Bereiche außerhalb der Wissenschaft zu ermöglichen.

Ganz anders sieht es bei den Habilitationen aus. Die Lust zum Habilitieren ist offenbar rückläufig in Deutschland. Im Jahr 2010 wurden lediglich rund 1750 Habilitationen registriert. 2002 waren es noch knapp 2400. Inzwischen erfolge jede zweite Habilitation im medizinischen Bereich. Nach dem Abschluss einer Habilitation würden etwa die Hälfte der Promovenden den Wissenschaftsbetrieb ganz verlassen.

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"Im Laufe der Jahre bis zur Habilitation findet Schritt für Schritt eine Selektion statt", sagte Ulrich Teichler. Man könne also nicht von einem "Bottleneck" sprechen, also einem Flaschenhals zur Professur, wie oft behauptet werde. Im Bericht wird die hohe Abwanderung vor und nach der Promotion auch damit begründet, dass viele Wissenschaftler nur befristet tätig sind und schlechter verdienen als in der freien Wirtschaft. Etwa ein Zehntel der Promovierten, vor allem Absolventen der MINT-Fächer, sind in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Industrie tätig.

Die Zahl der Juniorprofessoren hat sich stetig erhöht. Sie lag 2010 bei 1230. "Dennoch haben sich die Erwartungen nicht erfüllt, da man von 6000 Juniorprofessoren ausgegangen ist", sagt Burkhardt. Das Durchschnittsalter zum Zeitpunkt der Neuberufung auf eine Juniorprofessur lag 2010 bei 35 Jahren, bei einer Habilitation hingegen bei 40,6 Jahren.

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