Unterrichtsqualität: Inklusion macht Schulen besser

ThemaBildung

Unterrichtsqualität: Inklusion macht Schulen besser

Bild vergrößern

Eltern mit Inklusionserfahrung bewerten die Schule positiver.

Inklusion hat keinen guten Ruf: Es fehlt an Sonderpädagogen und viele fürchten, dass behinderte Kinder andere beim Lernen bremsen. Die Einstellung ändert sich, sobald eigene Kinder in Inklusionsklassen gehen.

Im vergangenen Jahr sollte der damals elfjährige Henri, ein Junge mit Down-Syndrom, mit seinen Freunden von der Grundschule auf das Gymnasium wechseln. Seinen Eltern war klar, dass er niemals das Abitur ablegen würde, ihnen ging es darum, dass er weiter gemeinsam mit seinen Freunden zur Schule gehen könne. Doch Lehrer und Schulleitung des Gymnasiums in seinem Wohnort Walldorf im Rhein-Neckar-Kreis lehnten ab. Genauso wie andere Eltern. Henri könne doch auf eine Sonder- oder Hauptschule gehen, hieß es.

2009 hatte sich Deutschland mit der Ratifizierung einer UN-Konvention verpflichtet, Schüler mit und ohne Handicap gemeinsam zu unterrichten. Im Schuljahr 2013/2014 besuchten rund 30 Prozent der knapp 500.000 Förderschüler in Deutschland eine Regelschule. Vor sieben Jahren lag der Inklusionsanteil noch unter 20 Prozent. Immer wieder taucht das Thema Inklusion in den Schlagzeilen auf. Und selten wegen besonders gut gelungener Beispiele. Meist ist der Tenor der, dass Kinder mit einer Behinderung ihre Klassenkameraden nur vom Lernen abhalten würden. Hinzu kommt, dass es an vielen Schulen am Budget für zusätzliche Sonderpädagogen mangelt, beziehungsweise es einfach nicht genug Sonderpädagogen gibt. Nun hat die Bertelsmann-Stiftung deutschlandweit repräsentativ über 4300 Eltern von schulpflichtigen Kindern nach ihrer Meinung zum gemeinsamen Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung befragt. Und das Ergebnis ist angesichts der Diskussionen überraschend:

Anzeige

Schulen, in denen Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam unterrichtet werden, schneiden aus Sicht der Eltern besser ab als solche, in denen dies nicht der Fall ist. In Schulen mit sogenannter Inklusion sind demnach 68 Prozent der befragten Eltern mit der individuelle Förderung ihrer Kinder zufrieden. Bei Eltern, deren Kinder auf eine nicht-inklusive Schule gehen, liegt dieser Wert 10 Prozentpunkte niedriger. Auch Lehrer an inklusiven Schulen bekommen bessere Bewertungen. Sie gelten als kompetent (89 zu 82 Prozent), können gut erklären (86 zu 77), fördern die Stärken der Schüler (72 zu 60 Prozent) und arbeiten an den Schwächen (69 zu 53). Gut ein Drittel der deutschlandweit befragten Eltern gab an, dass ihr Kind auf eine inklusive Schule geht.

Weitere Artikel

Fazit der Studienmacher: Eigenes Erleben verringert Skepsis. „Konkrete Erfahrung überzeugt Eltern von Inklusion. Ein schrittweiser Ausbau von inklusiven Schulen ist deswegen sinnvoll. Voraussetzung dafür ist, mehr Lehrer zum inklusiven Unterrichten fortzubilden“, erläuterte Jörg Dräger vom Vorstand der Stiftung.

Ausdrücklich unterscheidet die Studie zwischen konkreten Erfahrungen mit der Inklusion in Schulen und allgemeinen Einstellungen. Zwar stufen 70 Prozent der Befragten gemischtes Lernen als gesellschaftlich wichtig ein. 60 Prozent allerdings glauben, dass Kinder mit Handicap auf Sonderschulen besser gefördert werden. Gut die Hälfte meint, dass Kinder ohne Förderbedarf auf inklusiven Schulen fachlich gebremst werden.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%