Unterrichtsqualität: Lehrer müssen mehr voneinander lernen

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Unterrichtsqualität: Lehrer müssen mehr voneinander lernen

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Vom Einzelkämpfer zum Teamplayer? Wie Lehrer in Deutschland zusammenarbeiten.

Der Lehrer als Einzelkämpfer, Unterricht als geschlossene Veranstaltung? Das gibt es an vielen Schulen schon lange nicht mehr. Trotzdem hapert es noch bei der Zusammenarbeit der Pädagogen. Die wäre aber nötig.

Abkupfern erlaubt: Für Lehrer wie Martin Hölzel ist das eine Selbstverständlichkeit - solange es nur im Kollegenkreis passiert. Als Projektleiter eines Pädagogenteams am Gymnasium Olching bei München wurde der 43-Jährige kürzlich mit dem „Deutschen Lehrerpreis“ geehrt. Er praktiziert seit Jahren, was in diesem Beruf noch längst nicht normal ist: den neugierigen Blick über den Tellerrand, gegenseitige Inspiration, kreative Kooperation im Schulalltag.

Hölzel und seine Kollegen haben verstanden, dass Teamwork im Einzelkämpfer-Job des Lehrers den Unterricht meist verbessert, unnötige Arbeit erspart - und vor allem „einen Riesenspaß“ macht. „Unsere Ausbildung ist ja darauf ausgerichtet, dass wir lernen, allein vor der Klasse zu bestehen. Und das ist auch notwendig“, sagt der Bayer. „Aber wenn man etwas Großes machen will, dann ist es besser, als Team aufzutreten.“

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In Olching kämen zwei Dinge zusammen, um Vorzeigeprojekte wie die Themenreihe „My Science“ zu stemmen: „Dass niemand unter Zwang dabei ist. Und dass wir von der Schulleitung einen geschützten Raum dafür bekommen.“

Zusammenarbeit und Feedback sind selten

Trotz wachsender Offenheit für Teamarbeit blicken Deutschlands Lehrer in ihrem Schulalltag noch zu wenig über den Tellerrand, um sich bei Kollegen etwas abzuschauen. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten repräsentativen Studie zur Lehrerkooperation hervor. Bei den 1015 befragten Lehrern der Sekundarstufe 1 waren demnach gemeinschaftlicher Unterricht (23 Prozent) oder Hospitationen in Kollegen-Klassen (9 Prozent) kaum verbreitet. Mehr als der Austausch der Übungsaufgaben oder der Fragen für den nächsten Mathetest findet nicht statt.

Lehrer des Gymnasiums Olching Quelle: dpa

Lehrer Martin Hölle (3.v.l) und seine Kollegen bekamen für ihr Projekt «My Science» den ersten Preis für ihren innovativen Unterricht.

Bild: dpa

An Gymnasien sei die Kooperationskultur teilweise deutlich schwächer entwickelt als in anderen Schulformen, lautet einer der Befunde des Reports. Recht gut sieht es hingegen in Schulen mit Inklusion sowie in verpflichtenden Ganztagsschulen aus.

Von ihren durchschnittlich 42,8 Wochenarbeitsstunden verwenden Lehrer fünf auf Kooperationen - mit Kollegen, anderen Pädagogen, Eltern oder Institutionen. Gleichwohl finden fast alle befragten Lehrer (97 Prozent) Austausch und Zusammenarbeit wichtig, für neun von zehn (87 Prozent) lohnt sich der Zusatzaufwand.

Doch ein Großteil der Lehrkräfte in Deutschland „erhält keine oder nur sehr wenige Einblicke in den Unterricht anderer Kollegen“, heißt es in der Studie der Stiftungen Mercator, Bertelsmann, Robert Bosch und Deutsche Telekom. Kritisch-konstruktive Rückmeldungen und Feedback innerhalb der Kollegien seien hierzulande noch unterentwickelt, stellten die Autoren, die Bildungsforscher Dirk Richter (Bergische Universität Wuppertal) und Hans Anand Pant (Humboldt-Universität Berlin), fest.

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