Urteil in Österreich : Schadenersatz wegen überfüllter Uni

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Urteil in Österreich : Schadenersatz wegen überfüllter Uni

Weil er sein Studium wegen überfüllter Hörsäle nicht zeitig abschließen konnte, klagte ein Medizin-Student in Österreich auf Schadenersatz. Jetzt muss die Uni zahlen.

Überfüllte Hörsäle und lange Wartelisten sind an deutschen Unis Alltag. Gerade Studenten beliebter Fachrichtungen wie BWL oder Medizin fahren ihre Ansprüche, was Zulassungen oder gar Sitzplätze angeht, herunter. Ganz anders die Österreicher: Dort hat ein Medizin-Student auf Schadenersatz geklagt, weil er sein Studium wegen fehlender Plätze in Lehrveranstaltungen verlängern musste. Und er bekam Recht.

Die beliebtesten Abschlüsse

  • Bachelor-Studenten

    Auch wenn die Bachelor-Abschlüsse in Deutschland eingeführt wurden, um der Wirtschaft besser spezialisierte Arbeitskräfte zuzuführen - als High Potentials gelten die Bachelor-Studenten nicht. Zumindest nicht bei den Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

  • Promotion

    Erstaunlicherweise sind auch die Uniabgänger mit Doktortitel nicht Arbeitgebers Darling. Ähnlich wie die Bachelor-Studenten rangieren Promovierte eher unter ferner liefen, wenn es um die Suche nach High Potentials geht.

  • Master

    Der Master-Abschluss ist besonders in Österreich beliebt. In der Schweiz gelten auch Fachhochschulabsolventen mit Master-Qualifikation als begehrte High Potentials.

  • Diplom

    In Deutschland ist das Diplom immer noch der am meisten angesehene Abschluss - Bologna-Reform hin oder her. 99 Prozent der befragten deutschen Chefs suchen Uniabsolventen mit Diplom.

Alles begann im Wintersemester 2005/ 06: Der Student an der Universität in Graz konnte an einer mit 264 Plätzen begrenzten Pflicht-Lehrveranstaltung aus Platzmangel nicht teilnehmen. Da weder Parallel- noch zusätzliche Lehrveranstaltungen angeboten wurden, konnte er auch weiterführende Module nicht absolvieren. Die Folgen: ein verzögertes Studium, längere Lebenshaltungskosten und zusätzliche Studiengebühren. Zudem konnte der Mediziner erst später in seinen Beruf einsteigen und Geld verdienen. Der Mann klagte auf Schadenersatz und bekam diesen nun vom Obersten Gerichtshof (OGH) zugesprochen.

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Tipps für die Studienplatzsuche in letzter Minute

  • Studienplatzbörse

    Auf www.freie-studienplaetze.de informiert die Stiftung für Hochschulzulassung über Hochschulen, in denen es wenige Wochen vor Semesterbeginn noch freie Studienplätze gibt.

  • Nachrückprogramme

    Manche Hochschulen bieten – wenn in einem Jahr zu wenig Anmeldungen eingegangen sind – Nachrück-Programme an. Dafür müssen Sie sich ganz normal bewerben und oft auch einen Eignungstest bestehen. Aber die Aussichten sind gut.

  • Duales Studium

    Wenn das Studium für Sie ohnehin nur ein schneller Weg in den Beruf in der Wirtschaft sein soll, könnte ein duales Studium mit fest integrierten Praxisblöcken eine Alternative sein. Dazu brauchen Sie in der Regel nur den Platz beim Ausbildungsbetrieb, der Studienplatz ist dann gesichert. Es gibt Unternehmen, die auch in den letzten Wochen noch Bewerber als duale Studenten nehmen.

  • Ausland

    Ein Studium im Ausland kann eine Option sein, denn in einigen Ländern sind deutsche Studenten auch noch kurz vor Semesterbeginn willkommen. Möglicherweise höhere Kosten und natürlich die die Sprachbarriere müssen Sie in Kauf nehmen.

Denn im Gegensatz zu den Vorinstanzen, die das Begehren abgewiesen hatten, sieht der OGH Österreich in der Pflicht. Das Land sei als Rechtsträger der Universitäten dazu verpflichtet gewesen, „den Universitäten jene Mittel zur Verfügung zu stellen, die sie benötigen, um ihre gesetzlichen Verpflichtungen zu erfüllen“, heißt es laut österreichischen Medien in der Urteilsbegründung. Dem Arzt müssen demnach alle "Vermögensnachteile" ersetzt werden, die ihm durch die Studienverzögerung entstanden sind.

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 Die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) sieht in dem Urteil einen „Wendepunkt“ in der Hochschuldebatte. „Jetzt ist endlich klar: Universitäten können dafür haftbar gemacht werden, wenn Studierende aufgrund von Lehrveranstaltungsmangel nicht in der vorgesehenen Zeit studieren können“, sagte ÖH-Chef Martin Schott dem Online-Magazin „nachrichten.at“ zufolge. Im Wissenschaftsministerium hieß es, „dass so ein Fall heute nicht mehr denkbar ist“. Die Rechtslage habe sich seit dem Anlassfall entscheidend geändert. Im Gegensatz zu damals gebe es nun Aufnahmeverfahren für ein Medizin-Studium. Anders als in Deutschland waren Zulassungsbeschränkungen für Studiengänge in Österreich lange nicht üblich. Gerade Fächer wie Medizin waren deshalb regelmäßig überlaufen. Erst seit 2006 gibt es Aufnahmetests für Abiturienten mit dem Studienwunsch Medizin. Die ÖH rechnet dennoch mit zahlreichen weiteren Klagen von Studierenden.

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