US-Eliteuniversität: Dekan soll Image der Harvard Business School retten

US-Eliteuniversität: Dekan soll Image der Harvard Business School retten

von Daniel Rettig

Nitin Nohria ist seit Juli neuer Dekan der Business School. Der gebürtige Inder muss vor allem das Image der Schule retten.

Es ist durchaus üblich, dass amerikanische Hochschulen von ehemaligen Studenten reich beschenkt werden. Manchmal zeigen sich auch wohlhabende Geschäftsleute gönnerhaft, die in der Nähe leben oder arbeiten. Dass die Universitäten jedoch Geld von Menschen erhalten, die weder dort studiert haben noch dort wohnen, kommt selten vor. Insofern konnte Nitin Nohria vor einigen Wochen seinen ersten Erfolg verbuchen.

Anfang Oktober vermeldete die Harvard Business School (HBS), dass der indische Industrielle Ratan Tata der Uni 50 Millionen Dollar vermacht – eine der größten Spenden, die die Hochschule jemals bekommen hat. Das ist umso erstaunlicher, da Tata seinen Abschluss nicht in Harvard absolvierte.

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Vielmehr dürfte bei dem Geschenk die Herkunft des neuen Dekans die größere Rolle gespielt haben: Nohria ist gebürtiger Inder. Seine Berufung ist bemerkenswert – gleich in vielerlei Hinsicht.

Mit 48 Jahren ist er nicht nur der jüngste Dekan in der 102-jährigen Geschichte der Harvard Business School. Er ist auch der erste, der nicht in Amerika zur Welt kam und keine weiße Hautfarbe hat.

Geboren wurde Nohria in der Kleinstadt Nohar im Norden Indiens, seine Kindheit verbrachte er in den Millionenstädten Bombay, Kalkutta und Neu-Delhi. Der Grund für die häufigen Umzüge: Sein Vater machte als Manager in indischen Konzernen Karriere.

Schon als Kind begleitete Nohria ihn auf zahlreichen Geschäftsreisen ins indische Hinterland. Dort erfuhr er hautnah, welchen Einfluss ein Unternehmen auf das Dorfleben haben kann: „Zuerst hatten die Menschen nichts, dann wurden Fabriken gebaut, und Arbeitsplätze entstanden“, erinnert er sich. „Einige Jahre später war dort eine pulsierende Stadt entstanden.“ Diese Eindrücke prägten Nohrias Interesse für Ökonomie im Allgemeinen und Management im Besonderen.

Ein Besuch entschied alles

Zwar machte er seinen Abschluss 1984 in Mumbai zunächst in Chemieingenieurwesen. Doch dann wechselte er für die Promotion an die Sloan School of Management des Massachusetts Institute of Technology. Dort entdeckte er die Gebiete Organisationsverhalten und Führung.

Vier Jahre später musste er eine folgenreiche Entscheidung treffen: Nohria hatte Stellenangebote zahlreicher Business Schools, am Ende blieben noch Stanford und Harvard in der engeren Auswahl. Ein einziger Besuch entschied alles: „Ich habe mich gleich beim ersten Mal in Harvard verliebt“, sagt er. Seitdem ist er seiner Liebe treu geblieben.

In den folgenden Jahrzehnten machte sich Nohria vor allem als Buchautor und Management-Vordenker einen Namen. Er hat mehrere Dutzend Aufsätze und 16 Bücher veröffentlicht. In „Driven“, einem Bestseller, legte er etwa dar, dass jede unserer Handlungen auf einem von vier Grundbedürfnissen basiert: Wir wollen besitzen, uns binden, verstehen und verteidigen.

Von diesem Wissen kann Nohria nun auch in seinem neuen Amt profitieren. Sein Vorgänger Jay Light, der nach fünf Jahren Amtszeit in den Ruhestand geht, verließ die HBS in einer der heikelsten Phasen ihrer Geschichte: Die Schule hat unter der Wirtschaftskrise gleich doppelt gelitten – sowohl die Finanzen als auch das Ansehen sind enorm gesunken.

Zwar verfügt die gesamte Universität immer noch über einen Kapitalstock von rund 27 Milliarden Dollar – eine für deutsche Hochschulverhältnisse völlig utopische Summe. Allerdings verlor sie in der Krise auch ein Drittel ihrer bisherigen Geldmittel.

Viel fataler ist jedoch: Der einst hell schimmernde Harvard-Lack hat tiefe Kratzer abbekommen. Viele ehemalige Eleven haben zur globalen Krise beigetragen, allein an der Wall Street besitzen zahlreiche Manager einen MBA von Harvard – darunter Jamie Dimon, CEO von Morgan Chase, oder John Thain, ehemaliger Chef von Merrill Lynch. Das unrühmlichste Beispiel aber bleibt Jeffrey Skilling. Der frühere CEO von Enron ist inzwischen wegen Bilanzbetrug zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das sind zwar nur drei Beispiele, im Vergleich zu insgesamt knapp 42 000 lebenden MBA-Absolventen Harvards. Doch sie reichen aus, um die teure Ausbildung in ein schlechtes Licht zu rücken. Das wussten auch die Mitglieder des Aufsichtsgremiums der HBS, als sie Nohria nun zum neuen Dekan ernannten.

Man darf seine Berufung durchaus als Zeichen verstehen: Ein Signal dafür, dass die HBS verstanden hat, dass sie sich grundlegend ändern muss, wenn sie ihre Vorreiterrolle in den kommenden Jahren nicht verlieren will. Auf Nohrias Programm stehen deshalb weniger Angeberei und Heuchelei, dafür mehr Bescheidenheit und Werteorientierung.

In dieses Schema passt auch er selbst gut hinein: „Ich bin 1,67 Meter klein und glatzköpfig. Wer mich kennenlernt, denkt sicher nicht zuerst an das Wort Charisma“, sagt er mit einem Lächeln. Der Schuss Selbstironie hätte Harvard sicher vorher schon gut gestanden.

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