Verdienst: Der Ghostwriter-Report

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Verdienst: Der Ghostwriter-Report

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Die meisten Studenten fliegen nie auf.

Quelle:Zeit Online

Sie machen einen Millionen-Umsatz am Betrug von Studenten: Unser Autor recherchierte ein Jahr, wie Guttenberg und das Netz die Schattenwirtschaft erschufen.

Der Kellner hat gerade das Abendessen gebracht, als Marcel Kopper den Satz sagt, auf den ich seit gut einem Jahr warte. Wir sitzen in einem Schnitzelrestaurant in Hietzing, einem Vorort von Wien, es ist Samstagabend, und Marcel Kopper, im weißen Hemd, mit gepflegtem Dreitagebart und perfekt sitzender Gelfrisur, erklärt mir sein Business.

Bekannt wurde der 24-Jährige als "Turbostudent", der in Rekordzeit sein Wirtschaftsstudium an einer Privathochschule abwickelte. Heute ist er der Gründer und Chef einer Agentur für akademische Ghostwriter. Das heißt: Wer viel Geld, aber wenig Lust auf Hausarbeiten hat, kann sie sich von Kopper und seinen Mitarbeitern, den GWriters, schreiben lassen. Zwanzig Seiten gibt es ab 1.348,35 Euro, Mehrwertsteuer inklusive.

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Anfang 2014 habe ich begonnen, für diesen ZEIT CAMPUS-Report zu recherchieren, habe akademische Ghostwriter getroffen in Berlin, Frankfurt, London und jetzt in Wien. Monatelang habe ich mir ihre Ausflüchte angehört über den "moralischen Graubereich" ihrer Arbeit, wie Marcel Kopper es nennt. Darüber, dass die teuer bezahlten Hausarbeiten nicht dafür gedacht seien, an der Uni eingereicht zu werden, sondern lediglich als Mustervorlagen dienen sollten, eine Art Nachhilfe für Wohlhabende. Jetzt habe ich genug.

Zehn Grundregeln zum wissenschaftlichen Schreiben

  • Denken Sie sich was Spannendes aus!

    Wählen Sie ein Thema, das Sie interessiert. Finden Sie Fragen, die Sie gern beantworten möchten und auch können. Tauschen Sie sich von Anfang an mit Bekannten darüber aus, egal ob diese Experten sind oder nicht.

    (Quelle: Kompetenzzentrum Schreiben der Universität Köln)

  • Fragen? Fragen!

    Sprechen Sie Ihr Thema mit Ihrer Dozentin/Ihrem Dozenten in einer Sprechstunde ab. Machen Sie sich vorher einen Notizzettel, auf dem steht, was Sie erfahren möchten. Verlassen Sie die Sprechstunde erst, wenn Sie alle Fragen geklärt haben.

  • Keine Panik!

    Machen Sie sich einen Zeitplan mit Start- und Enddatum. Planen Sie dabei auch Erholungsphasen ein und belohnen Sie sich nach den getanen Arbeitsschritten.

  • Lesen, lesen, lesen

    Überlegen Sie vor der Bibliographie, welche Aspekte für Ihre Aufgabe wichtig sind und suchen Sie danach die Literatur. Die bibliographische Liste sollten Sie mit Ihrer Dozentin/Ihrem Dozenten absprechen, da sie/er Sie auf weitere, wichtige Texte aufmerksam machen kann.

  • Der rote Faden

    Entwickeln Sie einen roten Faden für die Arbeit (z.B. anhand von Leitfragen), bevor Sie anfangen zu schreiben. Malen Sie diesen auf und hängen Sie ihn vor Ihren Schreibtisch, damit Sie ihn nie aus den Augen verlieren.

  • Struktur vor Inhalt

    Stellen Sie anhand dieses roten Fadens eine Gliederung auf und besprechen Sie diese mit Ihrer Dozentin/Ihrem Dozenten.

  • Zeit sparen

    Arbeiten Sie von Anfang an organisiert. Halten Sie neue Ideen, Fragen und relevante Auszüge aus der vorhandenen Literatur schriftlich fest. Sie sparen sich so viel Zeit.

  • Start mit dem Hauptteil

    Beginnen Sie mit dem Hauptteil. Schreiben Sie einen zusammenhängenden Text. Die Inhalte müssen aufeinander aufbauen. Einleitung und Schluss ergeben sich hieraus.

  • Die Korrigierer

    Schreiben Sie klar und präzise. Nur so können Sie Erkenntnisse vermitteln. Schreiben Sie grammatikalisch und orthographisch korrekt und lesen Sie mehrmals Korrektur. Fragen Sie auch Freunde, ob die Sie bei dieser Arbeit unterstützen können.

  • Dagegen sollten Sie niemals verstoßen!

    Halten Sie die von Ihrem Institut vorgegebenen Richtlinien ein. Viele Institute haben Leitfäden, die Sie in den Sekretariaten erhalten oder im Internet downloaden können.

"Das ist doch fadenscheinig", fahre ich Marcel Kopper an. Und er sagt seinen Satz, ohne eine Miene zu verziehen: "Es ist sehr fadenscheinig, ja, natürlich. Ich meine, wenn Sie eine Abschlussarbeit schreiben müssen, und Sie bekommen ein Produkt, was den kompletten Anforderungen entspricht, was Sie eigentlich nur noch einzureichen bräuchten – schreiben Sie das dann noch mal um?" Kopper lächelt. Und ich bin verblüfft von so viel Ehrlichkeit.

Akademische Ghostwriter wurden schon mit Zuhältern und mit Drogendealern verglichen. Bloß dass es gegen das Ghostwriting von Hausarbeiten bisher keine Gesetze gibt – wohl auch deshalb spricht Kopper so offen. "Es muss etwas getan werden, um diejenigen, die den Betrug in der Wissenschaft erst ermöglichen, ihn gewerbsmäßig und vorsätzlich fördern, belangen zu können", fordert Michael Hartmer vom Deutschen Hochschulverband.

Marcel Kopper redet über sein Business wie über ein innovatives Start-up. Doch wollen wir wirklich von Managern beschäftigt, von Rechtsanwälten verteidigt und von Ärzten behandelt werden, die sich ihre akademischen Grade erschlichen haben? "Ich denke da nicht groß drüber nach", sagt Marcel Kopper, als ich ihn frage, ob sein Verhalten unmoralisch ist. Viele akademische Ghostwriter haben mir auf diese Frage ähnlich geantwortet. In ihrem Geschäft braucht man ein dickes Fell.

In den letzten Jahren gab es immer wieder Interviews mit einzelnen akademischen Ghostwritern oder Artikel über ihre Arbeit. Die letzte umfassende Recherche im Ghostwriter-Milieu ist aber schon mehr als zwanzig Jahre alt. Der Journalist Horst Biallo veröffentlichte sie damals im Buch Die Doktormacher. Ich will verstehen, was seitdem in der Branche passiert ist, wer heute die wichtigen Akteure sind und was sie als Nächstes planen.

Nicht alle Fragen werde ich auf den folgenden Seiten beantworten können. Wie viele Menschen vom akademischen Ghostwriting leben, was sie verdienen, wer ihre Kunden sind, dazu gibt es bis heute nur Schätzungen.

Klar ist aber: Die Branche hat sich verändert. Dies ist die Geschichte, wie das Internet, Guttenberg und ehrgeizige Unternehmer eine Schattenwirtschaft groß gemacht haben.

So zitieren Sie richtig!

  • Direktes Zitat

    Ein direktes Zitat ist wortwörtlich. Es muss in Anführungszeichen gesetzt werden. Man sollte direkte Zitate nicht zu häufig verwenden, sondern nur, wenn sie griffig und gut formuliert sind. Danach zum eigenen, akademischen Schreibstil zurückkehren.

    (Quelle: Esther Breuer, Leiterin des Kompetenzzentrums Schreiben an der Kölner Universität im www.ksta.de)

  • Indirektes Zitat

    Bei einem indirekten Zitat gibt man die Gedanken eines Anderen wieder. Unbedingt die Quelle nennen. Man sollte versuchen, eigene Formulierungen zu verwenden.

  • Gegenstimmen

    Es sollten immer auch Gegenstimmen mit einbezogen werden.

  • Kritischer Blick

    Mit den wissenschaftlichen Texten sollte man kritisch umgehen: Nur durch die aktive Auseinandersetzung mit den Positionen Anderer kann sich die Wissenschaft weiterentwickeln.

  • Eigene Gedanken abgrenzen

    Es ist wichtig, die eigenen Gedanken von denen der anderen klar abzugrenzen, damit sich Eigen- und Fremdleistung für den Leser nachvollziehen lassen.

1. Was Ghostwriter machen

Ghostwriter sind Kommunikationsprofis. Politiker, die tagsüber in Ausschüssen sitzen oder Wähler treffen, lassen sich ihre abendlichen Reden von Referenten schreiben. Prominente, die als Schauspieler oder Musiker zu Ruhm gekommen sind, diktieren ihre Memoiren oft Journalisten. Warum auch nicht? Sie überlassen das Schreiben denjenigen, die es gelernt haben. Ghostwriting gilt heute bei vielen nicht mehr als ehrenrührig, sondern als Arbeitsteilung, und oft wird aus solchen Hilfestellungen kein Geheimnis gemacht. Bushido hat seine Autobiografie nicht allein geschrieben, Arnold Schwarzenegger nicht und auch nicht Conchita Wurst. Sie nennen die Namen ihrer Ghostwriter in der Autorenzeile ihrer Bücher.

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