Volkswirtschaftslehre: "Der Generationenwechsel braucht Zeit"

Volkswirtschaftslehre: "Der Generationenwechsel braucht Zeit"

Der in den USA lehrende Ökonom Dirk Krüger über die Versäumnisse und Chancen deutscher VWL-Fakultäten.

»Schritt nach vorn«

Herr Krüger, Sie haben in den USA und Großbritannien gearbeitet, sind nach Deutschland zurückgekehrt, forschen und lehren jetzt wieder in den USA. Was fehlte in Deutschland?

Die Universität Frankfurt, wo ich arbeitete, hat unter Ökonomen einen guten Ruf. Die volkswirtschaftliche Fakultät kann mit guten amerikanischen Einrichtungen mithalten, mit den zehn Top-Fakultäten jedoch nicht. Nicht was die Lehr- und Forschungsbedingungen angeht – und auch nicht beim Gehalt. Da musste ich bei dem Angebot einer Lebenszeitprofessur der University of Pennsylvania nicht lange überlegen. Ohne solch ein gutes Angebot wäre ich in Frankfurt geblieben.

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Also ist der Standort Deutschland für Volkswirte besser als sein Ruf?

Vom akademischen Standpunkt aus gesehen, hat Deutschland einen Schritt nach vorne gemacht. Doch gerade für junge Wissenschaftler bieten deutsche Einrichtungen noch zu wenig Anreize. Beispiel Juniorprofessuren: Hier muss garantiert werden, dass die jungen Wissenschaftler bei entsprechendem Publikationserfolg auf eine verbeamtete Position befördert werden, und zwar an der Universität, die die Nachwuchswissenschaftler auch berufen hat. Die Leute nach einigen Jahren wieder dem Markt zu überlassen ist nicht nachhaltig.

Was schlagen Sie vor?

Die guten Köpfe in jungen Jahren holen und dann halten. Das betrifft nicht nur Deutsche, die nach der Promotion im Ausland zurückkommen. Auch amerikanische Ökonomen haben nach ihrem PhD, also der amerikanischen Promotion, häufig kein Angebot von einer Spitzenuniversität. Für die wäre eine Juniorprofessur in Deutschland mit der klar definierten Perspektive auf eine Lebenszeitprofessur eine attraktive Alternative.

Das heißt, auf die großen Namen in der internationalen Ökonomenszene brauchen sich deutsche Hochschulen keineHoffnung zu machen?

Seien wir ehrlich. Bei einem Harvard-Professor mit Lebenszeitprofessur fällt mir kein Grund ein, warum er langfristig nach Deutschland kommen sollte. Ich denke, dass die deutschen Hochschulen da realistisch sind und das deshalb auch nicht das vorrangige Ziel ist. Wenn sie auf dem Weg weitermachen, den sie schon eingeschlagen haben, und die Karriereperspektiven für junge Ökonomen weiter verbessern, wird Deutschland in zehn Jahren mit weltweit führenden Instituten mithalten können.

Zehn Jahre sind für die Politik eine lange Zeit. Auch viele Dekane dürften sich schnellere Erfolge wünschen.

Wir haben es hier mit einem Generationenwechsel zu tun, und der braucht Zeit. Es ist langfristig vielversprechender und billiger, Fakultäten durch Juniorprofessuren zu internationalisieren als durch schon etablierte Spitzenkräfte, die schwer zu rekrutieren sind. Auch Hochschulstrukturen lassen sich nicht über Nacht verändern. Es gibt noch viel zu tun, trotz positiver Beispiele wie Mannheim und Köln. Daher würde ich heute jedem Nachwuchswissenschaftler mit einem Angebot einer führenden amerikanischen Universität raten, zunächst einige Zeit in den USA zu arbeiten. Wer sich international einen Namen machen will, kommt um die USA nicht herum. n

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