Vorbildliches Bildungssystem: Was finnische Schulen besser machen

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Vorbildliches Bildungssystem: Was finnische Schulen besser machen

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Das finnische Schulsystem funktioniert ganz anders als das deutsche - und ist deshalb erfolgreicher.

Finnische Schüler sind Spitze bei PISA, das Schulsystem der Finnen gilt für viele Länder als Vorbild. Was machen die Finnen anders? Der Harvard-Professor Pasi Sahlberg erklärt das finnische Bildungswunder.

Das finnische Bildungssystem wird weltweit beneidet. Bei der alle drei Jahre stattfindenden PISA-Studie (Programme for International Student Assessment) der OECD belegt Finnland regelmäßig einen der ersten Plätze. Nach Veröffentlichung der ersten PISA-Studie reisten Bildungsexperten und Politiker aus aller Welt nach Finnland, um das Bildungswunder zu bestaunen. Seit dem stellen sich Experten regelmäßig die Frage: Wie machen die das bloß?

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20001.4.3.
20031.2.1.
20062.2.1.
20093.6.2.
20123.6.2.
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Liegt es an der späten Trennung der Kinder, also an der neunjährigen Grundschule oder sind die Finnen einfach klüger als deutsche Kinder?

Können Sie diese PISA-Aufgaben lösen?

  • Mathe-Frage

    An Manuelas Schule führt der Physiklehrer Tests durch, bei denen 100 Punkte zu erreichen sind. Manuela hat bei ihren ersten vier Physiktests durchschnittlich 60 Punkte erreicht. Beim fünften Test erreichte sie 80 Punkte. Was ist Manuelas Punktedurchschnitt in Physik nach allen fünf Tests?

    a) 64 Punkte
    b) 72 Punkte
    c) 68 Punkte

  • Würfel-Frage

    Fünf Seiten eines Würfels von drei Zentimetern Kantenlänge werden rot angestrichen, die sechste Fläche bleibt ohne Anstrich. Wie viel Prozent der Würfeloberfläche sind rot?

    a) Etwa 60 Prozent
    b) Etwa 83 Prozent

  • Geographie-Frage

    Wie tief ist der Tschadsee heute?

    a) Etwa 15 Meter
    b) Etwa fünfzig Meter
    c) Etwa zwei Meter

  • Gewicht-Frage

    Wie verändert sich das Gewicht auf der Waage wenn man beim Wiegen schwungvoll in die Knie geht?

    a) Es ändert sich gar nichts an der Gewichtsangabe
    b) Das Gewicht wird für diesen Moment höher angezeigt
    c) Das Gewicht wird kurzzeitig geringer angezeigt

  • Grand-Canyon-Frage

    Die Temperatur im Grand Canyon reicht von unter 0 Grad bis über 40 Grad. Obwohl es sich um eine Wüstengegend handelt, gibt es in einigen Felsspalten Wasser. Wie beschleunigen diese Temperaturschwankungen und das Wasser in den Felsspalten die Zersetzung des Gesteins?

    a) Gefrierendes Wasser dehnt sich in Felsspalten aus
    b) Gefrierendes Wasser löst warmes Gestein auf
    c) Wasser kittet Gestein zusammen

  • UV-Frage

    Wie wirkt es sich aus, wenn Sie eine dunkle Sonnenbrille ohne UV-Schutz tragen?

    a) Es gelangen mehr UV-Strahlen ins Auge als ohne Brille.
    b) Es gelangen weniger UV-Strahlen ins Auge als ohne Brille.
    c) Es gelangen genau so viele UV-Strahlen ins Auge wie ohne Brille.

  • Das sind die richtigen Antworten

    Frage 1: a

    Frage 2: b

    Frage 3: c

    Frage 4: c

    Frage 5: a

    Frage 6: a

Pasi Sahlberg, ehemaliger Generaldirektor des finnischen Bildungs- und Kulturministeriums, erklärt in einem Beitrag für den US-Nachrichtensender "CNN", was finnische Schulen besser machen als andere. "Viele sind überrascht, dass finnische Kinder nicht vor ihrem siebten Geburtstag eingeschult werden", sagt er.

Pasi Sahlberg war Generaldirektor des finnischen Bildungsministeriums und ist derzeit Gastprofessor an der Harvard Graduate School of Education. Foto: Damir Klaic-Kljuc Quelle: Presse

Pasi Sahlberg war Generaldirektor des finnischen Bildungsministeriums und ist derzeit Gastprofessor an der Harvard Graduate School of Education.

Foto: Damir Klaic-Kljuc

Bild: Presse

In Deutschland dagegen gab es lange einen Trend, Kinder möglichst früh einzuschulen. Erst langsam setzen sich Eltern dagegen zur Wehr und lassen ihren Kindern ein Jahr länger Zeit.

Finnische Kinder haben außerdem deutlich weniger Hausaufgaben auf als Kinder in anderen Ländern, so Sahlberg. Ihr gesellschaftlicher Hintergrund habe einen viel geringeren Einfluss auf ihren Bildungsweg und es gebe auch nur einen standardisierten Test, den alle Kinder machen müssen.

Wissenswertes über Finnland

  • Wenig Finnen, viel Land

    Finnland ist zwar nur wenig kleiner als Deutschland, dafür hat das Land im Norden lediglich 5,4 Millionen Einwohner. Die Mehrheit davon wohnt im Süden des Landes und im Großraum Helsinki. Etwa 40 Prozent der Bevölkerung leben in Südfinnland, das entspricht einer Dichte von 62,6 Einwohnern pro Quadratkilometer. Im Norden des Landes, in Lappland, sind es nur 1,9 Einwohner je Quadratkilometer.

  • Geteilte Nationalhymnen

    Die finnische Nationalhymne wird in mehrfacher Hinsicht geteilt: Zum einen benutzt Estland die gleiche Melodie (komponiert von Fredrik Pacius) als Nationalhymne, zum andern existiert die finnische Hymne in zwei Sprachen. Ein Großteil der Bevölkerung singt die Maamme (finnisch), während ein kleiner Teil Vårt land (schwedisch) singt. Die autonome Provinz Åland hat ihre ganz eigene Nationalhymne, das Ålänningens sång.

  • Zweisprachiges Schulsystem

    Wegen der schwedischen Minderheit müssen alle Gemeinden, in denen Finnisch und Schwedisch sprechende Menschen leben, Unterricht in beiden Sprachen anbieten. Die Schulpflicht gilt in Finnland wie auch in Deutschland bis zum 16. Lebensjahr. Neun Jahre lang gehen die Finnen in die peruskoulu, eine Art gemeinsame Grundschule.

  • Lebensmittelmonopol

    In Finnland haben drei Konzerne die Macht über den Lebensmittel- und Getränkemarkt: S-Markt, K-Markt und Suomen Lähikauppa halten gemeinsam fast 90 Prozent. Ausländische Konzerne und Ketten haben es wegen des geringen Marktvolumens eher schwer. Bäckerei- oder Fleischerketten gibt es in Finnland kaum.

  • Finnische Exportschlager

    Die Finnen verkaufen seit jeher Holz und Papier. In den Siebzigerjahren machten diese Industriezweige über die Hälfte des finnischen Exportes aus. Dann kamen Nokia und Co. und Finnland wandelte sich von einer Agrar- zu einer Dienstleistungsgesellschaft. Doch auch heute noch stellen die finnischen Wälder den wichtigsten Rohstoff des Landes dar.

    Dennoch sind mittlerweile Maschinen der finnische Exportschlager (8,4 Milliarden Euro in 2010). Sie machen 16 Prozent des Exports aus. Gefolgt von Papier und Pappe mit 14 Prozent (7,3 Milliarden Euro im Jahr 2010). Außerdem ist Heavy Metal in Finnland ausgesprochen populär. Die Finnen versorgen Europas und Amerikas Metal-Fans mit Rock- und Metalbands wie Children of Bodom, Nightwish oder dem Eurovision Song Contest-Gewinner Lordi.

  • Berühmte Finnen

    Namhafte Finnen sind die Regisseure Aki und Mika Kaurismäki, die Komponisten Jean Sibelius und Levi Madetoja, sowie die Rennfahrer Mika Häkkinen und Kimi Räikkönen. Der reichste Finne ist laut aktueller Forbes-Liste übrigens Antti Herlin, der es dank seiner Maschinenbau- und Servicefirma KONE Corporation auf ein Vermögen von rund zwei Milliarden Dollar gebracht hat.

  • Kuriose finnische Sportarten

    Der gemeine Finne betätigt sich gern sportlich, zum Teil auch in kuriosen Disziplinen. Großer Beliebtheit erfreut sich in Finnland beispielsweise das Frauentragen. Die "Wife Carrying World Championship Games" finden in Sonkajärvi in Ostfinnland seit 1992 statt. Genauso beliebt sind Melkschemel- oder Handy-Weitwurf, Mückenklatschen und Beeren pflücken als Teamsport. Seit 2011 finden übrigens auch Weltmeisterschaften im Schlammfußball in Finnland statt.

  • Finnen und der Schnaps

    Alkohol ist in Finnland verhältnismäßig teuer, auch wenn 2004 die Alkoholsteuer um 33 Prozent gesenkt worden ist. Auch der Verkauf ist streng reglementiert: Getränke mit mehr als 4,7 Prozent Alkoholgehalt dürfen nur in staatlichen Monopolgeschäften, den Alkoshops, verkauft werden. Wer in der Kneipe eine Flasche Bier bestellt, muss 18 Jahre alt sein und mit fünf Euro pro Flasche rechnen. Vom Trinken scheint das die Finnen aber nicht abzuhalten. Im Jahr 2005 war Alkohol die häufigste Todesursache unter Finnen im arbeitsfähigen Alter.

Laut Sahlberg sind drei Dinge ausschlaggebend für den Erfolg des finnischen Schulsystems:

  1. Bildungsgleichheit: "Das bedeutet, es gibt Bildung für alle Kinder und das frühzeitig." Alle Schulen werden finanziell unterstützt, damit sie auf die Bedürfnisse aller Schüler eingehen können und entsprechende Bildungs- und Gesundheitsangebote für alle anbieten können. Auch für Kinder aus sozial schwachen Familien. Und man konzentriere sich auf das Kind als Ganzes und beschränke sich nicht nur auf dessen akademische Leistungen.
  2. Finnische Lehrer arbeiten mit ihren Kollegen zusammen. "Das gibt ihnen die Möglichkeit, Netzwerke zu bilden, Ideen gemeinsam zu entwickeln und sich über die besten Unterrichtsmethoden auszutauschen. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um die Qualität des Unterrichts zu verbessern."
  3. Spielen gehört in finnischen Schulen dazu. Die Schultage sind kurz, es gibt viele Pausen, in denen die Kinder draußen spielen können. Auch der Nachmittag sei nicht zum Hausaufgaben machen da, sondern um sich mit Freunden zu treffen oder seinen Hobbies nachzugehen. Deshalb gebe es in der Grundschule nur wenig Hausaufgaben.

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Laut Sahlberg lege beispielsweise das amerikanische Schulsystem zu viel Wert auf Tests und Zahlen. Außerdem spiele der finanzielle Hintergrund eine zu große Rolle: Wer Geld hat, seine Kinder auf gute Schulen zu schicken oder ihnen Nachhilfe zu finanzieren, hat Glück, Kinder armer Familien gehören zu den Bildungsverlierern. In Finnland sei das undenkbar.

Auch die Qualität der Lehrer beziehungsweise der Ausbildung spiele eine große Rolle. Zwar könne kein Land eine exakte Kopie Finnlands werden - aber es wäre schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung, wenn Armut oder Reichtum nicht mehr über die Bildungschancen entscheiden würden

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