Warnung des Lehrerverbands: Das Abitur wird entwertet

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Warnung des Lehrerverbands: Das Abitur wird entwertet

Werden die deutschen Schüler klüger oder das Abitur leichter? Der Lehrerverband warnt schon mal vor den Folgen der Noteninflation.

Mit den Sommerferien verlassen die Abiturienten die Gymnasien, und es werden von Jahr zu Jahr mehr. 2013 machten 370.650 Schüler in Deutschland ihr Abitur, laut des Statistischen Bundesamtes ist das ein Plus von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und auch 2012 erlangten schon mehr Schüler die Allgemeine Hochschulreife als noch 2011.

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Quelle: dpa

Die Abiturienten werden aber nicht nur immer zahlreicher, sie werden offenbar auch von Jahr zu Jahr klüger: Der Anteil derer mit einem Abiturschnitt von 1,0 ist allein zwischen 2006 und 2012 um 40 Prozent gestiegen, wie eine Statistik der Kultusministerkonferenz (KMK) zeigt. So hat es beispielsweise in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2002 die Note 1,0 nur 421-mal gegeben, 2012 waren es schon fast 1200-mal. Auch die Durchschnittsnote hat sich in dieser Zeit in den meisten Bundesländern verbessert.

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Nun lässt sich darüber streiten, ob die deutschen Schüler von Jahr zu Jahr klüger und fleißiger werden. Der Präsident der Universität Hamburg, Dieter Lenzen, ist da wenig optimistisch. Er sagt: "In den Ländern, wo das Zentralabitur eingeführt wurde, wurden die Aufgaben oftmals leichter." KMK-Präsidentin Sylvia Löhrmann verweist auf Standards, an die sich die Länder bei ihren Abituraufgaben halten müssen. Ein gemeinsamer Aufgabenpool, auf den die Länder bei ihren Abiturprüfungen ab 2016 zurückgreifen können, werde derzeit vorbereitet. "Damit wird auch die Sorge entkräftet, dass die Politik das Abitur leichter oder schwerer machen will", so Löhrmann.

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Dennoch glaubt auch der Philologenverband nicht an eine Generation von Genies: "Diese Noteninflation ist nicht zufällig, sie hat Methode", sagt der Vorsitzende des Verbands, Heinz-Peter Meidinger. Insbesondere die Einführung des achtjährigen Gymnasiums (G8) sei von einigen Landesregierungen dazu benutzt worden, durch "softere" Beurteilungsmaßstäbe die Akzeptanz der verkürzten Schulzeit zu erhöhen.

Auch an Grundschulen und Universitäten sei diese Entwicklung sichtbar - und führe zu einigen Verlierern: "Die Mehrleistung der wirklich guten Schüler ist angesichts der enormen Ausweitung von Einserreifezeugnissen gar nicht mehr erkennbar", sagte er gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Das "einst so hoch geschätzte" deutsche Abitur werde massiv entwertet. Hochschulen und Wirtschaft seien zu eigenen Auswahlverfahren gezwungen, um die wirklich guten Absolventen zu finden.

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