Was hinter PISA steckt: Die Gaukelei der PISA-Tests

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Was hinter PISA steckt: Die Gaukelei der PISA-Tests

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PISA 2016: Erfolgreich trotz akuter Ahnungslosigkeit.

Die jüngsten PISA-Ergebnisse wollen weismachen, dass sie die Schülerleistungen in Mathematik und den Naturwissenschaften messen. Ein genauerer Blick auf die Testaufgaben offenbart, dass es dabei eher um die Ostereierauffindungskomptenz geht.

Die neuesten PISA-Ergebnisse bescheinigen den deutschen Schülern schlechtere Leistungen im Vergleich zu den Ergebnissen von 2012 in Mathematik (506 gegenüber 514) und den Naturwissenschaften (509 gegenüber 524) nach. Dagegen hat sich die Lesekompetenz und das Textverständnis von 508 auf 509 leicht verbessert. Nun weiß aber niemand, außer den Testern, was sich genau hinter diesen Zahlen verbirgt, denn die daraus entwickelten Skalen lassen sich beliebig strecken und möglicherweise nur geringe Unterschiede groß erscheinen. Darüber mag sich jeder selbst seine Gedanken machen und dabei berücksichtigen, dass die Grundlagen der Datenerhebung, nämlich die eingesetzten Testhefte, nicht einmal Wissenschaftlern zu Kontrollzwecken überlassen werden. Nur wenige Aufgaben werden als Häppchen der Presse vorgestellt, damit die Öffentlichkeit Ruhe gibt.

Die in den Testheften abgefragten Kompetenzen entsprechen dem scientific literacy Konzept, das den Schwerpunkt eindeutig auf Lesekompetenz setzt. Selbstverständlich sollte man lesen können. Das ist unbestritten. Aber PISA behauptet nun, dass beispielsweise das Verständnis von Fachinhalten auch in den Naturwissenschaften ebenfalls nachgewiesen werden könne. Mit rund 70 Prozent Multiple-Choice-Aufgaben? Diese Behauptung ist mehr als gewagt.

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Da die rund 60 Fragen in den einzelnen Testheften von den Schülern in etwas mehr als eineinhalb Stunden - mit einer Pause dazwischen - zu bearbeiten sind, ist hier eher eine Art Blitzschach- oder Börsenmaklerkompetenz gefragt, da neben dem Lesen einführender Texte für die Beantwortung einer Frage kaum mehr als 90 Sekunden zur Verfügung stehen.

Zum Autor

  • Hans Peter Klein

    Hans Peter Klein ist Professor für Didaktik der Biowissenschaften an der Goethe-Universität in Frankfurt und ein gefragter Gesprächspartner und Autor zum Thema Bildung und Wissen und Bildungspolitik.

Die Konstruktion von PISA-Aufgaben kann man zum Beispiel an einer Aufgabe zum Schaf „Dolly“ aus dem Jahre 2003 nachvollziehen, nach deren Schema auch die aktuellen Aufgaben konzipiert sind. Die Schöpfung des geklonten Schafs „Dolly“ im Jahre 1996 erregte damals größte Aufmerksamkeit.

(Exkurs: Wegen der Analogie zur Herkunft der Spenderzellen aus dem Schafseuter mit der üppigen Oberweite der amerikanischen Country-Sängerin Dolly Parton, erhielt das geklonte Schaf von den beteiligten Wissenschaftlern seinen Namen. Noch um die Jahrtausendwende regte sich niemand darüber auf, selbst die ungefragte Sängerin nicht. Heutzutage hätte der Bannstrahl der mittlerweile allseits gegenwärtigen Genderforschung die namensgebenden Wissenschaftler wegen dieses patriarchalischen Frevels vermutlich sofort aus ihren Ämtern katapultiert.)

Der den Schülern vorgelegte Aufgabentext lautete wie folgt (Die folgenden Passagen sind in gekürzter Form aus dem im ZuKlampen Verlag erschienenen Buch des Autors „Vom Streifenhörnchen zum Nadelstreifen – das deutsche Bildungswesen im Kompetenztaumel“ entnommen):

Ein Kopierapparat für Lebewesen? Hätte es Wahlen zum Tier des Jahres 1997 gegeben, wäre Dolly ohne Zweifel der sichere Sieger gewesen. Dolly ist das schottische Schaf, das Sie auf dem Foto sehen können. Dolly ist allerdings kein gewöhnliches Schaf. Sie ist ein Klon eines anderen Schafs. Ein Klon bedeutet: eine Kopie. Klonen heißt kopieren „von einem einzigen Original“. Es ist Wissenschaftlern gelungen, ein Schaf (Dolly) zu erschaffen, das mit einem Schaf identisch ist, das als „Original“ ausgewählt worden war. Es war der schottische Wissenschaftler Ian Wilmut, der die „Kopiermaschine“ für Schafe entworfen hat. Er nahm ein sehr kleines Stück vom Euter eines erwachsenen Schafs (Schaf 1). Diesem kleinen Stück hat er den Zellkern entnommen, den er in eine Eizelle eines zweiten (weiblichen) Schafs (Schaf 2) eingepflanzt hat. Zunächst entfernte er aber aus dieser Eizelle das ganze Material, das Eigenschaften von Schaf 2 in einem aus dieser Eizelle entstehenden Lamm bestimmt hätte. Ian Wilmut implantierte die manipulierte Eizelle von Schaf 2 in ein weiteres (weibliches) Schaf (Schaf 3). Schaf 3 wurde trächtig und gebar ein Lämmchen: Dolly. Manche Naturwissenschaftler glauben, dass es in wenigen Jahren möglich sein wird, auch Menschen zu klonen. Doch viele Regierungen haben bereits beschlossen, das Klonen von Menschen gesetzlich zu verbieten.

Soweit der Text. Frage 1 lautet nun: Mit welchem Schaf ist Dolly identisch?

A) Schaf 1
B) Schaf 2
C) Schaf 3
D) Dollys Vater

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