Weiterbildung: Lehrern fehlt der Anreiz für Fortbildungen

Weiterbildung: Lehrern fehlt der Anreiz für Fortbildungen

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Studie: Lehrer finden zu wenig Anreize für eigene Fortbildung.

In Unternehmen wird Weiterbildung immer wichtiger, nur an Schulen nicht. Während Schulleiter und Fachbereichsleiter Fortbildungen für sehr wichtig halten, sehen viele Lehrer keinen Grund, sich selbst weiterzubilden.

Viele Lehrer bewerten ihr Umfeld für eigenes Lernen und Weiterbildung nach einer neuen Studie als miserabel. Nur drei Prozent der im Auftrag der Vodafone-Stiftung befragten Pädagogen finden die Lernkultur an ihrer Schule gut oder sehr gut - 97 Prozent sehen es negativ. Zugleich macht die am Donnerstag veröffentlichte Umfrage unter 361 Lehrern und Lehramtsstudenten deutlich, dass es an den Schulen eher wenig Anreize zur Qualifizierung gibt.

Während jeder dritte Schulleiter und Fachbereichsleiter (32 Prozent) angibt, dass Lernen und Fortbildung eine große Rolle in Mitarbeitergesprächen spielt, stimmt dieser Aussage nur jeder siebte Lehrer ohne Führungsaufgaben (15 Prozent) zu. Eine klare Mehrheit der Lehrkräfte (70 Prozent) gibt an, keine Auswirkungen auf seine berufliche Zukunft zu befürchten, falls man sich nicht fortbilde. Insbesondere die Fehlerkultur in den Lehrerkollegien wird als schwierig beschrieben: Nur jeder dritte Pädagoge (31 Prozent) meint, zum Lernen an seiner Schule gehöre auch, Fehler machen zu dürfen.

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So sehen die Deutschen Fortbildungsmaßnahmen im Beruf

  • Weiterbildung ist beliebt

    In ihrem bisherigen Berufsleben hat fast die Hälfte der Befragten (46 Prozent) im Jahresdurchschnitt ein bis zwei Mal an einer Weiterbildung teilgenommen. Oftmals liegt die Zahl jedoch höher: Bei 18 Prozent der Deutschen liegt die Zahl der Weiterbildungsmaßnahmen bei drei bis fünf, bei weiteren elf Prozent sogar bei mehr als zehn Mal pro Jahr. Auf der anderen Seite hatten 16 Prozent noch keine Möglichkeit, an einer Fortbildung teilzunehmen.

    Quelle: Umfrage der Jobsuchmaschine Jobrapido

  • Hälfte zahlt selbst

    Insgesamt etwa die Hälfte der Befragten hat darüber hinaus sogar schon selbst für Weiterbildungsmaßnahmen gezahlt, während 32 Prozent angaben, dass diese Kosten immer von ihren Arbeitgebern übernommen werden.

  • Inhalte

    60 Prozent der Befragten gaben an, ihre Weiterbildungsmaßnahmen konzentrierten sich nur auf berufsspezifische Inhalte. Ein Drittel hat bereits an Kursen teilgenommen, die sowohl den beruflichen Fähigkeiten, als auch zum Beispiel der persönlichen Entwicklung beigesteuert haben. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) bevorzugt zudem anwendungsbezogene Workshops, gefolgt von Fortbildungen in Form theoretischen Unterrichts (22 Prozent).

  • Kostenlose Maßnahmen

    Angebot kostenloser Weiterbildungsmaßnahmen unverändert: 42 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass das Angebot an kostenlosen Weiterbildungsmaßnahmen durch ihre Arbeitgeber in den letzten fünf bis zehn Jahren sowohl quantitativ als auch qualitativ beständig geblieben ist. Gleichzeitig beobachtete laut Umfrage jedoch ein Drittel, dass sich das Angebot verschlechtert hat. Nur jeder Vierte äußerte die Meinung, das Angebot habe sich „verbessert“ oder „stark verbessert“.

  • Zufriedenheit mit den Angeboten

    Fast die Hälfte der Deutschen (44 Prozent) ist mit den ihnen bisher angebotenen Weiterbildungsmaßnahmen zufrieden – sechs Prozent sogar „sehr zufrieden“. Dennoch offenbart die Umfrage auch eine weit verbreitete Unzufriedenheit, denn 29 Prozent der Befragten sind „leicht unzufrieden“ und jeder Fünfte (21 Prozent) sogar „gar nicht zufrieden“ mit den ihnen bisher gebotenen Weiterbildungsmaßnahmen.

  • Weiterbildungsmöglichkeiten machen Unternehmen attrakttiver

    37 Prozent der Befragten waren bei ihrer letzten Jobsuche viel aufmerksamer in Sachen Angebot von Weiterbildungsmaßnahmen bei potentiellen neuen Arbeitgebern und haben diese verstärkt berücksichtigt. Weitere 28 Prozent achten bei der Jobsuche inzwischen „etwas mehr“ auf Fortbildungsangebote als vorher. Die weiteren Umfrageteilnehmer gaben an, dass sie nicht darauf achten (17 Prozent) oder ihnen Weiterbildungsmaßnahmen weniger wichtig sind als zuvor (18 Prozent).

  • Weiterbildung ist unterentwickelt

    Nur etwa jeder zwölfte Beschäftigte (acht Prozent) sieht die Lernkultur in seiner Firma als gut oder sehr gut an. Und kaum jeder Zehnte fühlt sich von seinem Vorgesetzten gut bis sehr gut beim Lernen unterstützt.

    Quelle: Umfrage im Auftrag der Vodafone-Stiftung

  • Angst vor negativen Folgen

    Fast 80 Prozent befürchten negative Auswirkungen, falls sie sich nicht fortbilden. Führungskräfte müssten daher ihre Rolle neu definieren und als „Lern-Coaches“ Beschäftigte in Weiterbildungsprozessen begleiten, sagte Studienleiterin Nele Graf.

  • Eigene Verantwortung

    Die meisten Befragten sehen jedoch nicht nur die Unternehmen, sondern auch sich selbst in der Pflicht für Weiterbildung. Nicht einmal ein Viertel der Befragten (23 Prozent) gibt an, beim Lernen ein gutes Durchhaltevermögen zu haben. Lediglich 27 Prozent meinen, dass sie das neu Gelernte erfolgreich in den Arbeitsalltag übersetzen können.

  • Verschiedene Lerntypen

    Erwachsene zeigen der Studie zufolge drei Arten des Lernverhaltens, die bei der Weiterbildung berücksichtigt werden sollten. „Aktivisten“ sind neugierig und praktisch orientiert - sie lernen am liebsten durch eigene Erfahrung. „Beobachter“ sind zurückhaltend und bevorzugen es, anderen erst einmal bei Übungen zuzusehen - für sie sind Hospitationen die beste Lernmethode. „Nachdenker“ schließlich zeichnen sich durch analytisches Denken aus. „Sie möchten verstehen, wie Dinge funktionieren, und sammeln dazu gerne erst Fakten und Informationen, um sich neuen Lerngegenständen zunächst gedanklich zu nähern“, heißt es in dem Weiterbildungsreport.

Außerdem haben sich digitale Lernformate bei Lehrern offenkundig weniger durchgesetzt als in anderen Berufsgruppen, heißt es in der Studie. Zwar sehen 65 Prozent der Lehrer Computer und neue Medien als wesentliche Bereicherung ihres beruflichen Lernens an, aber Beschäftigte anderer Branchen sind hier mit 92 Prozent viel weiter.

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