Wirtschaftsstudium: Bloß weg von der Mainstream-VWL

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Wirtschaftsstudium: Bloß weg von der Mainstream-VWL

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Neuer VWL-Studiengang: Alternative zum neoklassischen, neukeynesianischen Paradigma.

von Malte Fischer

Weder Finanz- noch Staatsschuldenkrise hat die klassische VWL so vorhergesagt. Längst sind viele Studenten unzufrieden mit der einseitigen Ausrichtung des Ökonomiestudiums. Jetzt gibt es eine Alternative.

Wohl jeder Student der Volkswirtschaftslehre hat sich schon einmal gefragt hat, welchen Erklärungsgehalt das im Studium vermittelte Wissen für die Realität bietet. Spätestens wenn mathematische Modelle in Vorlesungen und Lehrbüchern die Realität nonchalant wegdefinieren, beschleichen manch angehenden Ökonomen Zweifel am Lehrstoff.

Statt zum Nachdenken über konkurrierende Theorien anzuregen, verlangt der Mainstream des neoklassisch und neukeynesianisch geprägten Studiums die Kenntnis mathematischer Abhandlungen, die den Eindruck erwecken, die Volkswirtschaftslehre sei eine Teildisziplin der theoretischen Physik.

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Schon seit geraumer Zeit wendet sich daher das Netzwerk Plurale Ökonomik gegen die Dominanz der neoklassischen Standardökonomie in den Lehrveranstaltungen der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten.  Die Kritiker werfen der Ökonomie vor, „reale gesellschaftliche Probleme im Schein mathematischer Objektivität und eines überhöhten Dogmatismus in den Hintergrund zu rücken“. Die Vertreter der Initiative fordern daher mehr Methoden- und Theorienvielfalt in der universitären Lehre sowie eine „Selbstreflexion des Faches“. Unter dem Netzwerk haben sich vor allem linke, marktskeptische Strömungen organisiert.

Doch auch aus marktliberalen Kreisen gibt es Kritik an der Standard-Volkswirtschaftslehre. So werfen die Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie der herrschenden Lehre an den Unis vor, sich einseitig auf das neoklassisch/neukeynesianische Paradigma sowie einen übertriebenen Empirismus zu konzentrieren, der mit einer  ideengeschichtlichen Entwurzelung einhergehe. Die Österreichische Schule selbst gründet auf einer langen Tradition herausragender Denker. Diese reicht von Carl Menger über Eugen Böhm von Bawerk, Ludwig von Mises, Friedrich August von Hayek bis zu Murray Rothbard und Hans-Hermann Hoppe. Von den meisten Universitäten wird die Lehre der Österreichischer nicht zuletzt aufgrund ihres radikal freiheitlichen und staatskritischen Ansatzes geschnitten.

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Individuum rückt in den Vordergrund

Doch das könnte sich bald ändern.  Denn es gibt eine Alternative zum Mainstream-Studium. Die private, auf das Unternehmertum ausgerichtete Business and Information Technology School (BiTS) in Berlin bietet zum Sommersemester 2016 einen neuen Master-Studiengang an, der die Lehre der Österreichischen Schule der Nationalökonomie mit praxisnahem Management-Know-how verbindet. Die  Studenten sollen auf Basis der Lehre der österreichischen Schule (Austrian Economics), die das einzelne Individuum in den Vordergrund der Analyse stellt, unternehmerisches Denken lernen. „Derzeit führt die Österreichische Schule an den meisten Universitäten völlig zu Unrecht nur ein Schattendasein“, sagt Stefan Kooths, Konjunkturchef am Kieler Institut für Weltwirtschaft und zugleich Programmleiter des Studiengangs.

Das Studium "Entrepreneurial Economics" vermittelt umfassendes Wissen über volkswirtschaftliche Theorien und rückt dabei die unternehmerisch orientierte Erklärung menschlichen Handelns  in den Mittelpunkt. „Die Ökonomen der Österreichischen Schule  beendeten vor rund 150 Jahren den Stillstand des ökonomischen Mainstreams und bahnten durch eine revolutionäre methodische Umgestaltung den Weg zu modernem ökonomischen Denken“, sagt Kooths. Ein zentraler Schwerpunkt des Studiums an der BiTS besteht daher in der Lektüre der Originalwerke der Ökonomen der Österreichischen Schule. „An die Stelle des flüchtigen Überblicks, wie man ihn sonst  in den dogmenhistorischen Seminaren der volkswirtschaftlichen Fakultäten bekommt, tritt bei uns die intensive Auseinandersetzung mit den Originalwerken von Menger, Mises und Co“, sagt Kooths. Wer hier studiert,  wird viel lesen.  

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15 Kommentare zu Wirtschaftsstudium: Bloß weg von der Mainstream-VWL

  • Die Studenten sollen auf Basis der Lehre der österreichischen Schule (Austrian Economics), die das einzelne Individuum in den Vordergrund der Analyse stellt, unternehmerisches Denken lernen."
    Ich erinnere mich noch an die Kombination von Betriebs- und Volkswirtschaftslehre im Studium. Und Da war unternehmerisches Denken ebenfalls gefragt. Zu kurz kommt m.E. bei der VWL die Psychologie. Wir kennen es doch schon aus dem Börsenleben, dass sie eine erhebliche Rolle spielt. Chart-Analysen etc. bauen auf die Beeinflussung der Teilnehmer.

    Wer Psychologie außer Acht lässt, geht davon aus, dass Entscheider besonders in der Politik ökonomisch und logisch im Sinne der Volkswirtschaft denken und handeln. Leider stehen dem Eigeninteressen und mangelndes ökonomisches Wissen entgegen. Wirtschaftler sind dort leider unterrepräsentiert.

  • Schöner Artikel! Bei einem muss ich Ihnen allerdings widersprechen, Herr Fischer. Die staatskritische Philosophie von Rothbard und Hoppe ist nicht Teil der österreichischen Schule und hat mit ihr auch gar nichts zu tun. Alle großen österreichischen Ökonomen vor Rothbard stimmten mit diesem in seiner Rechtsphilosophie nicht überein. Lesen Sie dazu die Mises-Biographie von Hülsmann. Dort wird erläutert, dass Mises Rothbards Anarchokapitalismus ablehnte.

    Schauen Sie sich zum Verhältnis von Mises und Rothbard und Mises' Meinung zum Anarchokapitalismus auch dieses kurze Video mit Bettina Bien Greaves an, einer längjährigen Teilnehmerin von Mises' Seminar:
    https://www.youtube.com/watch?v=iWfrsXQgEtc

    Der Anarchokapitalismus ist in der rothbardianischen Naturrechtsvariante dogmatisch und gefährlich. Das sieht man zum Beispiel an einem Artikel von Hülsmann in dem Aufsatzband "The Myth of National Defense." Darin fordert Hülsmann, dass Libertäre sich in einem Guerilla-Krieg gegen den Staat engagieren sollten. Hier sieht man die Blüten, die aus dem Glauben erwachsen, mit dem Anarchokapitalismus eine absolute, ewige und objektive Wahrheit/Theorie gefunden zu haben. Libertarismus ist eine pazifistische Ideologie. Generell ist das ein weites Thema, auf das ich hier nicht erschöpfend eingehen kann.

    @Döllerer: Die Psychologie kommt deswegen zu kurz in der VWL, weil VWL keine Psychologie ist. In der VWL geht es nicht darum, warum Menschen handeln wie sie handeln. Es geht darum, ob ein Mittel angemessen ist, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Sie haben Recht, wenn Sie meinen, dass die Psychologie entscheidend zum Verständnis der Realität ist. Trotzdem muss man zwischen beiden sauber trennen.

  • Ganz schwacher, oberflächlicher Artikel. Volkswirtschaftliche Theorie erlaubt nicht alle Facetten kriminellen Verhaltens zu prognostizieren. Denn das war das, was in den USA und anderswo mit der Subprime-Krise passiert ist.

    Die sogenannte österreichische Schule ist jedem gut ausgebildeten Ökonomen sehr wohl bekannt. Wer allerdings unbedingt "Management" lernen will, ist bei einem BWL-Studium oder MBA-Studium gut aufgehoben, wobei ich meine, dass nichts praktischer ist als die Praxis. D.h. auch Absolventen anderer Studiengänge oder auch Nicht-Akademiker können gute Manager sein.

    Was die Mathematik angeht: Sie wird nicht verwendet wie in der Physik, die damit naturwissenschaftliche Gesetze (!) beschreibt. Die Mathematik dient hier als Instrument, um logisch überprüfbare Modelle aufzustellen, die bestimmte ökonomische Phänomene erklären sollen. Die Plausibilität derartiger Modelle ist offenkundig, wenn man sie denn versteht. Die Mikroökonomie verwendet u.a. die Spieltheorie und die Makroökonomie hauptsächlich ökonometrisch-statistische Modelle. Ich kann daran nichts verwerfliches erkennen. Wer sie als intellektuelle Übung begreift (!) und nicht gleich ein Kochrezept oder eine physikalisch-chemische Formel in ihnen sieht, zieht viel Nutzen und Denkvermögen hieraus, was man in der Praxis so nicht lernt, aber übergeordnet braucht, um wirtschaftliche Probleme - auch als Manager oder Politiker - lösungsorientiert zu deuten. Modelle werden übrigens immerzu weiterentwickelt, ganz nach dem Grundsatz des Philosophen Popper.

    Psychologie: Gerade der deutsche wirtschaftswissenschaftliche Nobelpreisträger Reinhard Selten hat die gängigen spieltheoretischen Modelle um verhaltenstypische, also um psychologische Aspekte erweitert und für diese Arbeiten seinen überragenden Preis erhalten!

    Also nicht so schnell VWL als Fach verdammen. Wer das Fach von Grund auf lernt und in seiner ganzen Tiefe und Breite versteht, hat sehr viel persönlichen und beruflichen Nutzen davon!

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