Wissenschaft: Forscher erwarten mehr Wettbewerb im Hochschulwesen

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Wissenschaft: Forscher erwarten mehr Wettbewerb im Hochschulwesen

Das deutsche Studiensystem wird vermutlich weiter ökonomisiert. Zu diesem Schluss kommt das Institut für Hochschulforschung in einem Bericht über die Veränderungen rund um die Bologna-Reform.

Die Hochschulen entfernen sich weiter vom Humboldtschen Ideal. Die Organisations- und Steuerungsreformen, die mit dem Stichwort "Bologna" verbunden sind, haben die deutschen Hochschulen nicht nur oberflächlich verändert. Die Universitäten sind nicht mehr dieselben wie noch vor fünfzehn Jahren. Dank der Reformen können die Hochschulen ihre Ausrichtung und ihr Studienangebot weitgehend selbst bestimmen. Glaubt man den Einschätzungen des "Instituts für Hochschulforschung" in einer aktuellen Untersuchung, werden diese grundlegenden Veränderungen im Zusammenwirken mit dem demografisch bedingt anstehenden Rückgang der Studentenzahlen zu einer noch weitergehenden „Verwettbewerblichung“ führen. Die Hochschule wird zum Dienstleistungsbetrieb, der Student zum umworbenen Ausbildungskunden. Marketing, das Werben um diese Kunden, wird für Hochschulen zu einer immer wichtigeren Aufgabe. Absolute Zahlen zur Ausbreitung des Hochschulmarketings nennt die Studie nicht. "Es gibt aber einige Hinweise, dass sich das Phänomen der Marketingstellen in der deutschen Hochschullandschaft in den letzten zehn Jahren stark ausgebreitet hat."

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Im Mittelpunkt der empirischen Erhebungen des an der Universität Halle angesiedelten Instituts standen folgende Fragen:

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1. Wie hat sich das Studienangebot von ausgewählten Universitäten und Fachhochschulen vor und nach der Bologna-Studienreform verändert?

Umfassend untersucht wurde das Studienangebot an 20 ausgewählten staatlichen Universitäten und Fachhochschulen. Im Vergleich zum Studienangebot vor der Bologna-Reform im Wintersemester 2000/01 waren 39 Prozent der Studiengänge des Wintersemesters 2011/2012 nur strukturell verändert, das heißt, dass in erster Linie nur neue Abschlüsse (Bachelor, Master) eingeführt wurden. Die wissenschaftlichen Inhalte blieben im Großen und Ganzen unverändert. Sowohl strukturell als auch inhaltlich reformiert wurden dagegen insgesamt rund 18 Prozent der Studiengänge. Verändert, nämlich stark vergrößert hat sich das Gesamtangebot der Studiengänge. Drei von zehn Studiengängen des Wintersemesters 2011/12 gab es im Wintersemester 2000/2001 noch gar nicht.

2. Wie sehen die Zulassungspraktiken für die Studiengänge an den ausgewählten Hochschulen aus?

Der Anteil zulassungsbeschränkter Studiengänge an den 20 ausgewählten Hochschulen war 2011 um 20 Prozent höher als elf Jahre zuvor. Für rund jeden Fünften Studiengang müssen die Studieninteressierten Zulassungsvoraussetzungen erfüllen, auch wenn die Kapazität der möglichen Studienplätze kein Problem ist.

3. Wie berechnen und planen die Bundesländer ihre Kapazitäten? Was hat sich durch die Veränderung des Staatsvertrags über die Vergabe von Studienplätzen im Jahr 2006 geändert?

Nach der Änderung des Staatsvertrages, angestoßen auch durch die Bologna-Reform, haben die Länder Gestaltungsspielraum bei der Berechnung der Aufnahmekapazität der örtlich zulassungsbeschränkten Studiengänge gewonnen. Eine Befragung der Hochschulabteilungen der Kultus- bzw. Wissenschaftsministerien der Länder ergab: Neun Bundesländer haben diese Möglichkeit genutzt und sehen statt der alten "Curricularnormwerte" studiengangsspezifische Werte vor.

4. Wie ist Marketing im Organisationsgefüge der Hochschulen verankert?

Ein Großteil der Hochschulen in Deutschland betreibt auf irgendeine Art und Weise Marketing: Explizit verfügen rund drei Fünftel der Hochschulen über Marketingstellen, insbesondere an den ostdeutschen Hochschulen sind sie weit verbreitet.

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