Wissenschaftlicher Nachwuchs: Keine Garantie für den Doktortitel!

GastbeitragWissenschaftlicher Nachwuchs: Keine Garantie für den Doktortitel!

Forschungsministerin Johanna Wanka will die Lage der Doktoranden bessern. Länger laufende Verträge sind gut. Aber wichtiger ist, das Prinzip der Auslese zu wahren.

Deutschlands einziger Rohstoff im internationalen Wettbewerb sind kluge Köpfe. Wir müssen mehr von ihnen und vor allem bessere ausbilden - gerade auch als Doktoranden in den MINT-Fächern, also Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Denn diese schaffen Arbeitsplätze und generieren Steuern. In unseren besten Wissenschaftlern liegt das Kapital unseren Landes.

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Zum Autor

  • Axel Meyer

    ist Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz.

Aber Forschen will gelernt sein und das geht nur, indem man sich durch 70- bis 80-Stundenwochen müht und dadurch erfährt, ob man es wirklich kann und es einem wirklich liegt. Das braucht Jahre. Die meisten Doktorarbeiten in den USA dauern wenigstens fünf bis sechs Jahre, von Doktoranden in Deutschland wird erwartet, dass sie es in drei bis vier Jahren schaffen. Allerdings haben unsere Doktoranden auch schon einen Masterabschluss, während die meisten Doktoranden in den USA nur einen Bachelorabschluss haben, also oft zwei Jahre jünger und unerfahrener sind, wenn sie mit der Doktorarbeit beginnen. Außerdem müssen unsere Doktoranden nicht oder sehr viel weniger unterrichten als die Doktoranden selbst an den besten Universitäten der USA. Dort werden oft 20 Stunden Unterricht pro Woche von ihnen erwartet. Deutsche Doktoranden haben also mehr Zeit für Forschung und werden meist auf vom Professor ausformulierte Forschungsprojekte eingestellt. In den USA erklärt sich die längere Doktorandenphase auch damit, dass die Doktoranden erst selbständig Forschungsprojekte entwickeln müssen, was Erfahrung erfordert und damit Zeit kostet.

Nun wird von Gewerkschaften und Ministerin Wanka gefordert, dass unsere Doktoranden länger laufende Verträge bekommen. Das ist in den USA auch so, wird aber an Bedingungen geknüpft. Im Prinzip ist es keine schlechte Idee, einen Vertrag von Anfang an für die gesamte Länge (drei bis vier Jahre) einer Doktorarbeit zu vergeben. Die Realität sieht so aus, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft in der Regel maximal dreijährige Forschungsprojekte (im Einzelverfahren) genehmigt und die meisten Universitäten nicht genügend finanzielle Mittel haben, um Doktorandenverträge um ein Jahr zu verlängern. Auch das Timing ist für Professoren nicht leicht, einen passenden Doktoranden zu finden, der genau zum Beginn der Forschungsförderung anfangen kann.  

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Das größere Problem sehe ich allerdings darin, dass nicht alle Doktoranden befähigt und motiviert genug sind, um die Doktorarbeit wirklich abzuschließen. Ich habe in Berkeley und Harvard in den USA studiert und hatte an der Stony Brook University meine erste Professur. Zumindest in den Lebenswissenschaften kenne ich beide akademische Systeme gut und kann sie vergleichen. An den höchst selektiven, besten US-amerikanischen Universitäten, die meist weniger als zehn Prozent der Bewerber in die Doktorandenprogramme aufnehmen, schließen am Ende der Doktorandenzeit nur etwa 50 bis 60 Prozent mit einem Doktortitel ab.

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