Besser Schlafen: „Wir werden von Frühaufstehern dominiert“

InterviewBesser Schlafen: „Wir werden von Frühaufstehern dominiert“

von Nico Hornig

Manche Menschen kommen morgens kaum aus dem Bett. Warum das so ist, erklärt Schlafforscher Hans-Günter Weeß. Und wie sinnvoll sind eigentlich Schlafphasenwecker?

Herr Weeß, manche Menschen sind schon mit wenigen Stunden Schlaf pro Nacht zufrieden, andere brauchen deutlich mehr. Woran liegt das?

Wie viel Schlaf wir benötigen, ist grundsätzlich genetisch festgelegt. In Deutschland brauchen drei Viertel der Bevölkerung sechs bis acht Stunden Schlaf pro Nacht. Genauso festgelegt ist, wann wir am besten schlafen können. Die Wissenshaft unterscheidet dabei zwei Typen, die Lerchen und die Eulen

Was unterscheidet die beiden voneinander?

Die Lerche will eher früh ins Bett, ist dafür aber auch am nächsten Morgen schon früh wieder auf den Beinen. Eulen würden dagegen am liebsten zwischen 23:30 und zwei Uhr schlafen gehen und zwischen 7:30 und 9:30 aufstehen. Mit einem Anteil von gut zwei Dritteln stellen die Eulen die Mehrheit unserer Gesellschaft.

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Warum wir Schlaf unterschätzen „Wir sind eine chronisch unausgeschlafene Gesellschaft”

Schlaf ist wichtig – und fördert das Wohlbefinden. Aber er hat ein Imageproblem und wird viel zu oft mit Faulheit in Verbindung gebracht. Warum wir aufhören sollten, zu wenig zu schlafen.

Gesunder Schlaf: „Wir sind eine chronisch unausgeschlafene Gesellschaft” Quelle: dpa

Trotzdem ist unser Alltag auf Lerchen ausgerichtet.

Das ist das Problem, tatsächlich führt das bei Eulen zu einem chronischen Schlafdefizit. Sie haben gewissermaßen einen sozialen Jetlag über die Arbeitswoche hinweg. Dieser Schlafmangel kann zu Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen führen. Außerdem haben Menschen mit einem chronischen Schlafdefizit ein erhöhtes Risiko für psychische Störungen, machen mehr Fehler am Arbeitsplatz und bauen viel mehr Unfälle.

Zur Person

  • Hans-Günter Weeß

    Dr. Hans-Günter Weeß ist Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Außerdem ist er Autor des Buchs „Die schlaflose Gesellschaft“, in dem er sich mit populären Schlafirrtümern auseinandersetzt und Tipps für einen erholsamen Schlaf gibt.

Was können geplagte Eulen denn machen, um trotz Schlafmangel besser aus dem Bett zu kommen?

Wenn der Schlaf zu kurz war, dann war er zu kurz, egal wie wir wach werden. Natürlich kann es angenehmer sein, wenn wir sanft von Musik und einem Lichtwecker aus unseren Träumen gerissen werden, aber trotzdem haben wir dann zu wenig geschlafen.

Schlafforscher Dr. Hans-Günter-Weeß Quelle: privat

Schlafforscher Dr. Hans-Günter-Weeß

Bild: privat

Viele Menschen schwören auf Schlafphasenwecker, die bestimmen sollen, wann wir am angenehmsten geweckt werden.

Das grenzt für mich schon ein bisschen an Scharlatanerie. Diese Apps oder Systeme wollen an Bewegungen oder Geräuschen erkennen, in welcher Schlafphase wir uns befinden. Aus wissenschaftlicher Sicht ist das unhaltbar. Selbst unsere professionellen Systeme in unseren Schlaflaboren, die mehrere Tausend Euro kosten, können Schlafphasen nicht automatisch erkennen. Ein App kann das erst recht nicht leisten.

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