Digitale Helfer: Mit ein paar Klicks zur inneren Balance

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Digitale Helfer: Mit ein paar Klicks zur inneren Balance

Stimmungslöcher und trübselige Tage treffen jeden von uns. Hilfe in grauen Phasen versprechen zahlreiche Programme in App Stores und dem Internet. Manchmal schaden sie mehr, als das sie helfen.

„Sind Sie gereizt? Machen Sie sich Sorgen, sind Sie nervös oder regen Sie sich schnell über Kleinigkeiten auf? Wollen Sie mehr aus Ihrem Leben machen?“, fragt die App besorgt nicht ganz ohne Hintergedanken. Denn schließlich möchte sie helfen, "emotionale Belastungen zu erkennen und zu überwinden." Durch das Online-Trainingsprogramm etwa von MoodyGym sollen ungünstige Denkmuster verändert, das Selbstgefühl gestärkt und soziale Beziehungen verbessert werden. Das klingt zunnächst einmal gut. Aber kann das klappen: Mit ein paar Klicks zur inneren Balance? Auf dem eigenen Sofa statt der Therapeutencouch seelisch genesen?

Dieses Ziel verfolgen mittlerweile viele Apps oder andere Online-Angebote.

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Symptome einer Depression

  • Müdigkeit

    Deutliche Geschlechtsunterschiede finden sich bei der sogenannten unipolaren Depression, von der Frauen doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. Diese Form ist gekennzeichnet durch Symptome wie verminderten Antrieb oder gesteigerte Müdigkeit, ...

  • Depressive Stimmung

    ... depressive Stimmung in einem ungewöhnlichen Ausmaß, die fast jeden Tag mindestens über zwei Wochen hinweg auftritt, ...

  • Keinerlei Freude

    ...Verlust an Interessen, keinerlei Freude mehr an Tätigkeiten, die einem früher mal Spaß und Befriedigung gebracht haben, ...

  • Selbstvertrauen

    ...Verlust des Selbstvertrauens und des Selbstwertgefühls sowie Selbstvorwürfe und Selbstzweifel,...

  • Konzentration

    ...Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen, Appetitverlust oder gesteigerter Appetit.

    (Quelle: Ursula Nuber, "Wer bin ich ohne dich?", Campus-Verlag)

Moodpath, Arya, Mr Mood, Selfapy – die Bandbreite an Moodmanagment- beziehungsweise Depressions-Tools auf dem Markt ist groß. Und ihre Vielzahl hat einen Grund. Denn Stimmungslöcher kennt jeder. Diese Tage oder Wochen, an denen wir mit uns und der Welt hadern. An denen wir zutiefst unzufrieden sind, Trübsal blasen und uns am liebsten in monatelangen Winterschlaf begeben würden. Jeder fünfte Deutsche erkrankt nach Angaben der Stiftung Deutsche Depressionshilfe mindestens im Leben an einer handfesten Depression.

Einen Ausweg aus dem grauen Seelentief versprechen die Programme in App Stores und dem Internet. Sie werben mit Achtsamkeitsübungen, Selbstbeobachtungsfunktionen und Notfallknöpfen. Dankbarkeitstagebücher, „inspirierende Zitate“. Glückstests oder Schlafprotokolle sollen die Nutzer zu Ausgeglichenheit und Zufriedenheit führen. Forscher fassen die digitalen Angebote unter dem Begriff „Internet-Interventionen“ zusammen und haben untersucht, ob sie ihr Versprechen auch erfüllen. Ihr Fazit: teils, teils.

Was bei der Arbeit stresst

  • Verantwortung

    Was sorgt im Büro für Stress? Der Personaldienstleister Robert Half hat im höheren Management nach den wichtigsten Gründen gefragt. Dabei gaben 18 Prozent der Befragten zu viel Verantwortung oder ständiges an die-Arbeit-denken auch in der Freizeit als Grund für Stress bei der Arbeit an. Nur in Tschechien können die Beschäftigten außerhalb des Arbeitsplatzes schwerer abschalten - dort gaben 28 Prozent an, dauernd an die Arbeit denken zu müssen. Auf der anderen Seite der Skala ist Luxemburg: nur fünf Prozent haben dort dieses Problem.

  • Nur wenige Menschen arbeiten stressfrei

    Keinen Stress haben dagegen nur sieben Prozent der deutschen Befragten. Genauso niedrig ist der Anteil derer, die ihren aktuellen Job nicht mögen.

  • Druck von oben

    Unangemessener Druck vom Chef nannten 27 Prozent der Befragten hierzulande als Stressgrund. In Brasilien sind es dagegen 44 Prozent.

  • Chefqualitäten

    Wenn der Chef sich eher um sein Handicap kümmert, statt ordentlich zu führen: 28 Prozent der Befragten sind mit der Managementfähigkeit des Chefs unglücklich. Das Unvermögen des führenden Managers, das zu Stress führt, scheint in Luxemburg relativ unbekannt zu sein - nur 11 Prozent der Befragten sind dort mit den Befragten unglücklich, in Dubai sind es gar neun Prozent.

  • Büroklatsch

    Dass unangenehme Kollegen oder fieser Büroklatsch zu Stress führen kann, ist allgemein bekannt. Dementsprechend führen auch 31 Prozent der Befragten das als Stressgrund an - der Anteil derer, die das ähnlich sehen, liegen in allen anderen Ländern fast gleich hoch - außer in Brasilien: 60 Prozent der Befragten geben unangenehme Kollegen und fiesen Büroklatsch als Stressgrund an.

  • Unterbesetzung

    Ein weitere Stressgrund: personelle Unterbesetzung. 41 Prozent der Befragten sehen das als wichtigen Grund für Stress bei der Arbeit an - ein Wert, der fast in allen Ländern ähnlich ist.

  • Arbeitsbelastung

    Doch am problematischsten, laut der Studie: die hohe Arbeitsbelastung. 51 Prozent der Befragten gaben dies als Stressgrund an. Deutschland liegt damit im Schnitt, auch in den anderen elf Ländern ist ein ähnlich hoher Anteil der gleichen Meinung.

Keine Frage, die Interventionen bieten eine Reihe von Vorteilen. Sie sind orts- und zeitunabhängig, niedrigschwellig und anonym. Sie können von beinahe beliebig vielen Menschen genutzt und leicht individuell angepasst werden. Und sie kosten im Vergleich zu Face-to-face-Angeboten – wie Coachings und Therapien – nicht viel. Ihr größter Vorzug aber ist: Sie können helfen. Eine Reihe von Forschungsarbeiten hat gezeigt, dass manche Programme sogar ähnlich wirksam sind wie eine klassische psychotherapeutische Behandlung.

Das gilt allerdings nicht für jedes beliebige Tool, sondern nur für wissenschaftlich konzipierte und evaluierte Programme – wie zum Beispiel MoodGYM, Deprexis oder GetON. „Nicht alle Angebote, die man im Internet oder App Stores findet, sind auch empfehlenswert“, sagt Philipp Klein, Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Uniklinikums Schleswig-Holstein. „Im Netz findet man ein buntes Durcheinander von mehr oder weniger professionellen Angeboten, von denen nur wenige in wissenschaftlichen Studien untersucht wurden.“

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