Digitales Leben: Laptops sind tödlich für die Konzentration

Digitales Leben: Laptops sind tödlich für die Konzentration

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Digitales Arbeiten überfordert viele.

Tablet statt Tafel: Bildung und Klassenzimmer sollen digital werden. Gute Idee - wenn man den Kindern digitale Kompetenzen beibringt. Sonst sind sie genauso gestresst und leicht abzulenken, wie ihre Eltern im Büro.

Alle sprechen von Digitalisierung in der Bildung. Es ist höchste Zeit, dass junge Menschen in der Digitalen Kompetenz (DQ) gefördert werden, damit die Spaltung – bereits bei jungen Menschen – zwischen Nutznießern und Kennern der Digitalisierung minimiert wird und wir den Nachwuchs gut auf die Arbeitswelt von morgen vorbereiten. Dazu sollen Klassenräume mit Laptops ausgestattet werden, Kinder sollen lernen, sich sicher im Internet zu bewegen, mehr Online-Kurse angeboten werden und vieles mehr.
Andererseits weisen Studienergebnisse darauf hin, dass ein kompletter Umstieg von analog auf digital auch nicht die optimale Lösung ist. Zu viel Smartphone, zu viel Laptop, zu viel Online erhöht die Wahrscheinlichkeit von Smartphone-Abhängigkeit, reduzierter Aufmerksamkeitsspanne, Vergesslichkeit, Produktivitätseinbußen, Ungeduld, Unzufriedenheit und mangelndem Selbstwertgefühl bis hin zu fehlenden emotionalen und sozialen Kompetenzen.

Zur Person

  • Steffi Burkhart

    Steffi Burkhart ist Jahrgang 1985 und gehört zur Generation Y. Sie ist professionelle Speakerin, Beraterin und Autorin zum Thema Generation Y.


Die Nachteile des digitalen Arbeitens

Ein Laptop lenkt ab. In Zeiten von kurzen Aufmerksamkeitsspannen und Massen von E-Mails ist ein Laptop tödlich für die Konzentration. Eine Studie hat herausgefunden, dass in einer Vorlesung zwar die Hauptaktivität der meisten Studenten das Mitschreiben auf dem Laptop ist. Mehr als ein Viertel verbrachte dagegen über die Hälfte der Zeit mit privaten Messangern und elf Prozent mit nicht-akademischen E-Mails. Noch wichtiger: 43 Prozent der Studenten waren der Meinung, ohne die Ablenkung des Internets besser performen zu können.

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Wir verarbeiten das Gehörte nicht richtig. Mitschreiben hat zwei wichtige Funktionen: die Informationen für später, zum Wiederholen, aufzubewahren und die, das Gehörte zu strukturieren und zu verarbeiten. Denn Studenten, die auf dem Laptop mitschreiben, schreiben das Gehörte eher wortwörtlich auf, anstatt es in eigene Worte zu fassen. Somit verarbeiten sie es schlechter.

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Zauberlehrlinge: In der Berliner Digitalwerkstatt lernen Kinder spielend Programmieren. Quelle: Nils Bröer für WirtschaftsWoche

Wir sind weniger kreativ. Textverarbeitungsprogramme setzen uns Grenzen dabei, wie wir etwas strukturieren und aufschreiben, wir sind auf die vorgegebenen Zeilen beschränkt und können nicht plötzlich bspw. diagonal schreiben. Dem Stift auf dem Papier dagegen sind keinerlei Grenzen gesetzt, was die Gestaltung der Notizen angeht.

Wir werden süchtig. Die Nutzung von Smartphone oder Laptop in Kombination mit Sozialen Medien setzt Dopamin frei. Über sich selbst zu sprechen, Likes und Anerkennung zu bekommen, fühlt sich gut an. Was dazu führt, dass das Verlangen danach steigt, sich immer wieder positive Kicks in Form von Aufmerksamkeit und Anerkennung übers Netz zu holen. Das kann zu einer pathologischen Übernutzung und somit zu einer Smartphone- oder „Cyberspace“ oder „Netz“-Abhängigkeit führen.

Soziale Kompetenzen bauen ab. Die Übernutzung von Sozialen Medien oder privaten Messengern in der Interaktion mit anderen führt dazu, dass junge Menschen sozialer Kompetenzen für die direkte Face-to-Face Kommunikation in der analogen Realität nicht mehr oder nur noch eingeschränkt erlernen.

Was also tun, um diesen negativen Entwicklungen, um diesen neuen Herausforderungen entgegenzuwirken?

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Wir sind dressierte Wesen. Bei all dem Optimierungswahnsinn bleibt aber ein wesentliches Gefühl auf der Strecke: das Glück.

Generation Y: Unser Selbstoptimierungswahn in der Always-on-Gesellschaft Quelle: dpa

Sowohl im eigenen Alltag, aber auch im Arbeitsumfeld? Hier ein paar Coping-Ansätze, die sich daraus ableiten lassen:


Konferenzräume ohne Smartphone-Nutzung

Auch wenn ein Smartphone klein und unscheinbar ist – sobald alle es in der Hand halten, stört es. Besonders in Konferenz- oder Klassenräumen sollten Smartphones deshalb nichts zu suchen haben. Im Meeting sollen wir den anderen zuhören, nicht auf unseren Bildschirmen herumtippen. Dann sind wir auch produktiver. Und während wir auf den Beginn des Meetings warten, haben wir die Chance, mit unseren Kollegen ins Gespräch zu kommen und echte Beziehungen aufzubauen.

Dazu ermutigen, Notizen auf Papier statt auf dem Laptop zu machen - und dabei als Vorbild vorausgehen. Denn wer auf dem Laptop schreibt, kann vielleicht mehr und schneller schreiben, aber behält wesentlich weniger von dem, was er getippt hat, als der, der den Stift in der Hand hat.

Lehren Sie, Feedback zu geben und Feedback zu erhalten.

Positives Feedback hören wir alle immer gerne. Es gibt uns Bestätigung und Selbstvertrauen. Aber das negative Feedback hilft uns, uns weiterzuentwickeln. Deshalb brauchen wir eine vernünftige Feedback-Kultur, die dazu ermutigt, ehrlich zu sein, aber immer auch das Positive zu betonen. Dann brauchen wir die Bestätigung in Sozialen Netzwerken vielleicht auch weniger.

Speed-Dating-Formate in Unternehmen, bei denen es darum geht, Kollegen kennenzulernen, die man sonst vielleicht nicht treffen würde und sich einfach mal Face-to-Face zu unterhalten. Dabei muss es nicht einmal Speed-Dating sein. Ein gemeinsamer Lunch, ein Team-Frühstück oder Ähnliches reichen schon. Solange Smartphone, Laptop und Arbeit draußen bleiben.

Und manchmal gibt es nur noch eins, das hilft: Einfach mal Urlaub machen.

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