Ein Plädoyer für mehr Zeit: Über Arbeit und Zen-Gärten

Ein Plädoyer für mehr Zeit: Über Arbeit und Zen-Gärten

Zeit ist mittlerweile zu einem Luxusgut geworden. Oft haben wir zu wenig, das hat Folgen für unsere Gesellschaft. Ein Plädoyer für mehr Zeit.

Auf meinem Schreibtisch steht eine kleine Sanduhr mit türkisfarbenen Sandkörnern. Als ich noch ein Kind war, saß ich oft begeistert vor der filigranen Glaskonstruktion, begutachtete das Fallen des Sandes und versuchte, die einzelnen Körner mitzuzählen. Es ist kaum nötig zu erwähnen, dass dieses Vorhaben aussichtslos war.

Der Sand fiel zu schnell und ich konnte kaum erahnen, ob in dem Augenblick so eben zehn oder hundert Körner sich durch den engen Hals des Trichters hindurchzwängten und sich von der Schwerkraft nach unten ziehen ließen.

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Dennoch blieb die Faszination, die Unmittelbarkeit der Zeit zu spüren und die Sekunden auf ihrem flüchtigen, kurzen Leben mit jedem fallenden Sandkorn zu begleiten. Es war schön, einfach da zu sitzen und nichts zu tun.

So schlafen Sie besser ein und stehen morgens entspannter auf

  • Sport und Bewegung

    Auch wenn es schwer fallen mag: Wer sich vor dem Schlafen gehen an der frischen Luft bewegt, bekommt den Kopf frei und schläft besser ein und durch. Dafür reicht schon ein Spaziergang an der frischen Luft - es muss ja nicht gleich das Power-Workout-Programm sein.

  • Den Job Job sein lassen

    Guter Schlaf hat viel mit Abschalten zu tun. Also schalten Sie Diensthandy und E-Mails aus, sobald Sie nach Hause kommen und kümmern Sei sich um Ihre Lieben und sich - und nicht um den cholerischen Chef.

  • Zeit mit geliebten Menschen verbringen

    Apropos Ihre Lieben: Nachdem Sie die letzten acht bis zehn Stunden mit Kollegen und Chefs verbracht haben, die Sie sich nur indirekt aussuchen können, verbringen Sie abends Zeit mit Familie, Kindern, Freunden oder Ihrem Goldfisch. Hauptsache, es ist etwas Lebendiges, das Sie mögen. Das entspannt enorm und sorgt für einen anderen Blick auf den Tag. Zumindest, wenn Sie sich mit Menschen beschäftigen.

  • Tag Revue passieren lassen

    Manchen Menschen hilft es, vor dem Schlafen gehen zehn Minuten zu meditieren. Sollte Ihnen der Spiritismus abgehen, lassen Sie einfach den Tag noch einmal an Ihrem inneren Auge vorbei ziehen - und zwar nur die guten Dinge. Konzentrieren Sie sich auf das, was gut gelaufen ist.

  • Machen Sie eine to-do-Liste

    Bevor Sie sich ins Bett legen, tragen Sie kurz - schriftlich oder in Gedanken - zusammen, was Sie am nächsten Tag erwartet: Der Hund muss zum Tierarzt, Sie wollten Milch kaufen, den Müll runter tragen, die Präsentation fertig stellen und abends mit den Kollegen Fußball spielen. So klären sie Ihre Gedanken und schlafen besser ein.

  • Lesen Sie

    Statt zum Einschlafen Fern zu schauen oder sich auf dem Smartphone Youtube-Videos anzusehen, lesen Sie lieber ein Buch. Das ist gut für die grauen Zellen und müde macht es auch.

Mittlerweile hat sich über den Deckel der Sanduhr eine feine Staubschicht gelegt. Ich weiß nicht mehr, wann ich die Uhr zuletzt umgedreht und einfach nur dem Sand zugeschaut habe. Womit sollte man heutzutage dieses scheinbare Nichtstun auch rechtfertigen, wenn man noch zwei Projekte fertigstellen, drei Hausarbeiten schreiben oder zum nächsten Meeting gehen muss?

Die Tage vieler Menschen bestehen heute aus einer Abfolge von Aufgaben und abzuhakenden To-Do-Listen. Das neue Mantra lautet Effizienz, jede Tat muss einem Zweck dienen und zugleich möglichst wenig Zeit in Anspruch nehmen. Wenn in einem Internetportal ein Supermarkt oder ein Arzt schlechte Bewertungen erhält, so sind diese nicht selten ein Resultat langer Wartezeiten.

Echte Arbeitsfreude statt mantraartiger Selbstmotivation - so geht's

  • Abenteuer suchen

    Wenn wir etwas Neues in Angriff nehmen, sind wir hellwach und lebendig. Herausforderungen stellen deshalb eine ausgezeichnete Glücksquelle dar. Wir können Zusammenhänge erforschen, wir lernen, wir gehen Risiken ein, müssen improvisieren, erfinderisch sein, Hindernisse aus dem Weg räumen usw. Das Erleben steht im Vordergrund. Wer so arbeitet, denkt nicht daran, zwischendurch auf die Uhr zu sehen und der Feierabend kommt überraschend.

    Quelle: Diplom-Psychologin Marion Lemper-Pychlau

  • Den richtigen Fokus wählen

    Das, womit sich der Geist beschäftigt, das wächst. Konzentrieren wir uns auf all die Faktoren, die Anlass zur Unzufriedenheit geben, dann wächst unweigerlich die Unzufriedenheit. Empfinden wir hingegen Dankbarkeit für die Dinge, die in Ordnung sind, wächst die Zufriedenheit. Alles nur eine Frage der Wahl...

  • Beziehungen pflegen

    Als soziale Wesen sind wir auf nährende Beziehungen angewiesen. Gerade im beruflichen Stress tut es gut, öfter mal ein Lächeln und ein aufmunterndes Wort geschenkt zu bekommen. Eine lockere Plauderei, gemeinsames Lachen, ein bisschen Anteilnahme – es braucht nicht viel, um Verbundenheit herzustellen. Jeder kann damit anfangen, solch eine Kultur der Freundlichkeit und des gegenseitigen Wohlwollens zu etablieren. Ein wenig Wärme im rauen Tagesgeschäft ist ein wertvoller Wohlfühlfaktor.

  • Mehr geben

    In der Arbeitswelt geht es den meisten um Gewinn und groß ist die Befürchtung, man könnte zu kurz kommen. Dahinter steht die unreflektierte Überzeugung, dass wir um so glücklicher sein werden, je mehr wir bekommen. Diese Überzeugung ist falsch. Denn wir sind alle Opfer des Gewöhnungseffekts: Was auch immer wie bekommen, wir gewöhnen uns daran und wollen dann um so mehr. So werden wir zu Getriebenen.
    Beständiger hingegen ist das Glück des Gebens, ebenfalls eine Erfindung der Evolution. Wenn wir etwas für andere tun, nutzt das häufig mehr uns selbst als dem Empfänger unserer Wohltaten. Die Natur belohnt Selbstlosigkeit mit Glücksgefühlen, weil sie früher einmal unmittelbar dem Überleben der Art diente. Der Mechanismus funktioniert auch heute noch hervorragend. Und ganz nebenbei erweist sich großer Einsatz oft auch als sehr förderlich für die eigene Karriere...

  • Spielräume nutzen

    Fremdbestimmung ist der Arbeitsfreude abträglich. Das Gefühl, nur ein Befehlsempfänger zu sein, lässt kein Glück zu. Wir können in solch einer Situation jedoch zum versierten Detektiv für Spielräume werden. Kleine Spielräume finden sich immer. Es ist sehr beglückend, sie auf persönliche und eigenwillige Weise zu nutzen. Wir wollen gestalten und der Welt unseren eigenen Stempel aufdrücken – das liegt in unserer Natur. Auch wenn es nur im Kleinen geschieht, so fühlt es sich doch sehr gut an.

Und wenn wir dann doch gezwungen sind, irgendwo zu warten, versuchen wir diese Zeit zu nutzen, indem wir unser Smartphone in die Hand nehmen und geschäftig darauf herum tippen. Neulich stand ich an der Schlange einer Supermarktkasse und habe beobachtet, wie ein kleiner Junge versucht hat, die Aufmerksamkeit seines Vaters zu gewinnen.

Dieser war jedoch mit seinem Handy beschäftigt, murmelte irgendetwas von wichtigen E-Mails und wichtigen Absprachen und versuchte, seinen Sohn abzuwimmeln. Natürlich ist dies nur eine kurze Sequenz, ein kleiner Ausschnitt eines einzigen Tages. Aber was ist, wenn es immer so läuft? Was ist, wenn man vor lauter wichtiger E-Mails und wichtiger Arbeit die eigene Familie, Freunde und sich selbst vernachlässigt?

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