Trainieren mit Apps: Diese Sport-Apps sollen Sie fit machen

Trainieren mit Apps: Diese Sport-Apps sollen Sie fit machen

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Autorin Louisa Lagé bei ihren Übungen im Fitnessstudio.

Billig, kurz und intensiv: Das Trainieren mit Apps liegt voll im Trend. Schon jeder dritte Deutsche nutzt sie - und spart Zeit. Aber nicht jede App macht gestresste Menschen schnell fit. Ein Test.

"Nimm die Hände mal breiter." Ich gehorche. Nicht nur, weil der Trainer immer recht hat. Ich habe sowieso keine Kraft zum Diskutieren. Der Schweiß rinnt, mit jedem Hochreißen und Umsetzen der Langhantel fällt es mir schwerer, weiterzumachen. Ich schiele auf die Uhr. Noch dreieinhalb Minuten. Ich pruste, lege die Langhantel langsam auf meinen Schultern ab und beginne mit den seitlichen Ausfallschritten. Meine absolute Hassübung. Ich stoppe. Plötzlich schreit jemand hinter mir: "Noch drei Minuten, jetzt keine Pause machen." Mein Kopf protestiert, während die Beine weitermachen.

Ich bin nicht der Typ, der gern allein trainiert. Ich kann mich zum Studio quälen, ich kann mich in die Sportsachen zwängen und danach sogar noch aufs Laufband manövrieren. Aber richtig ins Schwitzen komme ich nur, wenn ein anderer mich dazu zwingt. Deshalb bin ich schon seit zehn Jahren Mitglied in einem Fitnessstudio.

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Aber das kostet. Zeit und Geld. 65 Euro zahle ich im Monat, ein Studio-Besuch dauert mit Hin- und Rückweg mindestens zwei Stunden. Sport ohne Studio für Leute mit wenig Zeit, das ist das Versprechen hinter Fitness-Apps wie „Freeletics", „7 MWC“ und anderen. Das kommt an. Laut einer Studie von KPMG und IFH Köln nutzt bereits jeder dritte Deutsche Fitness-Apps. Bei den Jüngeren ist es schon jeder zweite. Die Apps werden auch deshalb immer beliebter, weil wir immer weniger Zeit haben.

Was die Kreativität fördert

  • Beschäftigung mit Abstraktem

    Der Psychologe Travis Proulx von der Universität von Kalifornien ließ Probanden sinnfreie Passagen aus Kafkas "Landarzt" lesen. In anschließenden Tests fanden sie mehr Lösungswege und schnitten besser ab als diejenigen, die eine redigierte Version gelesen hatten.

  • Bewegung

    Frank Fischer von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität analysierte die Gruppenarbeiten von 300 Studenten. Vorher hatte er den Raum mit höhenverstellbaren Tischen ausgestattet. Siehe da: Teilnehmer, die zwischen Sitzen und Stehen wechselten, kamen häufiger zu richtigen Ergebnissen als nur im Sitzen - und hatten 24 Prozent mehr Ideen.

  • Schlafen

    Im Schlaf findet kombinatorisches Denken statt, wie Denise Cai von der Universität von Kalifornien in San Diego 2009 bestätigen konnte. Sie ließ 77 Teilnehmer verschiedene verbale Aufgaben lösen, einige Probanden konnten zuvor ein Nickerchen halten - die lösten die Aufgaben am besten.

  • Positive Gedanken

    Der Sozialpsychologe Jens Förster von der Jacobs-Universität Bremen fand in einer Studie heraus, dass die Teilnehmer eine kniffelige Aufgabe eher lösten, wenn sie zuvor an ihren Partner gedacht hatten. Der Gedanke an Liebe lässt in die Zukunft blicken - was dabei hilft, Dinge miteinander in Beziehung zu stellen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben.

  • Wirkung von Farbe

    In blauer Umgebung steigt der Einfallsreichtum. Ravi Mehta und Rui Zhu von der Universität von British Columbia in Vancouver ließen Freiwillige im Jahr 2009 verschiedene Aufgaben lösen - roter Hintergrund verbesserte zwar die Leistung bei der Detailaufgabe, blau jedoch die Kreativität.

Trainer in der Hosentasche, die wenig bis gar nichts kosten. Das will ich auch. Für eine Woche werde ich zum Spombie, starre beim Sport nur noch zombieartig auf mein Smartphone. Für meinen Test lade ich mir sechs Apps herunter: Zwei Bodyweight-Apps und eine Yoga-App, die mich wegen ihrer Kürze anspricht. Außerdem hole ich mir ein Sieben-Minuten-Programm und eine App nur für das Bauchmuskeltraining. Alle Apps haben gemeinsam, dass man sie ohne Geräte an jedem beliebigen Ort ausführen kann und dass sie auch sehr kurze, intensive Workouts bieten.

Mein erster Tag im Studio. Während die altbekannten Gesichter auf Autopilot in den Kurs trotten, schnalle ich mir mein Smartphone-Armband an und gehe auf die Fläche.

Ich starte mit Freeletics. Mit ihrem schicken Design, den martialischen Workoutnamen und der engen Social-Media-Verknüpfung ist die App der Hipster unter den Sport-Apps. 2013 von drei jungen Münchener Studenten gegründet, zählt „Freeletics“ mittlerweile zehn Millionen User. Für blutige Anfänger bis zu gestählten Muskelpaketen kommt hier jeder auf seine Kosten.

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Laufen stärkt den Körper und bessert die Laune – zumindest, wenn man es richtig macht. Expertentipps, mit denen das Laufen hält, was es verspricht.

epa05483536 Lisa Hahner (L) and her sister Anna of Germany run towards the finish line in the women's Marathon race of the Rio 2016 Olympic Games Athletics, Track and Field events at the Olympic Stadium in Rio de Janeiro, Brazil, 14 August 2016. EPA/BERND THISSEN +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Und nun auch ich. Ich bin kein Einsteiger und teste "Prometheus", ein mittelschweres Workout: 30 Bergsteiger, 10 Liegestütze, 30 Situps, 30 Kniebeugen, 50 Hampelmänner, dann 30 Sekunden Pause. Das Ganze soll ich in der Zahl der Wiederholungen erst absteigend, dann aufsteigend für insgesamt fünf Runden machen. Neben den einzelnen Übungen sieht man kleine Bilder, hinter denen sich Erklärvideos verbergen. 

Ich lege los. Bergsteiger sind kein Problem. Liegestütze kann ich nur auf den Knien. Wird schon okay sein, denke ich. Mit der Zeiterfassung komme ich allerdings nicht gleich klar. Nach jeder Übung drücke ich auf dieselbige, doch irgendwie springt die Anzeige nicht weiter. Ich ziehe durch und achte selbst auf die Pausen. Und die brauche ich auch, das Workout ist sehr intensiv. Nach knapp 18 Minuten bin ich fertig. Die App belohnt mich dafür insgesamt mit 592 Punkten. Zusammen mit dem Schweiß auf meinem Handtuch ein guter Anfang.

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