Trend Superfood: Endlich Schluss mit miesem Essen

GastbeitragTrend Superfood: Endlich Schluss mit miesem Essen

Mit gesunder Ernährung tun sich viele Menschen schwer - und greifen dann auf scheinbar gutes Superfood zurück. Das muss nicht sein. Denn wir haben in Deutschland mehr Wochenmärkte als sonst irgendwo in Europa.

Die Menschen denken heutzutage offenbar nur noch in Extremen. Entweder finden sie etwas völlig beknackt oder hammermäßig. Daumen hoch oder Daumen runter, like oder dislike, dazwischen gibt es wenig bis gar nichts. Das kann man natürlich so machen. Das Problem ist bloß: Im Leben geht es nun mal nicht immer um Extreme, sondern um Balance – und zwar in jedem Bereich.

Acht Superfoods - und was sie können

  • Quinoa

    Das ist es: Die Quinoa-Pflanze gedeiht im Hochland der Anden. Dort sind die Körner des Fuchsschwanzgewäches eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel der Menschen. Der Gehalt an Eiweiß und einigen Mineralien übertrifft den gängiger Getreidearten. Dafür enthalten Quinoa-Körner kein Vitamin A oder C.

    Superfood-Faktor: Das gerne als "Reis der Inkas" bezeichnete Pseudogetreide ist vielfältig. Die mineralstoffreichen Blätter kommen in den Anden als Gemüse oder Salat auf den Tisch, die senfkorngroßen Nussfrüchte werden gekocht. Besonders wertvoll sind das hochwertige Eiweiß und die ungesättigten Fettsäuren. Quinoa ist vor allem für Menschen mit Glutenunverträglichkeit eine gute Alternative zu anderen Getreidesorten.

    Quellen: aid infodienst e.V., eigene Recherchen

  • Weizengras-Pulver

    Das ist es: Weizengras ist nichts anderes als die jungen Weizensprossen, die einige Tage nach der Aussaat geerntet werden. Es enthält vor allem Vitamin C, E, K, einige Mineralstoffe und ist reich an Eiweiß und Chlorophyll. Weizengras wird meistens als Pulver verkauft und dann mit Wasser vermischt. Es schmeckt: speziell.

    Superfood-Faktor: Oft ist über Weizengras zu lesen, dass es 60-mal mehr Vitamin C als Orangen, 50-mal mehr Vitamin E als Spinat und 30-mal mehr Vitamin B1 als Kuhmilch enthalte. Das ist nicht falsch, aber vor allem ein cleverer Werbetrick. Denn die Angaben beziehen sich auf 100 Gramm Weizengras - von dem ausgepresst nur ein Bruchteil als Saft übrig bleibt. Um die Nährwerte zu erreichen müsste man also 100 Gramm Saft trinken. Doch wer den einmal pur probiert hat, weiß: 100 Gramm bekommt keiner herunter.

  • Açai-Beeren

    Das ist es: Açai-Beeren sind die Früchte der Kohlpalme aus dem Amazonasgebiet. In voller Reife sind die blaubeergroßen Beeren tiefschwarz. Sie sind reich an pflanzlichen Proteinen, Antioxidantien, Kalzium und Vitaminen.

    Superfood-Faktor: Die Açai-Beere ist ein hochwertiges Lebensmittel. Ihre verjüngende und entschlackende Wirkung dagegen ist ein Gerücht - hierfür fehlt der wissenschaftliche Beweis. Wer im Sommer in den Garten geht und Heidelbeeren, Sauerkirschen oder schwarze Johannisbeeren nascht, verspeist die gleichen Inhaltsstoffe.

  • Chia-Samen

    Das ist es: Chia-Samen sind schwarze oder graue Körner der Salbeipflanze. Sie machten angeblich schon die Inka satt. Die Samen enthalten fünfmal so viel Kalzium wie Milch, liefern Antioxidantien, Omega-3-Fettsäuren und reichlich pflanzliche Proteine.

    Superfood-Faktor: Oft wird behauptet, die mittelamerikanischen Samen machten schlank. Der wissenschaftliche Beweis dafür aber fehlt. Trotzdem sind die Inhaltsstoffe interessant. Wegen des hohen Gehalts an Ballaststoffen gelten die Samen als Sattmacher. Heimische Leinsamen haben dieselbe Wirkung, sind aber deutlich günstiger.

  • Chlorella

    Das ist es: Chlorella ist die Bezeichnung für Mikroalgen, die auch in Süßwasser wachsen. Sie liefern Vitamin B12, mehrere Mineralstoffe und viel Eiweiß.

    Superfood-Faktor: Für Veganer können die Algen ein wichtiger Vitamin B12-Lieferant sein. Der Gehalt der Mikronährstoffe hängt allerdings stark von der Wasserqualität ab, in dem die Algen gezüchtet werden. Zudem gibt es Chlorella fast ausschließlich in Tabletten- oder Pulverform zu kaufen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung stuft als bedenklich ein, dass die Algen unerwünschte Stoffe wie Pestizide, Fungizide und Schwermetalle im Körper an sich binden.

  • Kakao-Nibs

    Das ist es: Als Kakao-Nibs werden die getrockneten Stücke der Kakaobohne verkauft. Sie enthalten 54 Prozent Fett, Eiweiß, Mineralstoffe und 300 weitere Inhaltsstoffe. Dazu jede Menge aromagebende Substanzen.

    Superfood-Faktor: Kakao liefert viel Polyphenole, die unter anderem Entzündungen und Krebs vorbeugen. Ein anderes Verkaufsargument ist, dass der Kalziumgehalt der Bohnen höher sei als der von Milch. Das stimmt. Allerdings ist ein Glas Milch schneller getrunken als ein Haufen Kakaobohnen gegessen. Auch eine Banane hätte einen ähnlichen Effekt.

  • Goji-Beeren

    Das ist es: Goji Beeren sind nichts anderes als die Früchte des Gemeinen Bocksdorns. Den gibt es schon ziemlich lange - aber Goji-Beeren klingt eben spannender. Die Früchte enthalten einige Vitamine, vor allem Vitamin C. Sie werden frisch, als Saft oder Trockenfrucht angeboten.

    Superfood-Faktor: Getrocknete Goji-Beeren werden oft als Anti-Aging-Sensation verkauft. Laut der europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA gibt es dafür aber kaum Belege. Auch der vermeintlich hohe Vitamin C-Gehalt relativiert sich bei näherer Hinsicht: Schwarze Johannisbeeren oder ein Apfel sind genauso gesund.

  • Grünkohl

    Das ist es: Vor allem im Norden Deutschlands ist Grünkohl beliebt. Er ist kalorienarm und liefert viele Vitamine und Mineralstoffe. Schon mit einer Portion lässt sich etwa der Tagesbedarf an Vitamin C decken. Auch Folsäure, Calcium, Kalium und Magnesium liefert Grünkohl reichlich.

    Superfood-Faktor: Der Grünkohl ist, wie jeder andere Kohl auch, ein wahres Supergemüse. Neben den genannten Inhaltsstoffen liefert er sekundäre Pflanzenstoffe. Die entzündungshemmenden und krebsrisikosenkenden Effekte des Grünkohls sind wissenschaftlich belegt.

Mein Bereich ist das Essen. Ich ernähre Menschen – aber nicht nur das. Seien wir ehrlich, niemand besucht meine Restaurants in Berlin, um sich einfach nur den Wanst vollzuschlagen. Das könnte man anderswo günstiger haben. Die Gäste wollen das Essen vor allem genießen. Die Realität außerhalb meiner Läden sieht leider anders aus, denn die Zeiten haben sich geändert. Woran das wohl liegt?

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Der Trend kommt aus Kalifornien

Ich habe den Eindruck, vor 20 Jahren wurde auf unseren Straßen zum Beispiel weder so viel noch so aggressiv gehupt wie heute. Es gab weder Smartphones noch YouTube oder Twitter, keine mediale Dauerpräsenz. Die Menschen aßen damals hauptsächlich, um satt zu werden – und nicht um ihren Teller mit dem Handy abzufotografieren und das Bild sofort mit ihrem digitalen Freundeskreis auf Facebook zu teilen. Ich finde, der tägliche Lebens- und Überlebenskampf wurde nicht so verbissen geführt wie heute. Alles war irgendwie entspannter. Auch im Bereich der Ernährung.

Menschen, die sich bio und öko ernährten, waren eine minimale Randgruppe, und niemand konnte ahnen, dass es deutsche Wörter wie Zeitgeist und über (allerdings ohne Pünktchen) in die englische Sprache schaffen würden.

Doch eines gab es damals schon. Ein Fleckchen Erde, an dem die Menschen seltsames Essen verspeisten. In einer Enklave, die bis zum heutigen Tag viele weltweite Ernährungstrends setzt – Kalifornien. Angeblich essen die Menschen in keinem anderen US-Bundesstaat so viel Gemüse. Vielleicht liegt es daran, dass die Lebensweise der Region bemerkenswert offen ist und frei, geprägt von visionären Entwicklungen, vor allem in technologischer, aber auch in kulinarischer Sicht.

Wer isst was? - Vegetarismus

  • Lacto-Vegetarier

    Neben pflanzlichen Produkten ergänzen sie den Speiseplan durch Milchprodukte.

  • Ovo-Vegetarier

    Zusätzlich zu pflanzlichen Produkten verzehren sie auch Eier.

  • Ovo-lacto-Vegetarier

    Milch und Eier sind ebenfalls erlaubt.

  • Pescetarier

    Ihre Devise heißt: Keine toten Tiere, solange es keine Fische sind - die werden verzehrt.

  • Pudding-Vegetarier

    Fleisch und Fisch werden gemieden, die Ernährung besteht größtenteils aus Fertiggerichten und diversen Süßigkeiten.

  • Frutarier

    Zusätzlich zum Verzicht auf Fleisch und Fisch verzehren Frutarier lediglich pflanzliche Produkte, deren Konsum der Pflanze nicht schadet (ein Apfel, der von selbst vom Baum fällt, darf verzehrt werden, eine Karotte hingegen nicht).

  • Strenge Vegetarier

    Alle Produkte tierischen Ursprungs werden gemieden. Diese Art von Vegetarismus grenzt an den Veganismus, jedoch wird hier nur auf die Ernährung geachtet, Mäntel oder Schuhe aus Leder werden getragen.

  • Flexitarier

    Viele Menschen verzichten bewusst gelegentlich auf Fleisch, sie heißen auch "Teilzeitvegetarier".

Dort entstand bereits vor Jahren der Trend zu lokalen Wochenmärkten – mit einem Sexappeal, den weiterhin leider kein deutscher Marktstand ausstrahlt. Auf den sogenannten Farmer Markets tummeln sich heute trendbewusste Normalos Seite an Seite mit Hollywoodstars und Profisportlern. Davon will nun selbst ein Konzern profitieren, der mit gesunder Ernährung bislang nicht allzu viel zu tun hatte. Der Burger-Riese McDonald’s serviert seinen Kunden in den USA seit einigen Monaten Frühstücksgerichte mit Grünkohl und Spinat. Na dann: Guten Appetit!

Deutschland neigt auch beim Essen zu Extremen

Doch auch der Trend zur vegetarischen Ernährung, zu Smoothies und Streetfood – all das entstand in Kalifornien, Jahre bevor wir in Deutschland davon hörten. Und was passierte? Wir haben diese Trends übernommen – wogegen prinzipiell ja erst mal nichts einzuwenden ist. Aber auch hier setzen sich anscheinend wieder Extreme durch.

Wer isst was? - Veganismus

  • Bio-Veganer

    Sie kaufen nur dort ein, wo parallel keine Tiere gehalten werden, der Bauernhof muss ohne Tierhaltung auskommen.

  • Frugane Ernährung

    Sie essen Früchte von solchen Pflanzen, deren Verzicht nicht die Zerstörung der Pflanze bedeutet.

  • Vegane Rohkost

    Um die Vitamine der Nahrung zu erhalten, werden die Lebensmittel nicht oder kaum mit Hitze behandelt.

  • Freeganismus

    Beim sogenannten "Containern" werden Lebensmittel aus Containern verzehrt, um damit die Lebensmittelverschwendung zu verringern, es wird jedoch nicht immer streng auf die vegane Lebensweise geachtet.

  • Strenge Veganer

    Nicht nur die Ernährung ist vegan, tabu sind zudem Leder, Wolle, Daunen und bestimmte Kosmetika. Ebenso verboten: Zoobesuche oder Haustierhaltung. Auch Zirkusveranstaltungen, bei denen Tiere auftreten, werden gemieden. Eine Welt ohne Jagd und Tierversuche stellt das Ideal dar.

Die gut Informierten unter uns gehen seit ein paar Jahren in Biosupermärkte, nirgends in Europa gibt es so viele wie in Berlin. Und selbst die Drogeriekette dm bietet deutschlandweit auf mehreren Metern Lebensmittel an, die damit endgültig im Mainstream angekommen sind: Superfoods. Eingerührt ins morgendliche Müsli, den nachmittäglichen Smoothie oder das ganztägige Wasser, sollen sie uns die nötige Energie liefern. Aber nicht nur das: Diese Lebensmittel haben offenbar magische Kräfte. Sie können angeblich gleichzeitig Stress abbauen, den Körper entgiften oder das Immunsystem stärken.

„Optimal für einen modernen Lebensstil!“, behauptet dm. Super Marketingtrick! Behaupte ich.

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