Glück: "In jedem von uns steckt ein Feel-Good-Manager"

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InterviewGlück: "In jedem von uns steckt ein Feel-Good-Manager"

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Glücklich im Job: Wie das trotz mieser Kollegen gelingt.

von Lisa Oenning

In Zeiten von Terror und Krisen erscheint das Glück wie ein rares Gut. Die "Glücksministerin" und Autorin Gina Schöler hilft Menschen bei der Suche nach dem Glück. Worauf es dabei ankommt, erzählt sie im Interview.

Im Rahmen einer Semesterarbeit entwickelte Gina Schöler mit Kommilitonen 2012 das Projekt "Ministerium für Glück und Wohlbefinden". Danach hat sie das Glück zu ihrem Beruf gemacht: Sie gibt Workshops und kooperiert mit prominenten Persönlichkeiten wie Heiko Maas und Eckart von Hirschhausen, um Menschen bei der Glückssuche zu helfen. Am 8. September erscheint ihr Buch "Das kleine Glück möchte abgeholt werden", in dem Prominente und Fans der Kampagne von ihrem Glück erzählen.

WirtschaftsWoche: Gibt es Glück auf Knopfdruck?

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Gina Schöler: Nein, das Buch soll die Sinne der Leser ansprechen, sie zum Nachdenken bewegen und sie ermutigen, das kleine Glück im Alltag selbst zu finden.

Die Idee dahinter ist, zu zeigen, wie die Wahrnehmung der verschiedenen Menschen sich im Laufe der Zeit verändert, wenn sie mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen und erkennen, was bereits alles Gutes in der Welt passiert. Zum anderen will ich den Lesern natürlich deutlich machen, wie sie ihr eigenes kleines Glück aktiv angehen können.

Gina Schöler

  • Zur Person

    Gina Schöler ist seit 2013 mit dem interaktiven Kunstprojekt und der multimedialen Kampagne „Ministerium für Glück und Wohlbefinden“ als Glücksministerin unterwegs. Sie hatte zuvor Kommunikationsdesign in Mannheim studiert. Sie hat bisher Schulworkshops zum Thema Glück durchgeführt sowie Netzwerkveranstaltungen mit Glücksexperten. Schöler kooperiert mit Bundesministerien und bekannten Persönlichkeiten wie Politiker Heiko Maas oder Moderator Eckhart von Hirschhausen.

  • Zum Buch

    Gina Schölers Erstlingswerk "Das kleine Glück möchte abgeholt werden" erscheint September 2016 im Campus Verlag. Es beinhaltet 222 Kurzgeschichten, die die Leser anstiften sollen, ihr eigenes Glück zu finden. Es beinhaltet unter anderem Beiträge von Heiko Maas, Eckart von Hirschhausen, Gerald Hüther und von Ha Vinh Tho vom Gross National Happiness Centre Bhutan.

Für das Buch hat das Projekt "Ministerium für Glück und Wohlbefinden" einen Aufruf gestartet, dass Fremde, aber auch Freunde ihre persönlichen Anekdoten zum Glücklich sein einsenden. Zusammengekommen sind 222 kurze Erzählungen über Begegnungen, Erfahrungen und Entdeckungen – auch von bekannten Persönlichkeiten wie Moderator Eckart von Hirschhausen oder Bundesjustizminister Heiko Maas. Und natürlich von mir selbst.

Wo steckt denn das Glück von Heiko Maas?

Im Triathlon. Seine Anekdote heißt "Grenzgänger". Darin erzählt er, wie er sich fühlt, wenn er sich beim Triathlon auspowert und wie schön es für ihn ist, mit seiner ganzen Kraft und Energie auf ein gewisses Ziel hinzuarbeiten – und es auch zu erreichen.

Und welche Geschichte gibt es von Ihnen zum Thema Glück?

In meiner Nachbarschaft gibt es eine alte Dame, die immer ganz allein unterwegs ist – das tut mir im Herzen weh. Eines Tages sah ich sie mit einem kleinen Jungen, der ihr wilde Geschichten erzählte. "Der kleine Junge macht einfach alles richtig", dachte ich in diesem Moment und nahm mir vor, der alten Frau auch etwas Gutes zu tun. Ein paar Wochen später trug ich ihre Taschen nach Hause. Das klingt total lapidar, aber wenn man einmal anfängt, sich solche kleine Aufgaben zu stellen, macht das nicht nur andere, sondern auch mich selbst glücklich.

Sie bezeichnen sich selbst als Glücksministerin. Was steckt dahinter?

Der Titel klingt natürlich frech – ist aber das Ergebnis einer jahrelangen Arbeit.

Raj Raghunathan "Wer zu viel denkt, macht sich unglücklich"

Klug, erfolgreich – und glücklich? Mitnichten, meint Raj Raghunathan. Gerade kluge Menschen sind oft unglücklicher. Der US-Professor erklärt, warum Geld, Erfolg und Karriere nicht automatisch zufrieden machen.

Denken macht unglücklich. Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Nach dem Studium wollte ich nicht – wie es für Kommunikationsdesigner üblich ist – Werbung für Produkte machen, sondern für nachhaltige Werte wie eben Wohlbefinden und Glück. Um mehr Aufmerksamkeit auf die Kampagne zu ziehen, haben Mitstudenten und ich uns auf die Suche nach einem Glücksminister gemacht, um der Kampagne eine Gesicht zu verleihen. Aber kurz darauf kamen Bekannte und User sozialer Netzwerke auf mich zu und meinten: "Gina, warum suchst du denn? Du bist doch die Glücksministerin." Und dann habe ich mein Amt angenommen – und es macht maximal Spaß.

Es kann sich ja jeder als Glücksministerin bezeichnen. Was zeichnet Sie dazu aus?

Ich komme zwar weder aus der Psychologie noch aus der Soziologie. Aber ich habe mich im Laufe der Jahre immer weiter in die unterschiedlichen Facetten des Themas eingearbeitet, indem ich viel mit Experten, Wissenschaftlern und Politikern über Glück und Wohlbefinden gesprochen habe. Learning by doing also.

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